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Südkorea will Japans Trostfrauen-Stiftung auflösen

Seit 73 Jahren ist der Zweite Weltkrieg vorbei und noch immer ist Japan damit beschäftigt, seine Verbrechen aufzuarbeiten. Unter anderem sind die sogenannten Trostfrauen nach wie vor ein großes Thema, das Japan versucht, zu verdrängen. Deswegen gab es in der Vergangenheit öfter Streitigkeiten mit Südkorea und den Opfern, die Gerechtigkeit fordern. Umso überraschender kam am Mittwoch die Nachricht, dass Südkorea die Trostfrauen-Stiftung von Japan auflösen will.

Die Stiftung ist Teil eines Abkommens von 2015, das der ehemalige südkoreanische Präsident Park Geun-hye mit Japan abschloss. Die Vereinbarung sollte eigentlich die Diskussionen und Streitigkeiten endgültig beenden und das Verbrechen als entschädigt deklarieren. Mit umgerechnet 7.765.000 Euro wollte Japan die noch lebenden Opfer oder Hinterbliebenen entschädigen. Bis jetzt nahmen 34 der 47 noch lebenden Frauen das Geld an. Bei den Familien sind es aktuell 58 von 199.

Japan protestiert gegen die Einstellung

Die Nachricht, die Zahlungen einzustellen, schlug in Japan hohe Wellen. Vize-Außenminister Takeo Akiba ließ den südkoreanischen Botschafter in Japan zu einem Gespräch kommen. Er machte dabei klar, dass Japan gegen die Entscheidung protestiert. Premierminister Shinzo Abe reagierte ebenfalls empört.

Abe fordert Südkorea auf, das internationale Abkommen einzuhalten. Nur wenn beide Länder sich an die Versprechen halten, verbessert sich die Beziehung. Außenminister Taro Kono geht weiter und bezeichnet die Entscheidung als völlig inakzeptabel. Reportern erklärte er, dass viele Opfer die Stiftung befürworten. Die Öffentlichkeit von Südkorea ist hingegen überwiegend gegen das Projekt.

Viele waren mit dem Projekt nicht zufrieden

Der aktuelle südkoreanische Präsident Moon Jae und die Regierung finden ebenfalls, dass das Abkommen nicht ausreicht. Seit einer Weile versuchen sie schon die Auszahlungen mit ihrem eigenen Geld zu begleichen. Im September erklärte Moon gegenüber Abe, dass die Stiftung nicht so funktioniert, wie gewünscht. Zu dem Zeitpunkt war bereits die Rede von einer Einstellung.

Nun entschied sich die Regierung endgültig, das Projekt zu beenden. Die Opfer begrüßen teilweise die Entscheidung und widersprechen damit Kono. Das Ende des Projekts soll auf einer rechtlichen Grundlage stattfinden und vermutlich sechs bis zwölf Monate dauern. Sie entschieden sich zu dem Schritt, da laut des südkoreanischen Ministers für Gleichstellungsfragen die Opfer und Familien nicht zufrieden waren. Das Ministerium will allerdings weiterhin versuchen, das Verbrechen aufzuarbeiten und die Ehre der Frauen wiederherzustellen.

Gegen das Vergessen

Das restliche Geld der Stiftung, ungefähr 4.499.441 Euro, will die Regierung sinnvoll einsetzen. Vorab wollen sie sich wegen der Verwendungszwecke mit der japanischen Regierung beraten und verschiedene Vorschläge vorlegen. Was genau es für Ideen sind, gab die Regierung bis jetzt noch nicht bekannt.

Als Trostfrauen bezeichnen Historiker Frauen, die Japaner während des Zweiten Weltkriegs zur Prostitution und Militärbordellen zwangen. Hunderttausende Mädchen und Frauen aus Korea, China, Indonesien, Malaysia, den Philippinen und Taiwan wurden teilweise entführt, gezwungen oder betrogen. Wie viele Opfer es wirklich gibt, kann keiner sagen, da viele noch heute aus Angst und Scham schweigen. Japan selbst spielt das Verbrechen teilweise runter und sieht es als „erledigt“ an. Deswegen reagierte Japan aggressiv auf eine Trostfrauen-Statue in San Francisco und Osaka beendete die Städte-Partnerschaft nach über 60 Jahren.

Quelle: Kyodo

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