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Vorurteile machen es schwerer, Hikikomori zu helfen

Nach Amoklauf in Kawasaki befürchten Selbsthilfegruppen mehr Probleme für Hikikomori

Nach dem Amoklauf in Kawasaki wurden gestern einige Details über den Täter veröffentlicht. Dabei kam heraus, dass der Mann ein sogenannter Hikikomori ist, also ein Mensch, der sozial isoliert lebt und sich aus der Gesellschaft zurückgezogen hat.

Nachdem das bekannt wurde, fingen die Spekulationen an, ob es einen Zusammenhang zwischen dem isolierten Leben und kriminellem Verhalten gibt. Mittlerweile warnen Selbsthilfegruppen, die diese Menschen und ihre Familien unterstützen, die Medien und Experten davor, den Eindruck zu vermitteln, dass Hikikomori potenziell gefährlich sind.

Dies könne dazu führen, dass sich die Betroffenen weiter zurückziehen und es so schwerer wird, ihnen zu helfen.

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Gesellschaftliche Isolation – Mein Leben als Hikikomori

Die Zahl der Hikikomori mittleren Alters steigt in Japan weiter an. Verbände versuchen sie zu unterstützen, was allerdings schwierig ist, da Familien eher zögerlich Hilfe suchen.

Im Gegensatz zu Fällen von häuslichem Missbrauch oder Problemen zwischen Familienmitgliedern, die unter einem Dach leben, ist es laut Experten für die Behörden im Falle des Attentäters, der sich nach dem Angriff das Leben genommen hat, schwierig vorher einzuschreiten.

Täter hatte sich absichtlich zurückgezogen

Der Täter lebte bei seinem Onkel und seiner Tante, die beide in den 80er sind. Im November kontaktierte ein Angehöriger das Zentrum für psychische Gesundheit und Soziales von Kawasaki, um für die beiden älteren Herrschaften eine Pflegekraft zu finden. Dabei erzählten sie auch von dem Mann, der bei den beiden lebt und sich zurückgezogen hat, da sie befürchteten, dass eine fremde Person im Haus zu Problemen führen könnte.

Die Mitarbeiter des Zentrums sprachen 14 Mal mit dem älteren Paar – sowohl telefonisch als auch persönlich. Obwohl der Mann von dem Paar ein Taschengeld nahm und Essen aß, das für ihn zubereitet wurde, sprach er selten mit ihnen. Die Beamten schlugen vor, dass das Paar ihm einen Brief schreibt.

Daraufhin öffnete sich der Mann etwas und sagte zu seiner Tante: „Ich mache meine eigenen Mahlzeiten, mache meine eigene Wäsche und kümmere mich um mich selbst. Was meinst du damit, du machst dir Sorgen, dass ich ein Einsiedler bin?“

Laut eines weiteren Gesprächs mit einem Mitarbeiter des Zentrums hatte der Mann sich absichtlich zurückgezogen.

Laut einer Umfrage im März stiegt die Zahl der Hikikomori zwischen 40 und 64 Jahren in Japan auf etwa 613.000 Menschen an.

Bei der Umfrage waren mehr als drei Viertel der Hikikomori Männer. Mehr als die Hälfte aller Betroffenen gab an, dass sie schon über fünf Jahre zurückgezogen leben. Das ist deutlich mehr, als die Mindestgrenze von sechs Monaten, um als Hikikomori zu gelten. Einige der Befragten gaben sogar an, dass sie seit über 30 Jahren abgeschottet leben.

Quelle: JT, AT

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