Größte Verteidigungsübung in der Geschichte Japans

Amerikanische Kampfflugzeuge sausten am Sonntag (28.10.) als Teil einer Verteidigungsübung über den Himmel des West-Pazifiks. Japanische Zerstörer führten gemeinsam mit dem von Atomkraft getriebenen USS Ronald Reagan Flugzeugträger sowie einem Kriegsschiff aus Kanada die wohl größte Kriegsübung in der japanischen Geschichte durch.

57.000 Seefahrer, Marinesoldaten und Piloten nahmen an der Verteidigungsübung mit dem Namen „Keen Sword“ (geschliffenes Schwert) teil. Sie findet alle zwei Jahre statt, war jedoch noch nie so groß angelegt wie dieses Jahr. 2016 nahmen 11.000 Personen weniger daran teil. Dieses Jahr sind 47.000 der Beteiligten japanische Soldaten, ein Fünftel der gesamten militärischen Kraft des Landes. Die restlichen 10.000 stammen aus den USA und Kanada.

Keen Sword Verteidigungsübung US Marine
Quelle: Wikimedia Commons

Bei der Verteidigungsübung steht vor allem die Stabilisierung und Erhaltung der Fähigkeiten im Ernstfall im Mittelpunkt. Die Truppen sollen, wann immer es nötig sein könnte, in der Lage sein, zu reagieren. Dafür führen die drei Länder diese gemeinsame Übung mit Manövern in der Luft, auf dem Meer, mit amphibischen Landungstruppen, zu Land und sogar gegen imaginäre U-Boote durch. Sie begaben sich dabei auch in Gewässer, von denen sowohl Tokyo als auch Washington fürchten, dass diese bald zunehmend in die Hände Chinas fallen könnten. Daher entschieden sie sich für eine Machtdemonstration mit acht zusätzlichen Schiffen in genau diesem Teil des West-Pazifiks.

Die USS Ronald Reagan ist mit einer Crew von 5.000 Seemännern und 90 Kampfflugzeugen das größte US Kriegsschiff, das derzeit in Asien stationiert ist. Es liegt momentan in Yokosuka, in der Nähe von Tokyo, vor Anker. Doch außer den Amerikanern nehmen auch kanadische Truppen an der Keen Sword Übung teil. Sie stellen ein Versorgungsschiff in der Fregatte der Reagan bereit. Ihre Mitwirkung ist ein deutliches Zeichen für ihren Wunsch nach einer eigenen militärischen Präsenz in Asien.

USS Ronald Reagan Flugzeugträger
Quelle: Wikimedia Commons

Nicht nur Kanada wünscht sich mehr militärische Präsenz in Asien

Der Kommandant der japanischen Schiffe, Konteradmiral Hiroshi Egawa, erklärte, dass ohne die Allianz mit Amerika eine essentielle Stabilität der Region nicht gegeben sei. Und diese Meinung teilen viele. Auch Großbritannien und Frankreich wünschen sich neben Kanada eine verstärkte militärische Präsenz im asiatischen Raum. Denn sie alle fürchten, dass der Einfluss Chinas auf den Indopazifik gemeinsam mit einer wachsenden militärischen Macht des Landes steigen könnte. Damit würde China gleichzeitig auch mehr Einfluss auf die wichtigsten Handelsrouten erhalten.

Aus diesen Gründen überwachten Beobachter aus England, Frankreich, Australien und Südkorea die Keen Sword Übung vergangene Woche. Doch auch die Waffen und Drohungen sowie Übungen Nordkoreas weckten das internationale Interesse an der Sicherheit Asiens. Dieses Interesse der westlichen Länder trifft überein mit dem japanischen Wunsch, die regionalen Diplomatien mit einer militärischen Machtdemonstration zu sichern.

Militärfallschirm Fallschirmspringer
Bild: Pixabay

Die groß angelegte Verteidigungsübung ist jedoch nicht Japans einzige Machtdemonstration. Im September erst schickte Tokyo ihr größtes Kriegsschiff, den Hubschrauberträger Kaga, auf eine zweimonatige Mission. Dazu gehörten auch Halte in den Philippinen, Indonesien, Sri Lanka, Indien und Singapur. Das 248 Meter lange Schiff der Selbstverteidigungs-Seestreitkräfte begleiteten zwei zusätzliche Zerstörer, die im Laufe der Reise eine Verteidigungsübung mit einem japanischen U-Boot im südchinesischen Meer durchführten.

Etwa zur gleichen Zeit begann ein Dialog zwischen dem japanischen Premierminister Shinzo Abe und der chinesischen Regierung. In diesem ging es um die Reduzierung der militärischen Spannungen zwischen beiden Ländern. Beide Seiten sprachen außerdem über eine verbesserte wirtschaftliche Kooperation zwischen den zwei führenden Wirtschaftsmächten Asiens. Im Zuge dieser Gespräche reiste Abe letzten Monat nach Beijing, um dort Präsident Yi Jinping und Premierminister Li Kequiang zu treffen.

Die Spannungen zwischen Japan und China bleiben bestehen

Weiterhin sieht Japan China jedoch als potentiell sehr viel größere und sehr viel herausfordernde Gegner an als Nordkorea. Denn die expandierenden Seestreitkräfte verstärken sich immer mehr. Außerdem wächst die Kontrolle Chinas über das Südchinesische Meer, wodurch sie sich immer weiter in den West-Pazifik und Indopazifik vorwagen. Vor diesem Hintergrund scheint eine Verteidigungsübung – auch wenn sie zum Teil einer Machtdemonstration dient – nach der einzigen logischen Möglichkeit für Japan.

Zudem investiert China weitere Mittel – und zwar weitaus mehr Gelder als Japan – in ihr Militär. Alleine in diesem Jahr gab Beijing 1,11 Billionen Yuan (ca. 140 Milliarden Euro) nur für ihre militärischen Truppen aus. Dreimal so viel wie Japan. Doch noch liegen die USA weiter vorne. Denn Chinas Ausgaben messen nur etwa ein Drittel von dem, was Amerika für ihre Truppen, die bei der Verteidigung der Japanischen Inseln unterstützen, zahlt.

Quelle: JapanToday

Kommentieren Sie den Artikel

Please enter your comment!
Please enter your name here

Cookie-Einstellung

Um unsere Webseite für Sie optimal zu gestalten und Werbung einblenden zu können,verwenden wir Cookies. Datenschutz | Impressum

Treffen Sie eine Auswahl um fortzufahren

Ihre Auswahl wurde gespeichert!

Hilfe

Hilfe

Um fortfahren zu können, müssen Sie eine Cookie-Auswahl treffen. Nachfolgend erhalten Sie eine Erläuterung der verschiedenen Optionen und ihrer Bedeutung.

  • Alle Cookies zulassen:
    Jedes Cookie wie z.B. Tracking- und Analytische-Cookies.

Sie können Ihre Cookie-Einstellung jederzeit hier ändern: Datenschutz.

Zurück