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Lage für das Gesundheitssystem kritisch

Medizinisches Personal in Tokyo schlägt Alarm

Medizinisches Personal in Japan schlägt Alarm, da es immer mehr Patienten gibt, die mit einer Coronavirus-Infektion ins Krankenhaus kommen.

Es fehlt an freien Betten und auch die Ausrüstung sei nicht mehr ausreichend vorhanden, so die Mediziner. Das medizinische System von Tokyo steht bereits am Rande eines Zusammenbruchs.

Medizinisches Personal macht sich große Sorgen

Im Eiju General Hospital im Zentrum Tokyo ist die Krise bereits deutlich spürbar. In den letzten zwei Wochen sind immer mehr Fälle von Infektionen gemeldet worden, darunter auch 44 Ärzte, Krankenschwestern und anderes medizinisches Personal.

Mittlerweile musste das Krankenhaus Plakate am Eingang aufhängen, dass die Patienten informiert, dass das Krankenhaus vorübergehend geschlossen hat.

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Japan hat offiziell nur eine kleine Anzahl an Infizierten, anders als China und Südkorea. In Tokyo gibt es jedoch immer mehr Krankenhäuser, denen es wie dem Eiju General geht.

Daher sagen immer mehr Ärzte und Krankenschwestern, dass es trotzt der steigenden Zahl an Infektionen, an Ausrüstung und Personal mangelt.

„Wir können eine ganze Station leer räumen, um sie für Coronapatienten zu benutzen, aber das bedeutet, dass die Patienten woanders hin verlegt werden müssen“, so ein Arzt in einem Krankenhaus in Tokyo. „Wenn wir das aber nicht tun, wird sich das Virus im ganzen Krankenhaus ausbreiten und zu einem Zusammenbruch unseres medizinischen Systems führen“.

Japan hat die Coronavirus-Pandemie lange Zeit unterschätzt, selbst als andere Länder bereits ihre Grenzen geschlossen und die Tests verschärft haben, hat die japanische Regierung zögerlich reagiert. Laut Experten lag dieses Verhalten besonders an dem Mangel an Tests. Außerdem wog Japan in der Anfangsphase der Pandemie ab, ob man die Olympischen Spiele verschieben sollte, was ebenfalls zu einer Verharmlosung der Situation führte.

Seit Mitte Januar hat Japan 39.446 Menschen getestet, während Großbritannien 173.784 und Südkorea 443.273 Tests durchgeführt hat, so die Daten der Universität Oxford.

Laut Hitoshi Oshitani, ein Spezialist für Infektionskrankheiten im Regierungsausschuss, hat japanischen Behörden versucht, die Tests so durchzuführen, dass die Krankenhäuser Japans nicht überlastet wurden.

Infektionen steigen in Japan an und bringen das medizinische System am Rand eines Kollaps

Trotzdem hat sich die Gesamtzahl der Infektionen landesweit in den letzten sieben Tagen auf 3.654 fast verdoppelt. Tokyo ist nun mit mehr als 1.000 bestätigten Fällen der größte Knotenpunkt für COVID-19 in Japan.

Hiroshi Nishiura, Professor an der Universität Hokkaido und Mitglied eines Gremiums, das die Regierung bei der Reaktion auf das Coronavirus berät, sagte, dass das Eiju General, wie viele Krankenhäuser in Tokyo, keine Abteilung für Infektionskrankheiten hat. Das bedeutete, dass Coronavirus-Patienten zunächst zusammen mit allen anderen behandelt wurden, wodurch sich das Virus verbreiten konnte.

Ein Vertreter der Stadtverwaltung von Tokyo sagte am Montag, dass das medizinische System weiterhin sicher ist, und fügte hinzu, dass Tokyo die Einwohner weiterhin dazu dränge, alle unnötigen Ausflüge zu vermeiden.

Im dichten Tokyo, einer Stadt mit fast 14 Millionen Einwohnern, stellt die Ansteckungsgefahr ein enormes Risiko dar. Japan hat auch eine der ältesten Bevölkerungen der Welt, denn fast ein Drittel der Bevölkerung ist älter als 65 Jahre.

Nach Angaben des japanischen Gesundheitsministeriums gibt es landesweit etwa 1,5 Millionen Krankenhausbetten, aber die Betten in Unterdruckzimmern, die für Infektionskrankheiten ohne Tuberkulose reserviert sind, sind auf nur noch 1.882 Betten geschrumpft, 145 davon in Tokyo.

Laut Satoshi Kamayachi, Vorstandsmitglied der Japan Medical Association (JMA), gibt es in Tokyo keine Kapazitäten mehr, sodass ein medizinischer Kollaps nicht mehr unvorhersehbar ist. „Die Zahl der Patienten steigt eindeutig an, sodass die Situation immer dringlicher wird“, so Kamayachi.

Atemschutzmasken werden knapp

Ein halbes Dutzend Krankenschwestern, die in Kliniken und mittelgroßen Krankenhäusern in Tokyo arbeiten, sagten, man habe ihnen gesagt, dass sie Masken wieder verwenden sollten, und sie seien besorgt darüber, dass sie nicht genug Personal hätten, um mit einer Operation fertig zu werden. Mehrere Ärzte sagten, man habe sie angewiesen, die Kapazität ihrer Krankenhäuser nicht mit den Medien zu diskutieren.

Die Krankenschwestern sagten, sie seien nicht sicher, ob ihre Krankenhäuser über genügend moderne persönliche Schutzausrüstung wie N95-Masken und Plastikkittel verfügten.

Kasumi Matsuda, die für die Japan Federation of Medical Workers‘ Unions arbeitet und 13 Jahre lang Krankenschwester war, sagte, viele der 170.000 Mitglieder hätten auch über einen Mangel an Schutzausrüstung berichtet.

TJT

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