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Aktivistinnen gegen Diskrimierung erhalten Pakete mit sexistischem Inhalt

Japanerinnen, die sich gegen Diskriminierung einsetzen, erhalten zurzeit Pakete mit unerwünschtem Inhalt, wie Damenunterwäsche oder Kosmetika. Ermittler vermuten einen Mann aus West-Japan hinter dem Absender.

Die Belästigungen richten sich aktuell gegen 14 Anwälte und anderen Mitglieder von Gruppierungen, die sich mit sozialen Fragen wie Menschenrechten und Sexismus befassen. Nur eines der bisherigen Opfer ist männlich.

Anfang Februar traten sieben Opfer in Tokyo vor die Presse und berichteten über die Präsente. Sie wollten so diese Aktion öffentlich machen und sich gegen den Täter stellen. Sie berichteten, dass die Artikel per Nachnahme geliefert wurden. Die Empfänger zahlten zwischen 1.000 und 30.000 Yen (8 bis 237 Euro). Die ersten Pakete erreichten die Aktivisten im Februar 2017. Bis Anfang dieses Jahres bekamen die Anwältinnen mehr als 30 Lieferungen.

Obwohl die Opfer in verschiedenen Regionen Japans und sogar im Ausland leben, fanden sie via Social Media zusammen und stellten fest, dass sie auf ähnliche Art und Weise belästigt wurden. Sie begannen, miteinander Informationen auszutauschen. Innerhalb kürzester Zeit meldeten sich mehr als 10 Opfer. Nach der Pressekonferenz meldeten sich mittlerweile vier weitere Personen.

Die meisten der per Nachnahme bestellten Artikel bestellte der Täter per Postkarte. Diese sind in Japan mit als Beilage in Zeitungen zugelegt. Alle betreffenden Bestellungen kamen anscheinend aus der Region Yamaguchi.

Satoko Murakami, 53 Jahre alt, ist Mitglied der Gemeindeversammlung von Kita-Kyushu. Sie erhielt im Juni 2018 das erste Paket. Insgesamt 16 BHs in einem Gesamtwert von 30.000 Yen gingen bei der Frau ein. Später folgten Gesundheitsgetränke und Küchen-Utensilien. Die Frau, die sich für mehr weibliche Politiker einsetzt, vermutete, die BHs erhalten zu haben, weil auf einer Online-Seite bereits fiese Kommentare über ihre Brüste zu lesen waren.

Japanische Aktivistinnen
Bild: Daisuke Ono

Analysen sollen den Absender der Pakete entlarven

Die Opfer sammelten 15 Postkarten und schickten sie an ein privates Unternehmen, das sich auf die Analyse von Handschriften spezialisierte. Wegen der geringen Anzahl eingesandter Unterlagen lasse sich eine genaue Analyse allerdings nur schwer vornehmen. Das Institut erklärte aber, dass die Postkarten viel gemeinsam haben.

Bei einigen Kanji-Zeichen ließen sich gravierende Ähnlichkeiten feststellen und auch die Zahlen 4, 7 und 8 wurden auf eine ähnliche, individuelle Art und Weise geschrieben. Die Analysten schlossen aus, dass die Karten absichtlich verfälscht geschrieben wurden und kommen zu dem Schluss, man müsse höchst wahrscheinlich nach einem Täter suchen, der alle Pakete bestellte.

Alle Postsendungen aus der Präfektur Yamaguchi sind mit dem Stempel für die Region versehen, was es schwer macht, den genauen Ort zu ermitteln, an dem die Schreiben eingeworfen wurden.

Ein Psychologie-Professor an der Kansai-Universität für Internationale Studien erforscht, wie Kriminelle sich anhand ihrer Vorgehensweise profilieren wollen. Er ist der Meinung, dass der Absender zu diesem Vorgehen greift, weil er mit sozialen Medien und auch direktem Kontakt zu Menschen wenig anfangen kann. Für ihn handelt der Täter nur sporadisch, weil er seine Aktionen als Mittel zum Stressabbau nutzt. Außerdem sei der Absender wahrscheinlich älter, weil Postkarten als Kommunikationsmittel heute kaum noch verwendet werden.

Auf die Frage, warum der Täter meist Unterwäsche und Kosmetika verschickt, erklärte der Professor, dass die Pakete die sexistische Weltsicht des Mannes repräsentieren. Frauen seien für ihn niemand, der sich in der Öffentlichkeit äußern sollte.

Der Professor half den Opfern letzten Sommer, Strafanzeige gegen den Absender der Pakete einzureichen. Die Polizei von Yahata-Nishi (Präfektur Fukuoka) ist auf Fälle von Geschäftsstörung spezialisiert und führt die Ermittlungen. Man befinde sich aktuell in der Phase einer grundlegenden Untersuchung der Vorkommnisse, berichtete ein zuständiger Beamter.

Quelle: The Asahi Shimbun

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