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Regierung in Japan will Selbstmordrate um 30% reduzieren

In kaum einem anderem Land auf der Welt nehmen sich so viele Menschen das Leben wie in Japan. Die Regierung will das nun ändern und setzt dabei vor allem auf die Reduktion langer Arbeitszeiten.

Besonders die übermäßige Arbeitsbelastung vieler Japaner ist schuld daran, dass Japan eine der höchsten Selbstmordraten der Welt hat. Das soll sich offensichtlich ändern, denn die japanische Regierung hat am Dienstag einem Plan zugestimmt, nach dem besonders lange Arbeitszeiten gekürzt werden sollen, um die Suizidrate in den nächsten 10 Jahren um 30% zu senken.

Über 20.000 Selbstmorde im Jahr

Im Jahr 2016 haben sich in Japan insgesamt 21.897 Menschen das Leben genommen. Das geht aus einem offiziellen Bericht hervor, der im Mai 2017 vorgelegt wurde. Nach Einschätzung der Regierung befindet sich die Suizidrate Japans auf einem „kritischen Niveau“. Vergleicht man die Anzahl der Selbstmorde mit den vorigen Jahren, dann ist zwar ein rückläufiger Trend erkennbar, aber Japan hat noch immer eine der höchste Selbstmordraten der Welt. Im weltweiten Vergleich liegt das Land auf Platz 6 und unter den Industrienationen hat Japan nach Russland die zweithöchste Suizidrate.

Wie berechnet man eine Suizidrate?

Die internationale Suizidrate berechnet sich aus dem Verhältnis der Selbstmorde zu je Hunderttausend Menschen. Gemäß offiziellen Angaben liegt Litauen mit einer Rate von 30,8 Menschen auf Platz 1, gefolgt von Südkorea (28,5) und Surinam (24,2). Unter den großen Volkswirtschaften führt Russland mit 21,8. In Deutschland haben sich insgesamt 12,6 Menschen von 100,000 das Leben genommen. Auch Japan strebt an, die Suizidrate bis zum Jahr 2025 auf unter 13 Personen zu senken.

Reduktion von Überstunden als Lösung?

Um das zu erreichen, muss Japan verstärkt in Präventionsmaßnahmen investieren. Zwar führte die japanische Regierung in den letzten Jahren verschiedene Maßnahmen gegen Suizid ein, aber die Anstrengungen waren laut offiziellen Angaben nicht ausreichend. Im neuen Entwurf, den die Regierung am Dienstag genehmigte, will man vor allem auf die Reduktion von übermäßiger Arbeitsbelastung setzen. Nicht nur sollen u.a. Arbeitsstunden reduziert, auch Mobbing am Arbeitsplatz soll unterbunden und Vorurteile gegenüber sexuellen Minderheiten sollen abgebaut werden.

Suizid in Japan
Viele japanische Beschäftigte machen 80 oder mehr Überstunden im Monat | Flickr © Guido van Nispen (CC BY 2.0)

Schuften bis zum Tod – Der Fall Matsuri Takahashi

Zwar gehört Suizid infolge von übermäßiger Arbeitsbelastung zur traurigen Realität im japanischen Arbeitsalltag, aber besonders seit dem tragischen Selbstmord einer 24-Jährigen im Jahr 2015 wird das Phänomen Karoshi, also der Tod durch Überarbeitung wieder kontrovers diskutiert. Die junge Mitarbeiterin von Dentsu, der größten Werbeagentur Japans, hatte sich vom Dach eines Wohnheims des Unternehmens gestürzt, nach dem sie mehrere Monate hintereinander über 100 Überstunden machen musste. Der Selbstmord von Matsuri Takahashi veranlasste die Regierung dazu, Arbeitgeber aufzufordern, die Zahl der monatlichen Überstunden auf ein Maximum von 80-100 Stunden runterzuschrauben. Kritiker kritisieren, dass auch die Zahl von 100 Überstunden viel zu hoch sei für eine angemessene Arbeitsbelastung am Arbeitsplatz.

Über 300 Unternehmen verstoßen gegen geltende Vorschriften

Das japanische Arbeitsministerium gab im Mai eine “Schwarze Liste der Arbeitgeber” heraus, die gegen die Überstundenregelungen und andere Richtlinien verstoßen. Unter den insgesamt 300 Unternehmen findet sich auch der Name Dentsu wieder. Der Chef des Unternehmens hatte nach dem Suizid von Takahashi die volle Verantwortung übernommen und seinen Rücktritt angekündigt. Die größte Werbeagentur des Landes scheint allerdings nicht die nötigen Konsequenzen aus dem Fall gezogen zu haben.

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