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Von wegen schöne neue Arbeitswelt

Revolution der Arbeitswelt bleibt in Japan aus

Homeoffice sollte die Revolution der Arbeitswelt in Japan anstoßen, durch die Pandemie wurde es von vielen Unternehmen auch gefördert. Nicht wenige Politiker sahen durch die Remotarbeit eine goldene Zeit für Arbeitnehmer anbrechen.

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Zwar ist die Pandemie auch in Japan noch nicht vorbei, allerdings sind gibt es keine goldene Zeit und die Revolution ist auf halber Strecke mit Motorschaden liegen geblieben.

Aufforderung zum Homeoffice wurde bald überhört

Nach dem ersten Ausnahmezustand sah das noch anders aus, die japanische Regierung forderte Unternehmen auf, Mitarbeiter ins Homeoffice zu schicken, um so die Zahl der Pendler zu reduzieren.

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Das funktionierte auch, viele Unternehmen boten ihren Angestellten diese Möglichkeit und schnell gab es immer mehr Angebote für Menschen, die von zu Hause aus arbeiteten.

Dann kam der dritte Ausnahmezustand und auch da konnte die Regierung noch viele Unternehmen dazu bewegen. Aber ab dem vierten Ausnahmezustand veränderte sich die Situation, zwar boten immer noch einige Unternehmen die Möglichkeit des Homeoffice an, aber es wurden weniger und jetzt im fünften Ausnahmezustand ist die Anzahl schwindend gering.

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Die Zahl der Pendler ist nur unwesentlich kleiner geworden und viele Arbeitnehmer sagen, dass sie zwar ohne Probleme ihre Aufgaben von zu Hause aus verrichten könnten, aber ihr Chefs ihnen keine Wahl lassen, sie müssen ins Büro kommen.

Laut des Japan Productivity Center haben im Juli in Tokyo nur 20,4 Prozent der Arbeitnehmer im Homeoffice gearbeitet. Vergleicht man diese Zahl mit der aus dem vergangenen Jahr, hat sie sich nur gering erhöht.

Japanische Unternehmenskultur nicht bereit für die Revolution

Die Ursache dafür liegt in der japanischen Unternehmenskultur, in der Einheit und persönliche Kommunikation großgeschrieben wird.

Das Land ist auch eines der ältesten der Welt: 28,7 % der Bevölkerung sind 65 Jahre oder älter, und das Durchschnittsalter der Firmenchefs in Japan ist um 0,2 Jahre auf einen neuen Rekordwert von 60,1 Jahren gestiegen, wie aus einem landesweiten Bericht der Teikoku Databank für 2020 hervorgeht.

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Dazu kommt, dass die japanische Regierung mittlerweile resigniert hat. Immer wieder werden Bars und Restaurants dazu aufgefordert, früher zu schließen und keinen Alkohol auszuschenken, aber die Forderung nach Homeoffice kommt kaum noch zur Sprache.

Es sind eher größere Unternehmen, die die Möglichkeit, von zu Hause zu arbeiten, anbieten, was daran liegt, dass sie so Kosten für Bürofläche einsparen.

Kleinere oder mittelgroße Unternehmen, die immerhin rund 70 Prozent der Erwerbstätigen in Japan beschäftigen, setzten eher auf die Tradition und tun sich schwer, neue Arbeitsstile einzuführen.

In einer Umfrage, die von der Industrie- und Handelskammer Tokyo im Mai während des dritten Ausnahmezustands durchgeführt wurde, gaben 38,4 Prozent der befragten kleinen und mittleren Unternehmen in Japans Hauptstadt an, dass sie Homeoffice eingeführt hätten.

Das waren 27,8 Prozent weniger als bei einer Umfrage der Organisation während des vorherigen Ausnahmezustands.

IT-Infrastruktur oft nicht vorhanden

Das liegt nicht zuletzt daran, dass diese Unternehmen gar nicht die nötigen Mittel haben. Es fehlt an passender IT-Infrastruktur, die auch gepflegt werden muss.

Und natürlich ist einer der Hauptgründe die eher alten Führungskräfte, die oft Probleme mit der Remotearbeit haben und Aufgaben lieber von Angesicht zu Angesicht verteilen.

Um die Arbeitswelt in Japan zu revolutionieren, muss die Regierung aktiv werden, aber sie schaut aktuell lieber zu und redet weiter von goldenen Zeiten für Arbeitnehmer.

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