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Kein Lösungsansatz

Japans Parteien vergessen das Problem mit der Geburtenrate

In Japan läuft der Wahlkampf für die Oberhauswahl und die Parteien überschlagen sich mit Versprechen. Allerdings wird dabei ein Thema vergessen, die Geburtenrate, die mittlerweile einen neuen Tiefstand erreicht hat und eigentlich ein großes Problem für das Land darstellt.

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Die Wahlen, die am 10. Juli stattfinden sollen, werden von den Themen Verteidigung und der hohen Preise beherrscht, alle anderen Themen werden im Moment nicht groß beachtet.

Geburtenrate ist eines der dringlichsten Themen in Japan

Experten warnen allerdings, dass das Thema Geburtenrate eines der dringlichsten in Japan ist und die Parteien daran arbeiten müssen, ein Umfeld zu schaffen, in dem mehr Menschen sich dafür entscheiden, Nachwuchs zu bekommen.

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Japans Regierung hatte zuletzt beschlossen, eine neue Behörde einzurichten, die sich um Themen, die Familien und Kinder betreffen, kümmern soll. Außerdem hat der japanische Premierminister Fumio Kishida versprochen, die Steuerausgaben für Kinder zu verdoppelt. Konkrete Pläne nannte er allerdings nicht und auch woher die Mittel dafür eigentlich kommen sollten wurde nicht erwähnt.

Japan neigt dazu, eher locker mit Geld umzugehen. Dies haben die Pandemie und auch die russische Invasion der Ukraine gezeigt. Die Regierung schnürte sehr schnell Subventionen zusammen, die insbesondere der Wirtschaft helfen sollten. Bei anderen Themen, eben wie die Geburtenrate, ist man allerdings nicht so ausgabefreudig.

Ein Rekordtief jagt das nächste

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Dabei geht die Geburtenrate seit Jahren im Land zurück, die Zahl der Neugeborenen viel 2021 auf das Rekordtief von 811.604 und damit auf ein Niveau, das erst in einigen Jahren erwartet wurde.

Um die Zahl der Geburten im Land wieder anzuheben, muss Japan einige Probleme bewältigen, die Liste ist lang. Die japanische Regierung ging sehr lange davon aus, dass Eltern die Kosten für die Kindererziehung zum größten Teil alleine schultern können, also wurde in diesem Bereich nicht viel investiert.

Tatsächlich gab Japan laut Daten der OECD aus dem Jahr 2017, etwa 1,8 Prozent des Bruttoinlandsprodukts für Familien aus, was allerdings deutlich unter dem Durchschnitt liegt.

Doch seit Jahren verschärft sich die wirtschaftliche Situation von Familien. Das Lohnniveau stagniert und im Moment sorgt der schwache Yen dafür, dass Japan praktisch zu einem Billiglohnland wird. Dazu steigen die Preise immer weiter an, was die Armut verstärkt. Viele Familien entscheiden sich, kein Kind in die Welt zu setzten, weil sie es sich schlicht nicht leisten können.

Eine kalte Gesellschaft schreckt ab

Ein weiteres Problem ist die kalte Gesellschaft, denn Kinder sind nicht produktiv und daher kein so wertvolles Mitglied der Gesellschaft. Für viele ist Kindererziehung immer noch etwas, dass Frauen zu erledigen haben und es ist sehr leicht für einen Mann, die Familie zu verlassen und den Kontakt abzubrechen, ohne Unterhalt zahlen zu müssen. Alleinerziehende Mütter gelten auch nicht gerade hoch angesehen und die Armut gerade bei dieser gesellschaftlichen Gruppe ist sehr hoch.

Ein wirkliches Rezept hat keine Partei und alle Maßnahmen in den letzten Jahren scheinen keinen Effekt gehabt zu haben, wie die Daten zeigen. Unternimmt die japanische Regierung allerdings nichts, dann werden sich etliche Probleme, zum Beispiel der Arbeitskräftemangel, verschärfen.

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