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Japan tut kaum etwas für Obdachlose in der Coronavirus-Pandemie

Obdachlose, die vergessen Menschen in der Coronavirus-Pandemie

Der weltweite Kampf gegen das neue Coronavirus hat dazu geführt, dass viele Hilfsprojekte für Obdachlose eingestellt wurden. Auch in Japan ist das nicht anders, denn alle Maßnahmen zielen bisher auf Menschen ab, die eine Wohnung haben, Obdachlose wurden bisher vergessen.

Selbsthilfegruppen haben Schwierigkeiten auf die Situation zu reagieren und viele haben zum Beispiel Suppenküchen wegen der Ausbreitung des Virus eingestellt.

Für viele Obdachlose fällt die medizinische Behandlung weg

Auch dass es kaum noch Gesichtsmasken gibt, führte dazu, dass viele Gruppen ihre Hilfsprojekte einstellen mussten. Obdachlose haben so gut wie gar keinen Zugang zu Masken. Zwar verteilen einige Hilfsorganisationen Masken, aber durch einen allgemeinen Mangel, sind sie knapp.

Eine Umfrage des Ministeriums für Gesundheit, Arbeit und Soziales vom September 2017 ergab, dass 42,8 Prozent der obdachlosen Bevölkerung Japans über 65 Jahre alt waren, das erste Mal waren es mehr als 40 Prozent. Das Durchschnittsalter von 61,5 Jahren lag erstmals bei über 60 Jahren.

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Viele Obdachlose in Tokyo haben auch gesundheitliche Probleme wie Diabetes und Herzerkrankungen, was sie besonders anfällig macht, da die Fälle von COVID-19 in der Hauptstadt weiter zunehmen.

„Jeder Mensch sieht das anders“, sagte Kenji Seino, Direktor der gemeinnützigen Organisation Tenohasi, die Obdachlose in Ikebukuro mit Lebensmitteln, Kleidung, Rat und medizinischen Untersuchungen versorgt. „Es kommt auf die Person an. Sie gehen nicht ins Krankenhaus, wenn sie an Influenza leiden und einige von ihnen denken, dass sie das Coronavirus haben und haben große Angst sich behandeln zu lassen.“

Obdachlose haben oft Angst und schämen sich

Obdachlose in Japan erhalten Zugang zu medizinischer Versorgung, wenn sie einen Antrag auf Sozialhilfe stellen. Angesichts des starken sozialen Stigma, das die Obdachlosigkeit in einem Land umgibt, das traditionell großen Wert auf Eigenständigkeit legt, entscheiden sich viele jedoch dafür, diesen Schritt nicht zu unternehmen.

Sozialhilfe wird auch nur dann gewährt, wenn ein Obdachloser nicht von seiner Familie unterstützt werden kann und auch keine andere Unterstützung hat. Viele Obdachlose schämen sich zu sehr, um ihre Familie kontaktieren und fragen zu können.

Tsuyoshi Inaba, Mitbegründer der gemeinnützigen Organisation Moyai und langjähriger Aktivist für die Rechte von Obdachlosen, sagt, dass Sozialbeamte häufig eine konfrontative Haltung einnehmen, die auch Obdachlose davon abhält Sozialhilfe zu beantragen.

„Ich weiß nicht, ob Obdachlose mit dem Coronavirus infiziert wurden oder nicht“, sagte Inaba. „Aber wenn es doch passiert, werden viele von ihnen wahrscheinlich nicht sofort eine medizinische Behandlung suchen. Wenn sie danach fragen, können sie es bekommen. Aber es besteht die Möglichkeit, dass viele von ihnen nur versuchen, es zu ertragen, und dann wird sich der Virus verbreiten. “

Information zum Coronavirus kommt nur langsam bei Obdachlosen an

Inaba sagt, dass viele Obdachlose in Tokyo bis Anfang März noch nicht einmal von COVID-19 gehört hatten, aber jetzt beginnen die Informationen durchzukommen. Selbsthilfegruppen in der Hauptstadt verteilen seit dem 14. März Flugblätter, die von Medecins du Monde während ihrer regelmäßigen Essensausgabe und Patrouillen erstellt wurden und Tenohasi verteilt seit dem 14. März auch Packungen mit Gesichtsmasken, Taschentüchern, Händedesinfektionsmitteln und Taschenwärmern.

Viele Obdachlose sind mehr besorgt darüber, ihre Lebensader an die Gesellschaft zu verlieren, als sich mit dem Virus zu infizieren. Das Einkommen von Firmen wurde bereits dadurch beeinflusst, dass Mitarbeiter des Unternehmens in Japan von zu Hause aus arbeiten oder ihre Arbeitsmuster anpassen, während der 67-jährige Koda sich darüber beschwert, dass er jetzt, da seine die Bibliothek, zu der immer geht, vorübergehend geschlossen ist, keinen Schutz mehr hat.

Ausnahmezustand würde die Situation verschlimmern

Wenn die japanische Regierung beschließt, den nationalen Ausnahmezustand zu erklären und die Unternehmen auffordert, den Betrieb einzustellen, wird sich die Situation für die Obdachlosen in Tokyo erheblich verschlechtern.

Eine Umfrage der Stadtverwaltung von Tokyo, die im Januar 2018 durchgeführt wurde, ergab, dass bis zu 4.000 Obdachlose in der Hauptstadt Zuflucht in Internet- und Manga-Cafés suchen. Sollten diese Einrichtungen schließen, könnten diese Leute nirgendwo hingehen.

Am Freitagmorgen legte eine Vereinigung von Hilfsgruppen für Obdachlose eine Anfrage an die Stadtverwaltung von Tokyo vor und forderte die Behörde auf, im Falle eines nationalen Ausnahmezustands ein Hotel oder Apartmentgebäude zur vorübergehenden Unterbringung von Obdachlosen bereitzustellen.

Derzeitige Obdachlosenunterkünfte in Japan eignen sich nicht für eine Unterbringung. Wenn Obdachlosen Sozialhilfe gewährt wird, werden sie zunächst in Notunterkünfte gebracht, die normalerweise über gemeinsame Schlafsäle verfügen, von denen einige bis zu 20 Personen beherbergen.

Durch die wirtschaftlichen Folgen der Coronavirus-Pandemie könnte die Zahl der Obdachlosen in Japan zunehmen, nachdem sie zuletzt rückläufig war, schätzen Hilfsorganisationen.

Experten erwarten, dass die wirtschaftlichen Folgen sehr groß sein werden und viele Menschen ihre Jobs verlieren. „Freiberufler und Kleinselbständige haben keine Arbeit. Tagelöhner werden keine Arbeit mehr finden. Die Leute werden nicht genug Geld haben, um ihre Miete zu bezahlen“, so ein Sprecher einer Hilfsorganisation für Obdachlose.

TJT. Kyodo, MA, AS

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