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Erde wird aus Kampfgebieten abgetragen

Neue US-Militärbasis in Okinawa erhält vermutlich Erde mit sterbliche Überreste von Kriegstoten

Obwohl sich die Menschen in Okinawa weiterhin gegen die neue US-Militärbasis wehren, laufen die Arbeiten für die Landrückgewinnung weiter. Nun kam jedoch kürzlich der Verdacht auf, dass in der Erde für das Bauprojekt sterbliche Überreste von Kriegstoten enthalten sind.

Zahlreiche Personen befürchten, dass menschliche Knochen zusammen mit dem Sand für die Landgewinnungsarbeiten im Henoko Bezirk von Nago vermischt werden. Zu der Vermutung kamen Freiwillige, die seit Jahrzehnten nach den Knochen der Toten suchen.

Erde wird in Gebieten mit vielen Überresten von Kriegstoten abgetragen

Ihnen fiel auf, dass die verwendete Erde aus Gebieten stammen, in denen viele Menschen gefallen sind oder Selbstmord begingen. Es kann demnach sein, dass die sterblichen Überreste nun unfreiwillig Teil der neuen U.S. Marine Corps Air Station Futenma werden.

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Takamatsu Gushiken sucht seit fast 40 Jahren auf der Insel nach Kriegstoten. Er ist dabei ein Mitglied der sogenannten Gamafuya, was wortwörtlich so viel wie „Menschen, die Höhlen graben“ heißt. Letzten September fand er in einem Waldgebiet im Komesu Bezirk von Itoman eine bisher unentdeckte Höhle, in der es vermutlich zu Kampfhandlungen kam. Neben Kugelfragmenten und Sägeblättern fand er auch einen Kieferknochen mit Zähnen.

Als er Anfang November in das Gebiet zurückkam, erlebte er jedoch eine Überraschung. Ein großer Teil des Geländes, den Wald mit eingeschlossen, war gerodet worden. Ein Schild wies darauf hin, dass es sich nun um einen Steinbruch handelt.

Seinen Fund hatte Gushiken der Polizei gemeldet und ihn der Präfekturregierung übergeben, nachdem er das Alter auf die Kriegszeit datieren konnte. Aufgrund des Standortes befürchtete Gushiken, dass nun sterbliche Überreste in dem Sand für die Landgewinnung sind.

Unternehmen denken überhaupt nicht Knochen im Boden

Erst im April 2020 beschloss das Verteidigungsministerium, dass sie aufgrund der Bedingungen des Meeresbodens Sand und Dreck vom südlichen Teil der Insel verwenden. 20,18 Millionen Kubikmeter an Sand werden dabei wohl benötigt, wobei Ioman und Yaese 31,6 Millionen Kubikmeter bieten könnten. Insgesamt wurden bereits 19 Standorte als Steinbrüche ausgewiesen.

Gerade aufgrund der großen Menge wird jedoch befürchtet, dass zuständige Unternehmen das Land nicht untersuchen und ungehindert Kriegstote ausgraben. Im Fall des Gebietes in Itoman gab die Firma zu, das sie die Erlaubnis im September erhielten und sich danach nicht mehr mit den weiteren Entwicklungen befassten.

Dass sie möglicherweise menschliche Überreste ausgegraben haben, haben sie überhaupt nicht bedacht. Die Firma versprach jedoch, dass sie alle Knochen sammeln und für die Toten beten werden. Das reicht den Menschen jedoch nicht aus und letzten November reichte eine Gruppe aus 500 Personen von Angehörigen des Weltkriegs einen Antrag beim Premierminister ein.

Sie baten ihn darum aus dem Süden von Okinawa keine Erde für Henoko zu sammeln. Die Reaktion fiel enttäuschen aus. Ein Beamter des Okinawa General Bureau gab an, dass es kein Verfahren gibt, um die Gebiete auf Kriegstote zu untersuchen, wenn sie zu Steinbrüchen werden.

Zentralregierung versprach nach den Toten zu suchen

Bei der Schlacht um Okinawa sind um die 200.000 japanische und amerikanische Soldaten gefallen. Dazu kommt etwa ein Viertel der Zivilbevölkerung, die während der Kampfhandlungen ums Leben kam. Viele Jahre später sind immer noch nicht alle Toten gefunden und die Präfekturregierung geht davon aus, dass sich auf der Insel weiterhin die sterblichen Überreste von 2.790 Personen befinden.

Seit 2016 liegt die Verantwortung beim Sammeln der Überreste von Soldaten und Zivilisten aus dem Zweiten Weltkrieg ganz bei der Zentralregierung. Die hatte bisher versprochen sich zu bemühen, die sterblichen Überreste zu finden. Vor allem bei Funden im Ausland gab es jedoch Probleme mit der Identifizierung, was bereits für einige unangenehme Vorfälle gesorgt hat. Allgemein wurde das Versprechen bisher kaum eingehalten.

Professor Kazufumi Hamai fordert deswegen, dass das Sozialministerium Anstrengungen unternimmt, um die Gebiete in Okinawa anständig zu erfassen und zu erhalten, wenn in ihnen möglicherweise Kriegsreste zu finden sind. Wenn in der Region schon unbedingt Erde verwendet werden soll, dann soll laut Hamai auch sichergestellt werden, dass in ihr keine sterblichen Überreste von Kriegstoten sind.

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