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Problem ist öffentlich kaum bekannt

Problem der minderjährigen Pfleger muss Japan endlich ernsthaft behandeln

In Japans Pflegebereich gibt es einen immer größer werdenden Arbeitskräftemangel. Gleichzeitig können sich nicht alle Menschen Pflegeeinrichtungen leisten. Aus dem Grund müssen vermehrt Kinder ihre Verwandten pflegen. Eine Studie zeigte zuletzt, wie groß das Problem ist.

Es ist das erste Mal, dass die Regierung eine Studie zu minderjährigen Pflegern durchführt. Die Umfrage wurde zwischen Dezember 2020 und Januar 2021 durchgeführt. Es zeigte sich dabei, dass in jeder Klasse der Junior Highschool und der Highschool im Durchschnitt ein oder zwei Kinder sind, die sich um Familienmitglieder kümmern müssen.

Kinder arbeiten fast täglich für mehrere Stunden als Pfleger

Insgesamt sind laut dem Bildungsministerium 5,7 Prozent der Junior-Highschool-Schüler und 4,1 Prozent der Highschool-Schüler als Pfleger tätig. Miteinbezogen wurde dabei die Pflege von jüngeren Geschwistern, Behinderten und alten Familienmitgliedern.

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Die Kinder übernehmen dabei neben der Betreuung der Familienmitglieder auch die Hausarbeit und verrichten Tätigkeiten, die international als Gefährdung der normalen Kindheit und der Rechte von Kindern angesehen werden. Zusammen mit der Schulausbildung lastet deswegen auf den jungen Pflegern ein enormer Druck.

Laut der Umfrage muss sich fast die Hälfte der Kinder fast täglich um Familienmitglieder kümmern. Im Durchschnitt kamen sie auf bis zu vier Arbeitsstunden. Mehr als zehn Prozent kamen aber sogar auf mehr als sieben Stunden.

Eine der Betroffenen ist die 31 Jahre alte Yukiko Okimura, die sich 2001 im Alter von 11 Jahren um ihre alleinerziehende Mutter kümmern musste, die bei einem Verkehrsunfall gelähmt wurde. Keiner ihrer Verwandten war bereit zu helfen, weswegen die Grundschülerin alle Aufgaben übernahm, auch die rechtlichen Verfahren zum Unfall.

Betroffenen verstecken ihre Probleme meistens

Viele Schüler schämen sich für ihre Situation, da sich eigentlich Erwachsene um die Kinder kümmern sollen. Okimura verheimlichte ihr Lage nicht und merkte, wie sie sich von ihren Freunden entfernte, da sie davon ausging, dass sie nicht verstehen.

Tatsächlich haben 80 Prozent der befragten Schüler noch nie etwas von jungen Betreuern gehört. Gleichzeitig gaben aber auch mehr als 60 Prozent an, dass sie mit niemandem über ihre Probleme sprechen, was zeigt, dass sich die Situation für die jungen Pfleger noch verschlechtern könnte.

Okimura selbst bekam in der Junior Highschool Hilfe von einer Pflegekraft, die jedoch nur das nötigste mache und so musste sie weiterhin den kompletten Haushalt übernehmen. Ihr Klassenlehrer zeigte sich deswegen besorgte und besuchte sie manchmal.

Als sie mit ihrer Mutter umzog und mit der Highschool begann, bekam ihre Mutter langfristige Unterstützung. Okimura wurde damit endlich entlastet und sie konnte sich mehr auf die Schule sowie ihren Teilzeitjob konzentrieren. Sie schaffte später erfolgreich die Universität und leitet jetzt eine Firma, die Pfleger an behinderte Menschen vermittelt.

Okimura selbst denkt, dass es notwendig ist die soziale Wohlfahrt in Japan so zu fördern, sodass sie sich nicht auf die Pflege durch Familienmitglieder verlässt. Tomoko Shibuya, Soziologieprofessor an der Seikei University, weist noch auf einen anderen Aspekt hin.

Japan muss sein System dringend ändern

Eltern mit langen Arbeitszeiten überlassen den älteren Kindern die Betreuung von ihren jüngeren Geschwistern. Das Problem wird bisher kaum beachtet, da in Japan nur ein geringes Bewusstsein für Kinderrechte herrscht, wie sich an der weitverbreiteten Gewalt in der Erziehung zeigt.

Laut Shibuya glauben viele Menschen immer noch, dass es gut sei, wenn Kinder hart für ihre Familienmitglieder arbeiten und helfen. Sie ist deswegen für eine dringende Änderung des Sozialsystems, dass aktuell nur an die Pflegebedürftigen denkt, aber nicht an die Kinder.

Shibyua warnt dabei, dass ein fehlendes Überwachungs- und Unterstützungssystem dazu führt, dass niemand mehr Kinder kriegen will, weil Erwachsene sie nicht den gleichen Belastungen aussetzen wollen. Die Regierung hat sich als Reaktion auf die Umfrageergebnisse entschieden diesen Monat ein Rettungspaket für die jungen Pfleger zusammenzustellen, das auch einen Beratungsdienst enthalten soll.

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