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Rechtsradikale und Tradition könnten die gleichgeschlechtliche Ehe in Japan verhindern

Langer Kampf um Anerkennung

Die japanische Regierung setzt sich zurzeit mit einem Gesetzesentwurf über gleichgeschlechtliche Ehen auseinander. Aktivisten befürchten allerdings, dass der Gesetzesentwurf die ersten legislativen Hürden nicht schaffen wird, wenn die Regierung es nicht schafft, sich über ältere Wähler und Traditionen hinwegzusetzen. Außerdem könnten rechtsradikale Elemente das Gesetz verhindern.

Aktuelle Umfragen in Japan zeigen, dass es eine große Unterstützung für Homosexuelle Menschen in Japan gibt. Trotzdem halten die meisten Menschen ihre Sexualität geheim, da sie nicht negativ auffallen möchten.

Die jüngste Umfrage von Dentsu Diversity Lab aus dem Jahr 2018, ergab, dass etwa 78 Prozent der Japaner für die gleichgeschlechtliche Ehe sind.

In Japan will niemand auffallen oder Ärger verursachen

„Japan ist eine Kultur, in der die Menschen nicht auffallen und Ärger verursachen wollen“, so Alexander Dmitrenko, Mitglied einer Organisation, die sich für Rechte von LGBT einsetzt. „Es ist auch eine sehr prozessorientierte Gesellschaft, in der die Dinge länger dauern.“

Zwar ist die Gesetzesvorlage unwahrscheinlich, aber sie ist nur ein erster Entwurf. „Wie ihnen jeder Anwalt sagen wird, ist der erste Entwurf eines Gesetzes der schwierigste, das ist also bedeutsam“, so Dmitrenko.

Rechtsradikale könnten das Gesetz verhindern

Das Gesetz für gleichgeschlechtliche Ehen wurde Anfang dieses Monats eingebracht. LGBT-Aktivisten haben bereits ihre Befürchtungen geäußert, dass Rechtsradikale die Verabschiedung behindern könnten, obwohl die Akzeptanz von Schwulen, Bisexuellen und Transgender in Japan zunimmt.

„Um ehrlich zu sein, wird es schwierig sein, das Gesetz durch das Parlament zu bringen“, sagte Kanako Otsuji, der einzige offen schwule Abgeordnete des japanischen Parlaments. „Aber der Gesetzgeber stimmt nicht mit dem Willen des Volkes bei gleichgeschlechtlichen Ehen überein.“

Otsuji und zwei weitere Mitglieder der Opposition reichten den Gesetzesentwurf ein, nachdem Taiwan als erstes Land in Asien die gleichgeschlechtliche Ehe zugelassen hatte.

LDP will nicht über gleichgeschlechtliche Ehe debattieren

Der Gesetzesentwurf steht jedoch vor der unmittelbaren Aufgabe, beide Kammern des japanischen Reichstags zu durchqueren. Beide Kammern werden von einer, von der Liberaldemokratischen Partei geführten Koalition, kontrolliert.

In ihrem Manifest von 2016 sagte die konservative LDP „Gleichgeschlechtliche Ehe ist mit der Verfassung unvereinbar.“ In der Verfassung heißt es, die Ehe müsse auf dem gegenseitigen Einverständnis „beider Geschlechter“ beruhen.

„Unsere Partei hat derzeit keine Pläne, über gleichgeschlechtliche Ehen zu debattieren“, so ein Sprecher der LDP.

„Tatsächlich ist es unwahrscheinlich, dass der Gesetzesentwurf überhaupt im Parlament diskutiert wird“, sagte Hiroshi Ikeda von der gleichgeschlechtlichen Lobbygruppe „Partnership Net Japan“ und verwies auf die mangelnde Unterstützung durch Oppositionsparteien.

Selbst wenn das Gesetz nicht in die Gesetzgebung aufgenommen wird, glauben LGBT-Aktivisten, dass es immer noch dazu beitragen könnte, eine dringend benötigte öffentliche Debatte auszulösen.

Homosexualität war in Japan nie illegal, aber bekam nur wenig Aufmerksamkeit

„Es ist ein wichtiger erster Schritt“, sagte Kazuhiro Terada, Präsident der Equal Marriage Alliance Japan, einer Interessenvertretung. „Gleichgeschlechtliche Paare waren lange Zeit eine unsichtbare Präsenz in der Gesellschaft und sie selbst waren zu der Überzeugung gelangt, dass eine gleichgeschlechtliche Ehe in Japan niemals erlaubt werden würde.“

Homosexualität ist in Japan nie illegal gewesen, doch in dem Wettlauf um Modernisierung und Verwestlichung im letzten Jahrhundert wurde die schwule Kultur in Japan unter den Teppich gekehrt. Die wenig bekannten homosexuellen Prominenten wurden oft Opfer von Witzen und Comedy-Sketchen.

Trotz fehlender religiöser Verbote hat die LGBT-Gemeinschaft aufgrund ihrer ausgeprägten familienorientierten Haltung einen relativ geringen Bekanntheitsgrad im Vergleich zu anderen Industrienationen.

Es gibt auch keine expliziten Gesetze zum Schutz von Menschen vor Diskriminierung bei der Arbeit oder zu Fragen der Unterbringung in öffentlichen Diensten aufgrund von Sexualität oder Geschlechtsidentität.

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