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Gesetzgeber haben unterschiedliche Ansichten

Debatte über unterschiedliche Nachnamen bei Eheleuten droht Partei zu spalten

Die Diskussion über unterschiedliche Nachnamen bei verheirateten japanischen Paaren droht vor den anstehenden Wahlen zum Pulverfass in der regierenden Liberaldemokratischen Partei (LDP) zu werden.

Die Frage, ob verheiratete japanische Paare per Gesetz unterschiedliche Nachnamen behalten können sollten, ist umstritten. Wie sehr, zeigte ein Treffen der Gesetzgeber der LDP am 2. April. Sie debattierten während eines ersten Treffens der mit dem Thema vertrauten Arbeitsgruppe etwa anderthalb Stunden lang.

Oberster Gerichtshof entscheidet

Bislang ist es in Japan üblich, dass Ehegatten nach der Eheschließung einen gemeinsamen Nachnamen tragen. Meistens nimmt die Frau den Namen des Mannes an, so wie es auch in Deutschland meistens gehandhabt wird. Umgekehrt passiert dies seltener.

Es gibt jedoch die Möglichkeit, als Frau weiterhin den Geburtsnamen zu nutzen. Da das bislang aus Gesetzesgründen nur eingeschränkt möglich ist, plädieren einige Politiker in Japan für eine Anpassung, die die Nutzung unterschiedlicher Familiennamen offiziell und damit einfacher macht. Die Entscheidung darüber fällt am Ende der Oberste Gerichtshof in Japan.

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Während der Gespräche am 2. April kamen sowohl Befürworter als auch Gegner der angedachten Gesetzesänderung zu Wort. 23 Gesetzgeber teilten ihre Meinung zu dem Thema mit, gegen Ende der Diskussion zeichneten sich die zwei Lager mit ihren unterschiedlichen Ansichten deutlich ab. Das sorgt vor der in diesem Jahr anstehenden Wahl für Zündstoff bei den Liberaldemokraten.

Konservative gegen Änderung des Gesetzes

Die Gruppenmitglieder, welche die Änderung befürworten, haben dabei die jüngeren Wähler im Blick, die sich einen Fortschritt in der Gesellschaft Japans bei diesem Thema wünschen. Die Mitglieder, die dagegen sind, wollen bei den konservativen Wählern punkten. In der konservativen Ecke wird befürchtet, dass die Änderungen zum Zusammenbruch des traditionellen Familiensystems in Japan führen.

Seit dem Gespräch wachsen die Befürchtungen, dass sich die Meinungsverschiedenheiten zwischen den Mitgliedern noch verschärfen könnten. Sind beide Seiten nicht in der Lage, sich zu einigen, werde es so aussehen, als ob die ganze Partei gespalten sei, äußerte sich ein Mitglied.

Inoffiziellen Gebrauch vorehelicher Namen ausweiten

Die ehemalige Ministerin für das Entführungsproblem, Eriko Yamatani, gehört zu denen, die die Gesetzänderung mit Skepsis betrachten. In ihren Augen sei kein Gesetz dafür nötig, dass japanische Ehepaare unterschiedliche Nachnamen tragen dürfen. Stattdessen plädiert Yamatani dafür, den inoffiziellen Gebrauch von vorehelichen Nachnamen im alltäglichen Leben auszuweiten.

Bisher müssen Kindergärtner und Pflegekräfte ihren Nachnamen auf den nach der Hochzeit eingetragenen Namen ändern. Dies betrifft in Japan überwiegend Frauen. Ihre Position in der Arbeitswelt soll mit der Änderung des Gesetzes gestärkt werden.

Der ehemalige Verteidigungsminister Takeshi Iwaya betrachtet die Problematik von einer anderen Seite. Er will über das Gesetz abstimmen lassen. Seiner Meinung nach könne das Problem nicht dadurch gelöst werden, indem die Bestimmungen für die Verwendung inoffizieller Nachnamen erweitert werden.

Streitpunkt muss geklärt werden

Der Vorsitzende der Arbeitsgruppe, der ehemalige LDP-Generalsekretär Nobuteru Ishihara, sagte nach dem Treffen, dass das Thema in jedem Fall geklärt werden müsse. Das geschehe jedoch nicht im Hinblick auf die Wahl.

Dennoch spuken sie weiter im Hinterkopf der Politiker, die Wahlkampfversprechen für die nächste Unterhauswahl. Die verschiedenen Lager haben sich mittlerweile zu zwei eigenständigen Gruppen zusammengetan. Beide wollen sichergehen, dass die unterschiedlichen Meinungen berücksichtigt werden, bevor der Oberste Gerichtshof sein Urteil in dieser Angelegenheit verkündet.

Bis dahin wird das Thema auch in der japanischen Öffentlichkeit weiter in aller Munde sein. Bei einem Event im November teilte sich das Mitglied der Abgeordnetenkammer, Hayao Onda, die Bühne mit dem Model Ryuchiru. Sie sprachen über die Bedeutung der Namenswahl und die Zukunft japanischer Ehepaare.

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Ob sich die zwei Lager noch vor der Wahl auf einen Mittelweg einigen, ist bislang unklar. Die Arbeitsgruppe der LDP müsse vorher die spezifischen Diskussionspunkte organisieren, so der Vorsitzende des Arbeitsteams, der frühere LDP-Generalsekretär Nobuteru Ishihara. Er deutete an, dass die Zeit bis zur Wahl dabei nicht ausreichen könnte.

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