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HomeNachrichten aus JapanRufe nach Abschaffung aller Atomwaffen werden in Hiroshima laut

Gedenktag zum Atombombenabwurf

Rufe nach Abschaffung aller Atomwaffen werden in Hiroshima laut

Der 6. August 1945 war ein Wendepunkt der Menschheitsgeschichte. Mit dem ersten Einsatz einer Atombombe gegen die japanische Stadt Hiroshima erreichte die Kriegsführung eine neue Ebene der Grausamkeit und Zerstörung. Seitdem gilt Hiroshima weltweit als Sinnbild der Gefahr und des Leids durch den Einsatz von Atomwaffen.

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Am Samstag fand zum 77. Mal eine Gedenkfeier anlässlich des traurigen Jahrestags in Hiroshima statt. Um 8:15, dem Zeitpunkt, als die Bombe über der Stadt explodierte, legten die Anwesenden im Peace Memorial Park eine Schweigeminute für die Opfer des Atombombenabwurfs ein. Unter den Gästen befanden sich auch Überlebende des Ereignisses, in Japan „Hibakusha“ genannt, sowie Politiker und Würdenträger aus Japan und dem Ausland.

Hiroshimas Bürgermeister verleiht weltweiter Angst vor Atomwaffen Ausdruck

Die diesjährige Rede des Bürgermeisters der Stadt, Kazumi Matsui, war geprägt von der aktuellen Weltlage. In seiner Hiroshima Peace Declaration rief er, wie jedes Jahr, die Atommächte dazu auf, ihre Waffen unschädlich zu machen. Aktuell wachsen weltweit Sorgen, dass Atomwaffen wieder in Kriegsgebieten zum Einsatz kommen könnten.

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„Wir müssen sofort alle Atom-Knöpfe bedeutungslos machen“, sagte er in seiner Rede. Mit Blick auf die seit Februar andauernde Invasion der Ukraine durch Russland zitierte er den russischen Schriftsteller Leo Tolstoy mit den Worten „Baue dein Glück niemals auf dem Unglück anderer, denn nur in ihrem Glück kannst du dein eigenes finden.“

Die japanische Regierung rief Matsui dazu auf, den Atomwaffenverbotsvertrag zu unterzeichnen und zu ratifizieren. Mit der Forderung wandte er sich direkt an den ebenfalls anwesenden japanischen Ministerpräsidenten Fumio Kishida. Der nahm erstmals in dieser Position teil, war jedoch bereits früher als Abgeordneter für einen Wahlkreis Hiroshimas Gast bei den Gedenkfeiern.

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Kishida äußerte sich nicht zu dem von Matsui angesprochenen Vertrag. Er sprach stattdessen davon, dass Hiroshima der Welt weiterhin mitteilen muss, dass es nie mehr zu einem verheerenden Ereignis wie 1945 kommen dürfe. Auch er bezog sich damit auf die aktuellen Konflikte, durch die erstmals wieder über die Möglichkeit des Einsatzes nuklearer Waffen gesprochen wird.

Alternde Hibakusha – Wie soll ein Gedenken ohne Zeitzeugen in Zukunft aussehen?

Deutlicher wurde UN-Generalsekretär Antonio Guterres. Er sagte „es gibt nur eine Lösung für die nukleare Bedrohung: überhaupt keine Atomwaffen mehr zu haben.“ Mit Guterres nahm erstmals seit 12 Jahren wieder ein Vorsitzender der UN an der Gedenkveranstaltung teil – ein weiteres Zeichen für die traurige Aktualität des Schicksals von Hiroshima.

Sorgen macht man sich in Japan auch darum, wie das Gedenken an den Atombombenabwurf in Zukunft aussehen soll. Denn im Land gibt es immer weniger Zeitzeugen, die von ihren Erlebnissen berichten können. Das Durchschnittsalter der Hibakusha beträgt mittlerweile 84 Jahre.

Eine von ihnen ist Tamiko Nishimoto. Die 81-Jährige aus der Präfektur Ishikawa nahm ebenfalls an der Zeremonie teil. Sie erinnert sich daran, dass einst rund 200 Hibakusha in Ishikawa lebten, heute sind es noch rund 60. Eine von ihr für viele Jahre geleitete Organisation für jene, die unter den Folgen der Atombombe leiden, musste im März 2022 aufgelöst werden, weil sich nicht mehr genug Mitglieder fanden.

„Es wird in nicht allzu ferner Zukunft eine Zeit geben, in der es keine Hibakusha mehr gibt“, sagte sie. Und fügte hinzu, dass Szenen von zerbombten Häusern aus dem Ukraine-Krieg in ihr Erinnerungen an Szenen aus ihrer Kindheit in Hiroshima weckten. Auch sie hat Angst vor den Drohungen des russischen Präsidenten Putin, der bei einem Eingreifen der westlichen Kräfte in den Konflikt mit dem Einsatz von Atomwaffen gedroht hatte.

Das fortschreitende Alter der Hibakusha sorgt dafür, dass nun auch jene sich engagieren, die sich an die Ereignisse des 6. August 1945 selbst nicht erinnern können, weil sie zu jung waren. So etwa Kazuko Hirota. Die 78-Jährige übernahm dieses Jahr die Aufgabe, bei einem Treffen mit Ministerpräsident Kishida die Forderungen der Hibakusha zu verlesen. Die Aufgabe übernahm sie von ihrer älteren Schwester Chizuko Sanuki, die aufgrund ihres hohen Alters nicht mehr an den Treffen teilnehmen konnte.

Hirota war 16 Monate alt, als die Atombombe Hiroshima zerstörte. Sie selbst erinner sich nicht bewusst an das Geschehen. Doch sie kennt die Berichte ihrer Mutter, die sich während der Explosion mit dem Kind in einem Zug befand. Nach dem Treffen mit Kishida traf sich Hirota mit anwesenden Reportern. Sie bekräftigte ihren Wunsch, die Arbeit ihrer Schwester weiterzuführen und eine führende Rolle in der Bewegung der Hibakusha einzunehmen – für eine bessere, atomwaffenfreie Welt.

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