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Einwanderungsbehörde hat Misshandlung bestätigt

Misshandlung eines kurdischen Mannes in einem japanischen Einwanderungszentrum vor Gericht

Zum wiederholten Mal klagt ein Mann gegen die gewaltsamen Methoden, die in Japans Einwanderungszentren angewandt werden.

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Im aktuellen Fall wurde ein kurdischer Mann misshandelt, Videoaufnahmen dieser Misshandlung sind nun einem Gericht in Tokyo vorgelegt worden, nachdem der Mann Klage eingereicht hat.

Sechs Mitarbeiter gegen einen Mann in Handschellen

Das Video zeigt, wie der 40-jährige Mann von den Mitarbeitern des Einwanderungszentrums Higashi-Nihon in der Präfektur Ibaraki von sechs Männer auf den Boden gedrückt wurde. Seine Hände waren dabei mit Handschellen hinter seinem Rücken gefesselt.

Das Opfer hört man dabei schreien „Es tut weh“ und „Sie werden mich töten.“

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„Dies ist keine akzeptable Form der Festsetzung eines Menschen nach den Vorschriften des Einwanderungszentrums, sondern eine organisierte Form der Folter“, so Anwalt Takeshi Ohashi. „Die Einrichtung wird wie das Gefängnis von Abu Ghraib werden, wenn die Bedingungen so bleiben.“

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Abu-Ghuraib ist ein Gefängnis im Irak, in dem Insassen vom Wachpersonal der US-Armee gefoltert wurde.

Japans Einwanderungsbehörde gibt Misshandlung zu

Die Einwanderungsbehörde hat den Fall als unrechtmäßiges Verhalten eingestuft und sich bei dem Mann entschuldigt. Die Behörde weigert sich allerdings, Dokumente über die tatsächlichen Geschehnisse herauszugeben.

„Ich dachte, sie würden mich umbringen“, so das Opfer. „Ich habe immer noch Alpträume.“

Die Verteidigung hat vor Gericht argumentiert, dass der Vorfall am 18. Januar um Mitternacht geschah, nachdem dem Mann Medikamente vom Personal verweigert wurden. Eine Anzahl von Mitarbeitern betrat sein Zimmer, verdrehte seine Handgelenke und drückte ihm mit den Daumen das Kinn hoch, bevor sie ihn in einen separaten Raum brachten, wo er in Handschellen fixiert wurde.

Die japanische Einwanderungsbehörde lehnte einen Kommentar ab, da der Fall vor Gericht gebracht wurde.

Nicht der erste Fall von Misshandlungen vor einem japanischen Gericht

Immer wieder sorgen die Einwanderungszentren in Japan für Aufsehen. Erst im November verklagte ein Brasilianer die japanische Regierung, weil er durch die Behandlung in einem solchen Zentrum verletzt wurde.

Die Praxis, dass ausländische Menschen in Japan für lange Zeit in einem Einwanderungszentrum inhaftiert werden können, wird mittlerweile immer stärker in Japan kritisiert.

Auch Menschenrechtsorganisationen und die Vereinten Nationen verurteilen die langen Haftzeiten scharf. Die meisten Insassen haben dabei nicht einmal wirklich ein Verbrechen begangen. Die Situation hat sich jedoch für Ausländer seit 2015 verschlechtert, nachdem die Behörden die Bedingungen für vorläufige Entlassungen verschärft hatten.

MA

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