Sektenführer Asahara in Japan hingerichtet

Mehr als zwei Jahrzehnte nach dem Giftgasanschlag auf die U-Bahn in Tokyo wurden 7 Mitglieder der Aum-Sekte hingerichtet – unter ihnen Sektengründer Shoko Asahara.

Es war vermutlich der verheerendste Anschlag in Japans Geschichte. Vor 23 Jahren verübten Mitglieder der Endzeitsekte „Aum Shinrikyo“ einen Saringas-Anschlag auf die Tokyoter U-Bahn, bei dem 13 Menschen ums Leben kamen und mehr als 6.000 verletzt wurden. Der Drahtzieher und Gründer der Sekte, Shoko Asahara, der mit bürgerlichem Namen Chizuo Matsumoto heißt, sowie sechs seiner „Jünger“ wurden nach Angaben des japanischen Justizministeriums nun gehängt.

Bei dem tödlichen Anschlag am 20. März 1995 hatten Mitglieder der Sekte in mehreren U-Bahnen Plastiktüten mit Sarin verteilt und diese dann mit Regenschirmen aufgestochen, was das tödliche Nervengas freisetzte. 13 Menschen kamen ums Leben, Tausende wurden teils schwer verletzt und kämpfen bis heute mit den gesundheitlichen Folgen des Anschlags.

Die Tat sorgte weltweit für Entsetzen und führte zu einem massiven Vorgehen der Behörden gegen die Sekte. Asahara und weitere führende Mitglieder wurden im Mai 1995 festgenommen und 2004 nach einem öffentlichkeitswirksamen Prozess zum Tod durch den Strang verurteilt. Dabei wurden sie nicht nur für insgesamt zwei Giftgas-Anschläge verurteilt, sondern auch für den Mord an Tsutsumi Sakamoto und seiner Familie im Jahr 1989.

Der Rechtsanwalt hatte sich für Aum-Opfer eingesetzt und wurde auf Befehl Asaharas brutal ermordet. Mehr als 190 Aum-Mitglieder wurde nach dem Anschlag der Prozess gemacht. Das letzte Gerichtsverfahren wurde im Januar 2018 abgeschlossen. Bereits zu diesem Zeitpunkt spekulierten japanische Medien, dass der Exekution der Sektenmitglieder nun nichts mehr im Weg stehen dürfte.
Das Justizministerium in Tokyo begann im März 2018 damit, sieben der insgesamt 13 zum Tode verurteilten Sektenmitglieder aus ihrer Haftanstalt in andere Gefängnisse zu verlegen. Laut der Nachrichtenagentur Kyodo News war dies bereits ein Anzeichen dafür, dass die Exekution der Todeskandidaten unmittelbar bevorstehen könnte.

Die Aum-Sekte und der Anschlag auf die U-Bahn in Tokyo

Sektengründer Shoko Asahara, der mit bürgerlichem Namen Chizuo Matsumoto hieß, gewann 1986 auf einer Reise in den Himalaja angeblich die Erleuchtung und ließ sich von seinen Anhängern als Wiedergeburt des hinduistischen Gottes Shiva anbeten. Im Juli 1987 gründete Asahara die Gruppe Aum Shinrikyo („Höchste Wahrheit“), die zwei Jahre später als religiöse Körperschaft anerkannt wurde. Mit einer Mischung aus buddhistischen, hinduistischen und christlichen Elementen zog der redegewandte Mann vor allem junge und gebildete Japaner in seinen Bann. Mitte der 90er Jahre hatte die Sekte über 10.000 Anhänger – für eine Aufnahme in die Gemeinschaft mussten Anhänger ihr Vermögen an die Gruppe übertragen.

Die Aum Sekte verübte bereits 1994 einen Saringas-Anschlag in Matsumoto. Bei der Attacke kamen 7 Menschen ums Leben, über 144 wurden verletzt. Asahara war auch Drahtzieher mehrerer von seinen Jüngern begangenen Morde mit insgesamt 27 Todesopfern. Am 20. März 1995 kam es dann zum folgenreichsten Anschlag in der japanischen Geschichte: Dabei setzten Mitglieder der Aum-Sekte das Nervengas Sarin in mehreren Zügen der Tokyoter U-Bahn frei. Das Nervengas transportierten die Attentäter in Plastiktüten, die sie mit Regenschirmen durchstachen. Noch heute leiden zahlreiche Opfer unter den körperlichen und psychischen Folgen des Anschlags.

Asahara und seine Jünger saßen seit mehr als einem Jahrzehnt im Todestrakt. Japan gehört zu den wenigen Industrienationen, die heute noch an der Todesstrafe festhalten, was von internationalen Regierungen und Menschenrechtsorganisationen aus der ganzen Welt heftig kritisiert wird.

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