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Japans Programm zur Suche nach Überresten ist eher schlampig

Nach 75 Jahren werden in Japan immer noch 1 Millionen Kriegstote gesucht

Fast 75 Jahre ist es nun her, dass der Zweite Weltkrieg vorbei ist. Frieden konnten allerdings seitdem nicht alle finden. In Japan werden weiterhin um die eine Million Kriegstote vermisst, die vermutlich in ganz Asien verstreut sind. Die Regierung bemüht sich die Toten zu bergen, was jedoch nicht so einfach ist.

Insgesamt 2,4 Millionen Soldaten sind während des Kriegs in Übersee gefallen. Demnach ist etwa die Hälfte immer noch vermisst. Das Gebiet ist dabei groß. Tote liegen auf zahlreichen Inseln im Südpazifik, in China, Korea, der Mongolei und Russland. Etwa nur eine halbe Million der Soldaten lassen sich dabei auch bergen. Die andere Hälfte befindet sich in Gebieten, die nicht zugänglich sind oder im Meer.

Es ist allgemein schwierig die Orte zu finden, wo die Soldaten starben. Erinnerungen verblassen und Dokumente sowie Artefakte gehen verloren. Einige Suchen scheitern deswegen schon daran, dass niemand weiß, wo man suchen soll. Hoffnungen haben viele Familien nicht mehr, dass die Gefallenen noch nach Hause kommen. Selbst wenn Kriegstote gefunden werden, ist es eine schwere Aufgabe sie zu identifizieren.

Nur langsame Entwicklungen im Programm

Trotzdem ist Japan bemüht so viele Vermisste wie möglich zu finden. 2016 verabschiedete das Parlament ein Gesetz, mit der bis 2024 die Initiative zur Wiederherstellung von Überresten gestartet wurde. Die Zusammenarbeit mit dem US-Verteidigungsministerium wurde gefördert und das DNA-Matching verbessert.

Erst seit 2003 wird die DNA von Toten getestet und mit denen von Familien verglichen, allerdings nur auf Anfrage von möglichen Hinterbliebenen. Seit Juli gibt es nun ein eigenes Zentrum für die Tests, nachdem es in der Vergangenheit zahlreiche falsche Ergebnisse gab und Kriegstote als Japaner identifiziert wurden, obwohl es keine waren.

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Die erste offizielle Suche nach sterblichen Überresten im Ausland gab es 1952. Viele asiatische Länder waren darüber nicht erfreut. Für sie war der ehemalige Feind weiterhin unerwünscht. In den 50ern gab es weitere Suchen auf vor allem wichtigen Schlachtfeldern. Gesammelt wurden zufällige Knochen und andere Dinge. Die Mehrheit der Funde wurden nie identifiziert und Familien übergeben.

Japan arbeitet nur halbherzig an der Suche

Trotzdem kamen etwa die Überreste von etwa 10.000 Toten zusammen. 1962 versuchte das Wohlfahrtsministerium das Projekt zu beenden, was aufgrund der Bitten von Veteranen und Hinterbliebenen jedoch verworfen wurde. Erst seit 1991 darf Japan in Russland und der Mongolei nach Kriegstoten suchen, wo die Soldaten vor allem in den Inhaftierungslagern starben und in Massengräbern liegen.

Bis heute wurden insgesamt 340.000 Überreste geborgen, von denen die meisten auf dem Chidorigafuchi-Nationalfriedhof für unbekannte Soldaten sind. Die Toten erhielten nie einen DNA-Test oder wurden anderweitig identifiziert. Mit großer Sicherheit werden deswegen unter ihnen auch eine große Anzahl an koreanischen und taiwanesischen Soldaten sein. Zumindest glaubt das Kazufumi Hamai, Historiker und Experte für menschliche Überreste von der Teikyo University.

Unwahrscheinlich ist es nicht, da 240.000 Koreaner aufgrund der Kolonialisierung durch Japan für die Nation kämpften. Um die 20.000 von ihnen sollen außerhalb von Japan gestorben sein. Hamai sieht in der unzureichenden Überprüfung und der erst verspäteten Reaktion ein Versagen der japanischen Regierung.

Vergessene Ausländer und Respektlosigkeit

Es mangle an Respekt vor den einzelnen Toten und ihrer Würde. Das Sammelprogramm sei schlampig und wird auch nur dank Hinterbliebenen am Leben gehalten. Koreaner, Taiwaner und andere Nationalitäten werden dazu fast komplett ignoriert.

Nur im Yutenji Tempel befinden sich offiziell die Überreste von etwa 700 Koreanern. Von anderen Toten will das Sozialministerium nichts wissen und der Tempel sei das einzige Grab für koreanische Soldaten, von denen mehr als die Hälfte aus dem Norden stammen. Einige hunderte Überreste wurden bereits nach Gesprächen nach Korea zurückgeführt. Nach den Streitigkeiten im letzten Jahr sind die Bemühungen allerdings gestoppt

Auch dem Ausland ist bereits aufgefallen, dass Japan unsauber und uninteressiert arbeitet. Letztes Jahr wurden dank einer US-Bürgergruppe auf der Insel Tarawa die Überreste von 160 Asiaten gefunden. Südkorea und Japan wurden aufgefordert DNA-Tests bei den Toten durchzuführen. Das könnte nicht nur der Anstoß für bessere Untersuchungen sein, sondern auch eine Zusammenarbeit mit Südkorea.

MS

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