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Verkaufszahlen sind zehnmal so hoch

Schallplatten sind in Japan so beliebt wie schon lange nicht mehr

Es wird gesagt, dass beliebte Dinge aus der Vergangenheit irgendwie immer ein Comeback feiern, wenn auch nur kurzzeitig. Zurzeit werden unter anderem Schallplatten immer beliebter und auch in Japan finden die Menschen zurück zu dem alten Tonträger.

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Schallplatten gelten in Japan schon lange als out und haben nicht einmal mehr eine eigene Chartsliste. Umso überraschender sind die Meldungen, dass die Verkaufszahlen aktuell zehnmal so hoch sind, wie noch vor zehn Jahren.

Produktion nimmt wieder zu

Laut der Recording Industry Association of Japan machten Platten 2010 einen Umsatz von gerade etwa 1,3 Millionen Euro. 2020 lag die Zahl jedoch bei etwa 16,2 Milliarden Euro. Bei den Neuerscheinung auf Vinyl wuchs die Zahl dazu von nur 42 Neuveröffentlichung im Jahr auf 316 pro Jahr an.

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Auch Unternehmen haben den Erfolg bemerkt und so entstand 2016 bei Sony Music Group das analoge Plattenlabel Great Tracks. 2017 wurden dann zum ersten Mal seit 29 Jahren bei Sony wieder Schallplatten produziert. Der HMV Record Shop Shibuya erklärte dazu, dass vor allem Menschen in den 30er zu den Kunden gehören.

Sie selbst verzeichneten seit der Eröffnung 2014 einen Anstieg von 30 Prozent im Umsatz. Zwar stagnierten die Einnahmen nun wegen der Pandemie, dafür hatten sie einen Anstieg beim Onlineverkauf um das 1,5-fache vom letzten Jahr.

Schallplatten machen glücklich

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Aber nicht nur in Japan gibt es einen Rückwärtstrend. Die Recording Industry Association of America meldete, dass letztes Jahr in den USA tatsächlich mehr Platten als CDs verkauft wurden, zumindest im ersten Halbjahr.

Worin der Reiz liegt erklärte unter anderem eine 16 Jahre alte Schülerin. Sie hat zwar ein Abo für einen Musik-Streamingdienst, kauft sich aber trotzdem Platten von Hikaru Utada und anderen Musikern. Das statische Geräusch, wenn die Nadel auf die Platte gesetzt wird, würde ihr das Herz erwärmen und die Platten ihn ihrem Zimmer würden alleine schon die Stimmung heben.

Junge Menschen scheinen von dem Medium fasziniert zu sein, da sie es nicht kennen und es ihnen ein ganz anderes Musikerlebnis gibt als digitale Musik. Satoshi Makita, Direktor bei Sony Music Direct Japan, merkte an, dass mehr als die Hälfte der jungen Kunden noch nicht mal einen Plattenspieler besitzt. Stattdessen werden Platten als Dekoration verwendet.

Digitalisierung als Fluch

Weiter erklärte er, dass die Menschen sich in einer Zeit der Digitalisierung nach analogen Dingen sehnen, weil sie angefasst werden können. Ebenfalls hört sich die Musik mehr nach dem an, was die Musiker wollten und dazu verändert sich der Sound durch das Alter der Schallplatten.

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Sie nutzen sich ab, kratzen oder knistern, was ein anderes Musikerlebnis beschert, das digitale Musik nicht ermöglichen kann. In Bezug auf illegale Downloads von Musik und anderen geschützten Medien ist das an sich eine gute Entwicklung.

Aber nicht nur Schallplatten werden beliebter, auch Kassetten verzeichnen steigende Verkaufszahlen. Was unter anderem ebenfalls an dem besonderen Sound liegt. Dazu sind sie billiger zu produzieren, einfacher zu handhaben und lassen sich teilweise noch in Autos abspielen.

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