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Nicht mehr als Arbeitssklaven

Olympisches Reinigungspersonal berichtet von Verzweiflung und Kaltherzigkeit

MS: Die Tokyo Games 2020 sind mittlerweile seit einigen Tagen vorbei. Während zuletzt noch groß gejubelt wurde, werden nun immer mehr Probleme bekannt. Das Reinigungspersonal meldet sich jetzt zu Wort und berichtet von erschreckenden Zuständen.

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Die Arbeitskräfte berichten, dass sie wie Maschinen oder Sklaven behandelt wurden, die man entsorgen kann. Besonders in Bezug auf das Corona-Virus fühlten sie sich alleine gelassen und hatten ständig Angst, dass sie sich infizieren könnten.

Reinigungspersonal hatte Angst vor einer Coronainfektion

Eine Frau in den 50er, die als Teilzeit-Reinigerin tätig war, erzählte, dass sie jede Freude an den Spielen verloren hat. Als Kind habe sie das Event geliebt. Nachdem sie aber wie eine Sklavin behandelt wurde, verspürt sie nur noch Kummer.

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Sie hatte zusammen mit anderen teilweise konsumierte Lebensmittel und Getränke an den Wettkampfstätten weggeräumt und geputzt. Die Angst vor dem Virus ließ sie dabei alle verzweifeln und sie fühlten sich wie Wegwerfobjekte. Geimpft war von dem Reinigungspersonal kaum jemand.

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Die Arbeitsweise selbst schockierte sie auch. Am 1. Juli wurde die Frau am Veranstaltungsort von einer Gebäudeverwaltungsfirma ausgebildet. Obwohl zu dem Zeitpunkt bereits die Infektionszahlen stiegen, wurden sie nicht angewiesen, Handläufe und ähnliches regelmäßig zu desinfizieren.

Die Toilettenschüsseln sollten sie auch nur mit einem Handtuch auswischen. Nachdem sie um eine andere Methode gebeten hatten, wurde diese zwar angenommen, aber trotzdem hatten sie ständig Angst vor einer Infektion.

Massive Lebensmittelverschwendung

Neben der dauerhaften Gefahr, berichtete die Frau auch von der massiven Essensverschwendung, die auch bereits vom Komitee bestätigt wurde. Fast volle Bentoboxen füllten laut der Frau die Müllsäcke und Getränke wurden nach nur einem Schluck weggeworfen.

Für das Reinigungspersonal bedeutet das alles mehr Arbeit. Die Getränke mussten alle ausgekippt werden und die Müllsäcke wurden durch das ganze Essen schwer. Bei acht Stunden Arbeit und 60 Minuten Pause, waren die meisten am Ende des Tages erschöpft.

Auch wenn die Frau sich nur kurz hinsetzte, erhielt ihr Arbeitgeber eine Beschwerde vom Organisationskomitee. Wenn sie glaubte zusammenzubrechen, setzte sie sich deswegen für eine Minute heimlich in einem dunklen Badezimmer auf die Toilette.

Krank sein wurde nicht geduldet

Dankbarkeit wurde dem Reinigungspersonal nicht gezeigt und es wird allgemein von einer kalten Haltung gegenüber den Teilzeitbeschäftigten gesprochen. So wurde das Team der Frau verwarnt, als sie während einer Veranstaltung Müll an den Tribünen einsammelten. Sie sollten die Situation nicht ausnutzen und die Spiele anschauen.

Bei einem weiteren Vorfall hatte ein Kollege der Frau sich krankgemeldet. Die Reinigungsfirma feuerte ihn daraufhin, weil sie keine Menschen bräuchten, „die mit ihrer eigenen Gesundheit nicht zurechtkommen“.

Am Ende verdiente die Frau für 21 Tage Arbeit 180.000 Yen (ca. 1.387 Euro). Laut ihr war es von ihren bisher 15 Teilzeitjobs der Schlimmste. Für sie waren sie alle Teil einer olympischen Hierarchie, bei der die Teilzeitkräfte auf der letzten Stufe stehen.

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