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HomeNachrichten aus JapanPolitikDie Abe-Fraktion in Japans Regierungspartei läuft Gefahr sich zu spalten

Machtvakuum droht Fraktion zu zerbrechen

Die Abe-Fraktion in Japans Regierungspartei läuft Gefahr sich zu spalten

Die Abe-Fraktion in der japanischen Regierungspartei LDP läuft Gefahr sich ohne Shinzō Abe zu spalten, da ein Machtvakuum entstanden ist und die Fraktion mit einigen Skandalen zu kämpfen hat. Abe übernahm die Fraktion, als er im November 2021 zurück auf die politische Bühne kam.

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Die 97 Mitglieder zählende Fraktion traf sich am 19. September in Tokyo, um zu besprechen, wie es nun weitergehen wird. Die Versammlung begann mit einem 30-sekündigen stillen Gebet für Abe, der im Juli in Nara erschossen wurde.

Machtvakuum in der Abe-Fraktion

Die Abe-Fraktion ist die größte innerhalb der LDP, mit genügend Macht, um Premierminister Fumio Kishida das Regieren schwer zu machen. Bereits in der Vergangenheit konnte Abe durch die Stärke seiner Fraktion Druck auf den japanischen Premierminister ausüben, um seine politischen Ziele durchzusetzen.

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Nach dem Tod von Shinzō Abe hat die Fraktion allerdings keinen wirklichen Vorsitzenden mehr und es ist ein Machtvakuum entstanden.

Die Ermordung führte aber auch dazu, dass seine Beziehung zur Vereinigungskirche aufgedeckt wurde, einer Sekte, die beschuldigt wird, ihre Anhänger zu zwingen, ihr gesamtes Geld zu spenden.

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Mittlerweile wird angenommen, dass Abe eine Schlüsselfigur zwischen der LDP und der Sekte war. Bei einer internen Untersuchung stellt sich heraus, dass fast die Hälfte aller LDP-Abgeordneten Verbindungen zu der Sekte haben, die meisten davon gehören der Abe-Fraktion an.

Diese Verbindungen führen dazu, dass viele LDP-Mitglieder überzeugt sind, dass die Probleme, die die Partei durch die Verbindungen der Sekte bekommen hat, durch die Abe-Fraktion ausgelöst wurden.

Auf dem Treffen wurde die Vereinigungskirche allerdings nur am Rand erwähnt.

Zu den Problemen gesellt sich zusätzlich, dass die Staatsanwaltschaft in Tokyo den ehemaligen Premierminister Yoshiro Mori, im Kontext eines Bestechungsskandals bei den Olympischen Spielen wiederholt befragt hat.

Mori war Vorsitzender des Organisationskomitees der Olympischen Spiele in Tokyo, bevor er 2021 zurücktreten musste, nachdem er sich beleidigend über Frauen geäußert hatte. Er war bis 2012 auch ein wichtiges Mitglied der Abe-Fraktion.

Große LDP-Fraktionen haben die Parteipolitik lange Zeit durch ihr schieres zahlenmäßiges Gewicht beeinflusst. So hat die Abe-Fraktion seit 2000 vier Premierminister hervorgebracht – Yoshiro Mori, Junichiro Koizumi, Shinzō Abe und Yasuo Fukuda.

Wahl des neuen Vorsitzenden könnte zur Spaltung führen

Doch ohne eine einflussreiche Führung, wie Abe sie hatte, ist die Fraktion zu groß, um geeint zu bleiben. Einige Fraktionsmitglieder merkten bereits an, dass nur Abes enormer politischer Einfluss es möglich machte, die große Fraktion zusammenzuhalten.

Daher sind die Befürchtungen groß, dass die Fraktion auseinanderbrechen könnte. Die Befürchtungen werden noch befeuert durch die Tatsache, dass jüngere Fraktionsmitglieder unzufrieden damit sind, dass sie lange warten müssen, bis sie eine Chance auf einflussreichen Posten zu bekommen.

Die Spaltung ist auch aus dem Grund wahrscheinlich, dass es keine offensichtlichen Erben gibt, der Abes Arbeit weiterführen könnte. Die Fraktion plant nach dem Staatsbegräbnis von Shinzō Abe am 27. September einen neuen Vorsitzenden zu wählen.

Diese Wahl könnte den Stein ins Rollen bringen, der die Fraktion dazu bringt, sich aufzulösen.

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