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HomeNachrichten aus JapanOkinawa feiert 50 Jahre Rückgabe an Japan

Präfektur muss noch viele Probleme bewältigen

Okinawa feiert 50 Jahre Rückgabe an Japan

Die Inselpräfektur Okinawa wurde am Sonntag vor 50 Jahren von den USA an Japan zurückgegeben. Trotzdem sind die USA in der Präfektur sehr präsent und die regionale Wirtschaft schwach im Landesvergleich.

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Bei einer Gedenkveranstaltung in der Nähe des US-Luftwaffenstützpunkts Futenma in Ginowan forderte Gouverneur Denny Tamaki die japanische Regierung auf, die Präfektur zu einer Insel des Friedens zu machen. Gleichzeit wies er darauf hin, dass das Ziel, dass bei der Rückgabe an Japan festgelegt wurde, noch nicht erreicht ist.

Okinawas Einwohner müssen die Belastung durch die US-Truppen schultern

„Auch nach 50 Jahren ist die Bevölkerung Okinawas gezwungen, übermäßige Belastungen durch die Stützpunkte zu schultern“, so Tamaki. In seiner Rede verwies er auf Unfälle und Verbrechen, an denen US-Truppen beteiligt waren, als einige Beispiele.

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„Wir hoffen, dass die Regierung aufrichtige Anstrengungen unternehmen wird, um ein friedliches und wohlhabendes Okinawa zu schaffen, in dem sich jeder Einwohner im wahrsten Sinne des Wortes glücklich fühlen kann“, so Tamaki weiter.

Japans Premierminister Fumio Kishida räumte in seiner Rede ein, dass die Präfektur nach wie vor unter großer Belastung durch die Stationierung der US-Truppen leide. Er versprach, kontinuierlich sichtbare Fortschritte bei der Verringerung dieser Belastung erzielen zu wollen und gleichzeitig die Abschreckung durch das japanisch-amerikanische Bündnis aufrechtzuerhalten.

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Zur schwachen Wirtschaft der Präfektur sagte Kishida, dass die Regierung weiter daran arbeiten wird, das Potenzial Okinawas maximal auszuschöpfen.

In Tokyo sprach Kaiser Naruhito vor insgesamt 1.300 Menschen, die Rede wurde per Videoschaltung übertragen. In seiner Rede drückte der japanische Kaiser sein Mitgefühl für die Menschen in Okinawa aus, die während des Krieges große Zerstörung und Leid ertragen mussten und immer noch mit Problemen zu kämpfen haben.

„Ich hoffe, dass ein breiterer Teil der Japaner, einschließlich der jungen Generation, ihr Verständnis für Okinawa weiter vertiefen wird“, so der Kaiser und wünschte der Präfektur eine blühende Zukunft.

Auch der US-Präsident Joe Biden richtete eine persönliche Botschaft an die Menschen der Präfektur, die durch den US-Botschafter in Japan, Rahm Emanuel übergeben wurde. In seiner Botschaft sagte Biden, dass er sich darauf freut, die Freundschaft mit Japan weiter zu vertiefen und im Block auf die nächsten 50 Jahre zum Wohlstand der Präfektur beizutragen.

Emanuel kündigte zudem ein Sprachstipendienprogramm für Highschool-Schüler in Okinawa an und sagte, sein jüngstes Treffen mit okinawanischen Schülern habe ihn gelehrt, dass es bei der Allianz nicht nur um einen Vertrag geht, sondern um eine Freundschaft zwischen Menschen.

Als Vertreterin der Jugend Okinawas sprach auch die 20-jährige Miyabi Heshiki bei der Zeremonie und brachte dabei die Entschlossenheit ihrer Generation zum Ausdruck. „Wir werden das, was unsere Vorfahren aufgebaut haben, schützen und weiter ausbauen, damit wir eine bessere Zukunft für Okinawa schaffen können.“

Auch in der Präfekturhauptstadt Naha fand am Morgen eine Kundgebung statt, bei der die Teilnehmer den Abzug aller Militärstützpunkte aus der Präfektur forderten.

Spaltung zwischen den US-Truppen und Einwohnern ist groß

Okinawa wurde am 15. Mai 1972, 20 Jahre nach dem Japan seine Souveränität nach der Niederlage im Zweiten Weltkrieg zurückbekommen hatte, von den USA zurückgeben. Weitere Teile der Präfektur werden allerdings für US-Stützpunkte genutzt, gegen die immer wieder protestiert wird.

Da Okinawa während des Zweiten Weltkriegs Schauplatz der größten Bodenschlacht auf japanischem Boden war, die schätzungsweise 200.000 Menschen das Leben kostete, die Hälfte davon Zivilisten, ist die Abneigung gegen die US-Basen nach wie vor groß.

Diese Abneigung wird durch den ständigen Lärm von Militärflugzeugen und Übungen noch verschärft. Flugzeugabstürze und Umweltverschmutzung sowie Vergewaltigungen und Morde, die von US-Soldaten begangen wurden, haben ebenfalls zur Unzufriedenheit beigetragen.

Laut einer Umfrage der Nachrichtenagentur Kyodo News, gaben 55 Prozent an, dass sie mit dem Verlauf der Geschichte nach der Rückkehr der Präfektur zu Japan unzufrieden sind, 94 Prozent begrüßen allerdings die Rückgabe selbst.

Für die japanische Regierung spielt die Präsenz der Osttruppen auf der Insel eine große Rolle für die Sicherheit des Landes.

Der Streit zwischen der japanischen Regierung und den Einwohnern hat dazu geführt, dass die Verlegung des Stützpunktes Futenma ins Stocken geraten ist.

Regionale Wirtschaft liegt hinter den anderen Präfekturen zurück

Obwohl die Insel in den letzten 50 Jahren ein gewisses Wirtschaftswachstum verzeichnen konnte, liegt sie wirtschaftlich immer noch hinter dem übrigen Japan zurück. Viele machen dafür zum Teil den Umstand verantwortlich, dass Okinawa jahrelang unter US-Verwaltung stand, während der Rest des Landes während der Zeit des japanischen Wirtschaftswunders ein jahrzehntelanges hohes Nachkriegswachstum verzeichnete.

Okinawa rangiert beim durchschnittlichen Pro-Kopf-Einkommen unter den 47 Präfekturen des Landes stets an letzter Stelle, da es in einigen Teilen der Präfektur außer dem Tourismus keine starken Industrien gibt, was zu einer großen Einkommenskluft zwischen den Einwohnern führt.

Kinderarmut ist in der Präfektur ebenfalls weit verbreitet und die Arbeitslosenquote ist deutlich höher als in anderen Teilen des Landes.

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