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Der Königsmacher

Shinzō Abe – der Politiker, der Japan am längsten prägte

Der Schock über den Tod von Shinzō Abe, dem Politiker, der Japan die längste Zeit als Premierminister geprägt hat, sitzt tief. Abe wurde am Freitag auf einer Wahlkampfveranstaltung von einem 41-jährigen Mann erschossen.

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Der 67-Jährige war auch nach seinem Rücktritt als Premierminister im Jahr 2020 ein einflussreicher Politiker, der die größte Fraktion in der regierenden konservativen Liberaldemokratischen Partei führte.

Shinzō Abe – Japans mächtigster Politiker

Shinzō Abe stammte aus einer prominenten politischen Familie. Sein Großvater Nobusuke Kishi und sein Großonkel Eisaku Sato waren ebenfalls Premierminister. Abe arbeitete als Sekretär seines Vaters, des früheren Außenministers Shintaro Abe, bevor er 1993 aus einem Wahlkreis in der Präfektur Yamaguchi in das Repräsentantenhaus gewählt wurde.

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Im September 2006 wurde er im Alter von 52 Jahren Japans jüngster Premierminister der Nachkriegszeit. 2007 trat er jedoch aufgrund seines schlechten Gesundheitszustands zurück, nachdem seine Partei bei den Wahlen zum Abgeordnetenhaus eine schwere Niederlage erlitten hatte.

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Im Dezember 2012 führte er die LDP als Parteivorsitzender zu einem erdrutschartigen Sieg bei den Unterhauswahlen und kehrte an die Spitze Japans zurück. Nach fast acht Jahren trat er wegen einer chronischen Darmerkrankung von seinem Amt zurück und wurde von seinem Kabinettschef Yoshihide Suga abgelöst.

Kurze Zeit später betrat er die politische Bühne allerdings schon wieder und übernahm die Führung der größten Fraktion innerhalb der LDP. Abe galt als Königsmacher und bestimmte die politische Ausrichtung der Partei.

Während seiner letzten langen Amtszeit verfolgte Abe eine Wirtschaftspolitik, um die Deflation zu bekämpfen und die stagnierende Wirtschaft zu sanieren. Diese Politik wurde „Abenomics“ genannt und kennzeichnete sich durch eine massive Lockerung der Geldpolitik, steuerliche Anreize und Strukturreformen.

Innenpolitisch verfolgte er eine aggressive Politik und drängte unter anderem auf eine Reform der von den USA entworfenen pazifistischen Verfassung Japans, um den Status der Selbstverteidigungskräfte des Landes ausdrücklich zu verankern und Argumente für ihre Verfassungswidrigkeit auszuräumen.

Im Jahr 2014 nahm er eine Neuinterpretation der Verfassung vor, um den Einsatz der kollektiven Selbstverteidigung zu ermöglichen und erweiterte die Rolle der Selbstverteidigungskräfte im Rahmen eines neuen Sicherheitsgesetzes im Jahr 2012. Dies stellte eine wichtige Wende in der japanischen Sicherheitspolitik der Nachkriegszeit dar.

Abe versuchte, die Beziehungen zu den Vereinigten Staaten zu stärken und die Vision einer freien und offenen indopazifischen Region zu fördern.

Er begleitete US-Präsident Barack Obama 2016 an den Ort des US-Atombombenabwurfs auf Hiroshima und knüpfte auch enge Beziehungen zu Obamas Nachfolger Donald Trump.

Versöhnliche Position gegenüber Russland

Gegenüber Nordkorea fuhr er eine harte Linie, gegenüber Russland verfolgte er allerdings einen anderen Ansatz. Im Jahr 2018 vereinbarten Abe und der russische Präsident Wladimir Putin, die Gespräche zum Abschluss eines Friedensvertrags zwischen den beiden Ländern zu beschleunigen, die durch einen langjährigen Territorialstreit behindert wurden.

Im Jahr 2013 verärgerte er China und Südkorea mit seinem Besuch des Yasukuni-Schreins in Tokyo. Der Schrein ehrt sowohl Kriegsverbrecher als auch Kriegstote.

Oft in der Kritik

In seinen letzten Monaten als japanischer Premierminister rief er wegen der Pandemie den ersten Notstand aus und geriet wegen der „Abenomask“ in die Kritik.

Zudem war Abe in eine ganze Reihe Skandale verwickelt, aus denen er sich immer wieder herauswinden konnte.

Nach seinem Rücktritt als Premierminister wurde die Kritik lauter, insbesondere an den Abenomics, die die Kluft zwischen Arm und Reich im Land stark vergrößert und Japan zu einem Land der Teilzeitbeschäftigten gemacht hat.

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