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HomeNachrichten aus JapanNachgefragt: Japans Einreiseverbot und die Auswirkungen auf Betroffene

Die Schicksale hinter Japans Travelban

Nachgefragt: Japans Einreiseverbot und die Auswirkungen auf Betroffene

Wir haben bereits mehrfach berichtet, dass Japans Einreiseverbot für viele Probleme bei ausländischen Familienmitgliedern japanischer Staatsangehörigen, Studierenden und ausländischen Arbeitnehmern sorgt. Dazu haben wir euch gebeten, dass wenn ihr betroffen seid, uns zu schreiben.

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Das Verbot wird mittlerweile auch aus der Wirtschaft immer stärker kritisiert, denn es verschärft nicht nur den Arbeitskräftemangel, sondern behindert auch die Geschäfte von Unternehmen. Lässt man die Wirtschaft einmal außen vor, führt das Verbot bei vielen Menschen zu einer großen mentalen Belastung.

Mentale Belastung führt zum Abbruch des Studiums

Bereits seit längerem protestieren ausländische Studierende gegen das Einreiseverbot, da sie ihren Studienplatz in Japan nicht antreten können. Für viele bleibt nur die Option, zu Hause am PC an den Kursen teilzunehmen, was bei dem Zeitunterschied zwischen Japan und Deutschland allerdings nicht einfach ist.

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Ein Leser hat dazu noch auf ein anderes Problem hingewiesen, denn je nachdem wo man in Deutschland wohnt, hat man keine ausreichend schnelle Internetverbindung.

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Seit fast 2 Jahren warte ich auf die Einreise als Student.
Aber ich habe beschlossen, das Studium abzubrechen. Das Alleinsein, auch der Ärger über eine schwache Internetverbindung und der große Zeitunterschied machen mir sehr zu schaffen. Kopfmäßig kann ich das nicht mehr.

Mit dem Entschluss steht unser Leser nicht allein da, die Berichte von Studierenden, die aufgeben, häufen sich.

Nicht nur Studierende und Ehepartner vom Einreiseverbot betroffen

Wie bereits erwähnt, betrifft das Einreiseverbot auch Menschen, die Angehörige in Japan haben. Meistens ist von Ehepartnern die Rede, aber was außer Acht gelassen wird, sind Menschen, deren Freund oder Freundin in Japan lebt. Ein Leser hat uns geschrieben, dass er seine Freundin seit fast 2 Jahren nicht mehr sehen konnte.

Ich lese immer nur von Studenten und Ehepartnern, die durch das Einreiseverbot Probleme haben. Es gibt auch Leute wie mich, deren Freundin (nicht-Japanerin) in Japan mit einem Permanent Residence Visum lebt.

Vor 2 Jahren im April, kurz vor dem Einreiseverbot war ich noch in Japan bzw. bin nach Hause geflogen. Unsere Pläne waren eigentlich dann im Mai / Juli zu heiraten. Nun ja, sagen wir so, sie weiß noch nicht, dass ich sie da fragen wollte, aber die Ehe an sich ist natürlich geplant für die Zukunft.

Wegen der Quarantäneregeln konnte sie mich nicht besuchen und wegen des Einreiseverbots kann auch ich nicht zu ihr. Da wir auch nicht verheiratet sind, gibt es für uns keine „Sonderregelung“ zum Beantragen eines Visums für mich. Somit führen wir momentan eine Fernbeziehung und haben uns fast 2 Jahre nicht gesehen.

Meinen Flug, welchen ich letztes Jahr im Januar gebucht hatte, mit der Hoffnung es klappe im Oktober 2021, verschiebe ich inzwischen fast monatlich auf ein neues Datum.

Wie ihr seht, gibt es auch andere Fälle außer Tourismus, Ehepartner*innen und Student*innen, die darunter zu leiden haben.

Quarantäneregeln treffen auf Arbeitszeiten

Dieses Problem betrifft leider sehr viele Menschen, denn auch ein anderer Leser ist in der gleichen Situation, ebenso ein japanischer Freund von ihm.

Wegen des Einreiseverbotes bin ich (Deutscher) seit über 2 Jahren von meiner Freundin (Japanerin) getrennt.

Ich kann nicht nach Japan einreisen und sie kann aufgrund ihrer Arbeit nicht nach Deutschland, weil sie sich nicht so viele Urlaubstage nehmen kann, um Reise + 7/10/14 Tage Quarantäne abzudecken.

Wir kämpfen beide seitdem um den Erhalt unserer Beziehung, aber über Jahre eine Fernbeziehung ist sehr hart und verlangt von uns beiden viel ab. Tägliche Telefonate helfen, aber ersetzen nicht das wertvolle Zwischenmenschliche.

Die gleiche Situation wie meine Freundin macht ein japanischer Freund (lernt seit Jahren Deutsch) von mir durch, der die strenge Quarantäne-Regelung nicht mit seiner Arbeit vereinbaren kann. Andere engen Freundschaften von mir zu Japanern leiden ebenso unter der jahrelangen Besuchsflaute.

Außerdem hat es meine Pläne, ein paar Jahre in Japan zu arbeiten, komplett verdorben. Stattdessen will ich meine Freundin dann überzeugen, nach Deutschland zu ziehen, wo man als Einzelner von Arbeitgeber und Regierung sozialer und mit mehr Respekt behandelt wird.

Liebe ist kein Tourismus

Eine Leserin schreibt, dass sie mit einem Japaner verlobt ist, der in Japan lebt. Zuletzt haben sie sich im November 2019 gesehen, im Frühjahr 2020 wollte man sich wiedersehen, doch das Einreiseverbot hat dies zunichtegemacht.

Ich bin eine Frau in den Mittdreißigern. Mein Verlobter ist Japaner und lebt in Japan.

Im November 2019 haben wir uns das letzte Mal gesehen.
Im Frühling 2020 wollten wir uns wiedersehen, um ein gemeinsames Leben aufzubauen. Wir wollen eine Familie gründen … Manche Frauen können es sich nicht erlauben, weitere Jahre zu warten …
Liebe ist kein Tourismus.

Seit über 800 Tagen warten wir darauf, uns wiederzusehen. Flugtickets und Hoffnungen, die immer wieder zerschmettert wurden, begleiten uns seit über 2 Jahren. (Ich habe mittlerweile mein 5tes Ticket für diesen Juni gebucht – wie immer in der Hoffnung, dass es endlich klappt)

Zwischen Einsamkeit, Angst und Depression werden unverheiratete Paare oft vergessen, es ist wirklich schlimm.

Wenn ich die Geschichte der vielen anderen Menschen lese, deren Zukunft von der Politik zunichtegemacht wurde, von Student*innen, Familien, Unternehmer*innen und mehr. Und trotz allem warten viele immer noch tapfer und kämpfen weiter um ihre Zukunft, es macht die Abschottung Japans noch unerträglicher – Grausam.

Es kann es so nicht weitergehen.

Wir brauchen eine Veränderung. Wir wollen endlich eine klare Antwort. Die Wut wird größer. Ich kann es immer noch nicht begreifen, dass unsere Zukunft von einer Regierung abhängt, die scheinbar alles ignoriert.

Auch andere Länder öffnen und machen Fortschritte. Das kann nicht weiter ignoriert werden … aber es ist Japan …

Japan muss wirklich große Schritte leisten, um das verlorene Vertrauen der letzten 2 Jahre wieder einigermaßen zu richten.

Wir haben nun mal eine globale Pandemie, die globale und faire Lösungen und Zusammenarbeit erfordert. Wir sehen deutlich, dass eine Abschottung nicht die Lösung ist und nicht war.

Japans Umgang mit Ausländern in den letzten 2 Jahren wird sicherlich vielen (so wie mir) eine Narbe auf der Seele hinterlassen.

Es wird Zeit, das Leben muss wieder weitergehen können. Mit Maßnahmen, die tragbar sind. Die nicht einer ganzen Generation die Zukunft raubt.

Dabei spricht sie etwas an, dass auch in der internationalen Kritik immer wieder angebracht wird: „Japans Umgang mit Ausländern in den letzten 2 Jahren wird sicherlich vielen eine Narbe auf der Seele hinterlassen.“

Rechtmäßigkeit des Einreiseverbots ist zweifelhaft

Das Einreiseverbot hat in einer Umfrage, die im Dezember durchgeführt wurde, eine Zustimmung von 89 Prozent innerhalb der Bevölkerung bekommen. Aber die Stimmen mehren sich in Japan, die sich gegen das Verbot aussprechen, insbesondere nachdem jetzt auch Australien die Einreiseregeln entschärft hat. Australien hatte lange Zeit sogar die eigenen Staatsbürger nicht einreisen lassen.

Zudem stellen sich Rechtsexperten die Frage, ob das Verbot eigentlich rechtmäßig ist. Als Grundlage dient das Einwanderungskontroll- und Flüchtlingsanerkennungsgesetz, das den Passaus enthält, nach dem die Behörden einer Person die Einreise verweigern kann, wenn der Verdacht besteht, dass sie eine Straftat begeht.

Isami Sawai, wissenschaftlichen Mitarbeiter der Japan Society for the Promotion of Science, ist allerdings der Meinung, dass die Auslegung viel zu weit geht, denn damit gilt jeder ausländische Reisende aktuell als möglicher Straftäter.

Es ist laut Sawai daher nicht unwahrscheinlich, dass die japanische Regierung gar keine Probleme mit Ausländern selbst hat, sondern damit, die Zahl der Einreisenden zu beschränken, da das Quarantänesystem bereits an seine Grenzen stößt.

Licht am Ende des Tunnels

Es gibt allerdings einen Lichtblick, denn nachdem nun auch aus der Wirtschaft die Kritik immer lauter wird, stellte Japans Premierminister, Fumio Kishida, am Samstag eine Lockerung des Einreiseverbots für März in Aussicht.

Die Lockerungen sollen zuerst für Studierende und Geschäftsreisende gelten. Es ist allerdings davon auszugehen, dass es wie bei der ersten Öffnung ablaufen wird und man vor der Einreise mit einem bürokratischen Monster kämpfen muss.

Wie man allerdings anhand der Schicksale unserer Leser sieht, muss schnell mehr getan werden.

Hinweis: Die Texte wurden auf Wunsch anonymisiert. Wir bedanken uns für alle Zusendungen.

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