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Direkte Einflussnahme

Die Einflussnahme der Politik auf die Medien in Japan

Noch bevor in Japan der Nachfolger von Shinzo Abe gewählt wurde, stand für die Medien im Land der Sieger bereits fest: Yoshihide Suga.

Tatsächlich haben die Medien eine große Rolle bei den Wahlen gespielt, auch wenn die Einwohner Japans gar nicht wählen konnten. Die Wahl macht allerdings auch bewusst, wie groß der Einfluss der Politik auf die Berichterstattung der Medien in Japan ist.

Suga von den Medien als Hoffnungsträger gefeiert

Als Abe seinen Rücktritt ankündigte, bis zur Wahl zum neuen Präsidenten der LDP und kurze Zeit später zum neuen Premierminister Japans wurde Suga in den Medien als Hoffnungsträger gefeiert.

Zwar gab es auch Kritik an Suga, allerdings beschränkte diese sich auf seine Unerfahrenheit in außenpolitischen Angelegenheiten.

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Als Abe seinen Rücktritt verkündete, war die Unterstützung für sein Kabinett bei den Japanern so niedrig wie seit Juli 2017 nicht mehr. Nach der Wahl von Suga ist sie allerdings direkt in die Höhe geschossen.

Das Magazin Aera bezeichnete dieses Phänomen als „Toshimaen“-Effekt. Damit ist der Vergnügungspark in Tokyo gemeint, der vor Kurzem geschlossen wurde und in seinen letzten Tagen noch einmal einen Besucheransturm erlebte, wie es schon lange nicht mehr der Fall war.

Der Artikel legt nahe, dass sich die meisten Menschen in Japan eigentlich nicht für die Regierung interessieren. Viele Menschen verlassen sich in Japan auf die Nachrichten im TV und als die Medien anfingen, Suga vorab bereits zum Premierminister zu erklären, wurde das so akzeptiert.

Trotz der Tatsache, dass Suga von den Medien, vor dem Rücktritt Abes, nie als Führungspersönlichkeit angesehen wurde.

Sugas Charakter wurde von den Medien hochgespielt

In einem Artikel von Harbor Business wurde geschlussfolgert, dass die sogenannten „Mainstream-Medien“ die LDP-Strategie aufgenommen haben und Suga zum Premierminister machten, indem sie seinen Charakter hochspielten.

Eigentlich wurde der neue japanische Premierminister in den Medien immer als mürrischer und zurückhaltender Mensch dargestellt, dessen beste Eigenschaft es ist, ein Fitnessfreak zu sein, der nicht trinkt und gerne Pfannkuchen isst.

Außerdem ist er kein Erbe einer Polit-Dynastie, die ihren Wahlkreis als Familienunternehmen betrachtet. Er ist der Sohn eines Bauern, der in die Großstadt zog und sich mit harter Arbeit an die Spitze kämpfte. Nach Abes Rücktritt war davon aber nichts mehr zu hören.

Anders war es bei Shigeru Ishiba, ein Kandidat, der ebenfalls LDP-Präsident werden wollte. Über Ishiba wurde kaum berichtet.

Im Juni fragte der Asahi Shimbun, wen sich die Menschen als nächsten Premierminister wünschen. 32 Prozent der Befragten sagten Ishiba und nur 3 Prozent wünschten sich Suga.

Doch nach der Wahl erhielt Suga die Zustimmung der Bevölkerung. Laut verschiedenen Umfragen schwingt sie zurzeit zwischen 64 und 74 Prozent, was für eine Regierung, die eigentlich noch nichts verändert hat, ziemlich selten in Japan ist.

Die Medien spielen dabei eine große Rolle, denn wie Yahoo News anmerkte, war die Wahl eigentlich wenig aufregend. Der Sieger stand für viele Journalisten bereits fest und die anderen Kandidaten fielen bei der Berichterstattung unten durch.

Die Tage vor der Wahl waren gespickt mit Berichten über den Hintergrund von Suga, die oft voller Lobes waren. Insgesamt war der Tenor der Berichterstattung ziemlich ähnlich: Suga ist gut für Japan.

Zuckerbrot und Peitsche für die Medien

Dabei gilt der neue japanische Premierminister als sehr verschwiegen. Er redet nicht gerne mit Medienvertretern und gilt als schwierige Persönlichkeit. Dies scheint Journalisten mehr zu beunruhigen, als das Bild in der Öffentlichkeit.

Das Fernsehen neigt bereits seit Jahren dazu, Suga vorsichtig zu behandeln, insbesondere wenn es um Kritik geht. Ein Ergebnis des Versuches der Regierung Abes, die Medien auf eine Linie zu bringen.

Dieser Versuch wurde laut Shigeaki Koga, einem Beamten des Handelsministeriums, der als Regierungskritiker gilt und früher ein häufiger TV-Experte war, in der Tat von Suga entworfen. Laut einem Interview, das er im Webprogramm der Democracy Times gab, hat Suga seit 2012 jeden Tag mit Journalisten gegessen, um um ihre Gunst zu buhlen.

Und Suga wird im Umgang mit der Presse ebenso gerne einen Stock benutzen wie ein Zuckerbrot. Ein Artikel in Gendai Business vom 18. September besagt, dass Sugas erklärtes Ziel, die Mobilfunkgebühren zu senken, ein doppeltes Motiv hat.

Indirekte Einflussnahme

Das eine ist offensichtlich, die Zustimmung der Öffentlichkeit zu gewinnen. Das andere ist, den Medien Angst einzujagen.

Die Regierung verpachtet die Funkwellen und so wie es aussieht, zahlen Fernsehnetzwerke viel weniger für die Nutzung der Frequenzen (mit Ausnahme von NHK, zwischen 630 Millionen Yen und 660 Millionen Yen pro Jahr) als die Anbieter von Mobiltelefondiensten (11,47 Milliarden Yen bis 18,41 Milliarden Yen).

Die Fernsehgesellschaften sehen in Sugas Plan, die Mobilfunkgebühren um 40 Prozent zu senken, eine verschleierte Bedrohung ihrer eigenen Interessen, da etwaige Einnahmeausfälle wahrscheinlich an anderer Stelle aufgeholt werden.

Niedrige Nutzungsgebühren für Rundfunkanstalten wurden einst durch die Rolle des Fernsehens als öffentlicher Dienst gerechtfertigt, eine Rolle, die zunehmend von mobilen Geräten übernommen wird.

Die Fernsehsender sind sich dessen bewusst und achten daher angeblich darauf, Suga und die LDP nicht in ein negatives Licht zu rücken.

In einer kürzlich erschienenen Kolumne von Shukan Asahi sagte Koga, dass die LDP vor der Präsidentschaftswahl der Partei einen Brief an alle Tageszeitungen und Rundfunkanstalten geschickt habe, in dem sie eine faire Berichterstattung über den Wahlkampf forderte.

Ihm ist nicht bekannt, dass die LDP einen solchen Brief an Fernsehsender geschickt hat, wahrscheinlich, weil sie nicht an ihre Rolle bei der Berichterstattung über den Wahlkampf erinnert werden mussten. Das Fernsehen weiß bereits, wie man sich an die Linie hält.

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