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HomeNachrichten aus JapanPolitikKeine Hilfe für arme Menschen in Japan

Gesellschaft soll sich in erster Linie selbst helfen

Keine Hilfe für arme Menschen in Japan

Die Pandemie hat weltweit, und damit auch in Japan, viele Menschen in die Armut getrieben. Doch wie in den meisten Ländern, darunter Deutschland, plant auch die japanische Regierung keine Unterstützung, die über die Sozialhilfe hinausgeht.

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Premierminister Yoshihide Suga sagte am 27. Januar im Parlament, dass die Regierung keine Pläne hat Menschen, die durch die Pandemie in die Armut gedrängt wurden, zu unterstützen.

Keine weitere Hilfe für arme Menschen

Durch die Pandemie haben in Japan viele Menschen ihre Arbeit verloren, besonders Teilzeitangestellte, von denen viele alleinerziehende Elternteile sind, haben die Auswirkungen zu spüren bekommen.

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Auf die Frage von Michihiro Shibashi von der Demokratischen Verfassungspartei Japans (CDP), ob man die Menschen, die sich durch die Pandemie in großer wirtschaftlicher Notlage befinden, nicht einfach helfen sollte, antwortete Suga, dass er eine Gesellschaft der Selbsthilfe, der gegenseitigen Zusammenarbeit, der öffentlichen Hilfe und der Gemeinschaftsbande wolle.

Suga wünscht sich eine Gesellschaft, die sich selbst hilft

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Suga fügte hinzu: „Zuallererst sollten die Menschen alles versuchen, was sie selbst tun können. Wenn das überhaupt nicht funktioniert, dann wird die Regierung einspringen und mit dem sozialen Sicherheitsnetz helfen. Das ist die Art von vertrauenswürdiger Regierung, die ich mir wünschen würde.“

Auf die Frage, ob die Menschen, die in Not sind, wirklich erreicht werden, da es immer mehr Selbstmorde in Japan gibt, antwortete Suga, dass es verschiedene Maßnahmen gibt und die Regierung letztendlich das Sozialsystem anbietet.

Eine weitere Abgeordnete der CDP sagte zu Sugas Antworten, dass sie jenseits von Gut und Böse seien und fragte, ob es nicht die Aufgabe des Premierministers und der Politik ist, daran zu arbeiten, dass die Menschen nicht auf das Sozialsystem angewiesen sind.

Suga antwortete: „Am Ende gibt es das Sicherheitsnetz. Und was ich gesagt habe, war, dass ich eine auf Vertrauen basierende Gesellschaft schaffen will.“

Japans Premierminister verkennt die Situation

Damit verkennt Japans Premierminister allerdings die aktuelle Situation.

„Die Pandemie, die steigende Arbeitslosigkeit und die sinkenden Löhne haben die arbeitenden Armen direkt getroffen, Menschen, die vorher kaum über die Runden kamen“, sagt Ren Ohnishi, der das Moyai Support Centre for Independent Living leitet, über die aktuelle Situation.

Etwa 40 % der Arbeiter sind in gefährdeten „unregelmäßigen“ Jobs mit niedrigeren Löhnen und Verträgen, die leicht gekündigt werden können. Viele haben allerdings Schwierigkeiten, Zugang zu Sozialleistungen zu bekommen.

Mehr als 10 Millionen Menschen in Japan leben aktuell von weniger als 1.981.662 Yen (ca. 15.705 Euro) im Jahr, während jeder Sechste mit einem Einkommen von weniger als der Hälfte des nationalen Medianeinkommens (4,56 Millionen Yen)in Armut lebt.

Experten warnen daher, dass die Situation zu einem Anstieg der Selbstmordrate führen wird. Bereits 2020 stieg die Zahl der Selbstmorde in Japan wieder deutlich an, besonders bei Frauen und Kindern.

Ein Anstieg der Arbeitslosenquote in Japan um einen Prozentpunkt bedeutet laut Taro Saito vom NLI Research Institute etwa 3.000 zusätzliche Selbstmorde pro Jahr.

Vor allem Frauen haben mit wirtschaftlicher Not zu kämpfen, da viele von ihnen mit befristeten Verträgen im Einzelhandel, in Restaurants und Hotels arbeiten – alles Branchen, die von der Pandemie stark betroffen sind.

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