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Reiseführern droht bei kritischen Aussagen eine Entlassung

Reiseführer des Fukushima Daiichi Museums wird Kritik an TEPCO und der Regierung verboten

Neun Jahre nach der nuklearen Katastrophe in Fukushima hat sich einiges geändert. Kürzlich öffnete nun ein Museum in der Nähe des zerstörten Kernkraftwerks, das sich genauer mit dem Ereignis befasst. Kritik an gewissen Personen und Unternehmen von Reiseführern bei Führungen ist allerdings gar nicht gern gesehen.

Mehrere Bewohner von Fukushima haben sich als Führer für Touren durch das Museum gemeldet. Überraschend erhielten sie bei der Einweisung die Anweisung weder TEPCO noch die Regierung auf irgendeine Weise zu kritisieren. Das sorgte unter den Reiseleitern für große Empörung.

Keine Antwort auf kritische Fragen

Wie sich herausstellte, dürfen die Reiseleiter nicht alles sagen. Bei den Schulungen im Juli und August wurden Handbücher mit strikten Anweisungen verteilt. Unter anderem sollen sie keine bestimmten Organisationen, Einzelpersonen oder andere Einrichtungen kritisieren oder diffamieren. Fukushima bestätigte dazu bereits, dass damit auch TEPCO und die Regierung gemeint sind.

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Einige fragten daraufhin, was sie tun sollen, wenn sie von Besuchern nach ihrer Meinung zum Kraftwerk Betreiber TEPCO befragt werden. Als Antwort wurde ihnen gesagt, dass sie darauf nicht eingehen sollen. Stattdessen soll ein Mitarbeiter darauf reagieren, der bei den Führungen immer dabei ist.

Das ist jedoch nicht die einzige Einschränkung für die Reiseführer. Ebenfalls musste jeder von ihnen ein Skript abgeben, mit dem, was sie in etwa den Besuchern erzählen wollen. Das wurde genau vom Museum geprüft und angepasst, wenn es nicht den Anforderungen entsprach.

Reiseführern zeigen sich schockiert

Weiter wurde ihnen angedroht, dass wenn sie doch eine bestimmte Organisation kritisieren, ihre Führung sofort gestoppt wird und sie entlassen werden. Zusätzlich sollen die Führer die Einrichtung benachrichtigen, wenn sie von Medien nach Interviews gefragt werden.

Ein Reiseführer, der Opfer der Katastrophe wurde, zeigte sich schockiert von den Reglungen. Es sei zwar klar, dass Diffamierungen unakzeptabel sind, aber er finde es falsch, dass er als ein Opfer weder die Regierung noch TEPCO kritisieren darf, die Schuld an dem Schaden sind.

Ein weiterer Führer erklärte, dass er wegen TEPCO psychische Probleme entwickelte und wirklich wütend auf die Zentralregierung sei. Für ihn sei das nur die Wahrheit, die sie laut dem Museum auch eigentlich sagen sollen. Dass ihm nun gesagt wird, dass er sowas nicht sagen darf, widerspricht sich. Er will deswegen als Führer aufhören, wenn das Ausdrücken seiner Gefühle als Kritik betrachtet wird.

Fukushima will Fehlverhalten nicht ansprechen

Andere äußerten sich ebenfalls negativ über die Anweisungen. Fukushima versucht sich hingegen zu verteidigen. Für sie sei es nicht angemessen eine dritte Partei wie die Zentralregierung in einer öffentlichen Einrichtung zu kritisieren. Viele glauben jedoch eher, dass die Präfektur die Zentralregierung zufriedenstellen will, die für das Museum gezahlt hatte.

Das Museum, das seit dem 20. September in Futaba geöffnet hat, geht auch nicht auf viele der Problematiken und Fehler von Betreiber TEMPCO und der Regierung ein. Besucher erfahren lediglich etwas über die Ursache, den Verlauf und die Beseitigung der Katastrophe, sodass sie daraus lernen. Gebaut wurde es direkt von der Regierung der Präfektur Fukushima und die Leitung hat die Fukushima Innovation Coast Framework Promotion Organisation übernommen.

Bisher gibt es 29 offiziell registrierte Reiseführer. Im täglichen Wechsel sprechen sie mit Besuchern über ihre Erfahrungen. Dabei erwähnen sie, wie sie alles durch den Tsunami verloren und später evakuieren mussten. Jede Führung geht etwa eine Stunde und kostet etwa 28 Euro.

TAS

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