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HomeNachrichten aus JapanMobbing und Belästigungen im Homeoffice werden in Japan zum Problem

Zahl der Beschwerden nimmt zu

Mobbing und Belästigungen im Homeoffice werden in Japan zum Problem

Zurzeit arbeiten in Japan deutlich mehr Menschen im Homeoffice als sonst. Während viele den neuen Arbeitsstil angenehm finden, bringt er jedoch auch Probleme mit sich. Vor allem sind selbst zu Hause die Angestellten nicht vor Mobbing sicher. Die Misshandlungen werden immer mehr zu einem Problem und rücken damit ins Rampenlicht der Öffentlichkeit.

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Immer häufiger wird davon berichtet, dass ältere, höhergestellte Kollegen das Privatleben von Untergebenen kommentieren, in das sie aufgrund von Online-Meetings einen Einblick haben. Das stellt ein hohes Mobbing- und Belästigungsrisiko dar, was Unternehmen nicht ignorieren sollten.

Zu einem derartigen Fall kam es bei einem Telekommunikationsunternehmen in Tokyo. Eine 35 Jahre alte Mitarbeiterin meldete Belästigung durch ihren Boss in Online-Meetings. So behauptete er, als sie am Ende einer Sitzung kurz nur zu zweit waren, dass sie beim Abmelden trödelt, um mit ihm noch was zu trinken.

Kein Verständnis, keine Hemmungen

In anderen Sitzungen machte der Chef offen unangebrachte Aussagen. Unter anderem kommentierte er das fehlende Make-up, fragte nach dem Aufbau der Wohnung und ob der Freund gerade im selben Zimmer sei. Die Frau gab an, dass sie das Verhalten sehr wütend machte. Er habe sie schon im Büro mehrmals sexuell belästigt, nun sei es jedoch noch schlimmer geworden.

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Auch Männer berichten von Mobbing und Belästigungen. Ein 36 Jahre alter Mitarbeiter einer Beratungsfirma in Tokyo berichtet gleichermaßen von unangemessenem Verhalten. So kommentierte sein Vorgesetzter bei einer Sitzung, dass sein Kind laut ist und er es zum Schweigen bringen soll.

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Da die Frau ebenfalls von Zuhause arbeitete und sich auch nicht immer sofort um das einjährige Kind kümmern kann, entschied der Mann sich dazu, das Meeting auf dem Balkon weiterzuführen. Sein Chef fragte daraufhin, was seine Frau gerade macht, was laut dem Mann nur zeigt, dass er keine Ahnung von einem Haushalt hat, in dem beide Partner arbeiten.

Problem wird ignoriert

Wie ernst das Problem ist, zeigt sich bei Tokio Marine & Nichido Risk Consulting Co., die zahlreiche Anfragen wegen Belästigungen im Homeoffice erhalten haben. Wie der Forscher Masanobu Yamaoto erklärte, gibt es im Homeoffice eine entspannte Atmosphäre, was dazu führt, dass Vorgesetzte eher auf die Privatsphäre eingehen.

Bestimmte Mitarbeiter nicht zu Meetings einzuladen oder sie zu Trinkpartys zu zwingen, fällt ebenfalls Mobbing. Dazu gibt es bei persönlichen Gesprächen keine weiteren Personen, die zusehen oder zuhören. Das ermöglicht Tätern ungestört Personen aus der Ferne zu belästigen.

Versicherungen rüsten nach

Unternehmen scheinen sich dieser Problematik noch gar nicht bewusst zu sein, die vor allem ziemlich teuer werden kann. In der Zwischenzeit haben bereits Versicherungen damit anfangen Angebote aufzunehmen, die Rechtskosten und andere Ausgaben bei derartigen Mobbing-Fällen decken.

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Tokio Marine & Nichido Fire Insurance Co bietet seit Juni Versicherungspläne gegen sexuelle Belästigung und Mobbing an, welche die Fälle im Homeoffice abdecken. Es werden unter anderem die Rechtskosten übernommen, wenn ein Unternehmen verklagt wird, Schadenersatzzahlungen oder Datenlecks. Auch weitere Versicherungen wie Mitsui Sumitomo Insurance Co. und Aioi Nissay Dowa Insurance Co. bieten ähnliche Pläne an und weitere haben Angebote angekündigt.

MS

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