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HomeNachrichten aus JapanShinto-Schrein in Osaka wird zum Treffpunkt der Laufsport-Szene

Segen für Laufsportler vom “Gott der Füße”

Shinto-Schrein in Osaka wird zum Treffpunkt der Laufsport-Szene

Unter den vielen Göttern des japanischen Shintoismus gibt es einige mit ungewöhnlichen Aufgaben. Vom “Gott der Füße” haben bisher aber die wenigsten gehört. Das möchte ein Shinto-Priester eines Schreins in Osaka ändern und hat dabei die Laufsport-Szene im Blick.

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Nach der Schule verließ der heute 31-Jährige Taishi Kato Japan, um in London zu studieren. Mit dem Ende seines Studiums kehrte er nach Japan zurück und stieg ins Familiengeschäft ein. Der lizenzierte Shinto-Priester möchte den Hattori Tenjingu-Schrein in Osaka, den seine Familie seit Generationen betreibt, fit machen für die Herausforderungen des 21. Jahrhunderts.

Durch das Laufen kam dem Priester eine neue Idee

Kato dient als zweiter Priester in der Rangfolge hinter seinem Vater, dem Hauptpriester des Schreins. Beliebt ist der Hattori Tenjingu bei Gläubigen, die Verletzungen an Füßen oder Beinen haben und deren Heilung erbitten wollen. Doch für Kato muss es gar nicht erst zur Verletzung kommen – sein Schrein soll auch für jene da sein, die Schutz vor Fußverletzungen suchen. So kam er auf Laufsportler als Zielgruppe.

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Die tausendjährige Geschichte des Schreins geht zurück auf eine Erzählung aus dem 10. Jahrhundert. Der Adlige Sugawara no Michizane wurde aus Kyoto verbannt und gezwungen nach Kyushu zu reisen. Schon am Anfang der Reise zog er sich eine Beinverletzung zu und suchte den Hattori Tenjingu auf. Hier betete er zur Medizingottheit Sukunahikona no mikoto und wurde, so die Legende, geheilt. So gewann der Schrein den Ruf, auf die Heilung von Fußverletzungen spezialisiert zu sein und Sukunahikona wurde hier zum “Gott der Füße”.

Aufgesucht wird der Schrein etwa von Fans des Eiskunstläufers Yuzuru Hanyu. Auf hölzernen Ema-Tafeln schreiben sie ihre Genesungswünsche für den Star, der unter einer Knöchelverletzung leidet, und beten die Gottheit an. Viele Profisportler und Prominente besuchen den Schrein ebenfalls regelmäßig.

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Da auch Laufsportler ihre Füße und Beine dauerhaft großen Belastungen aussetzen, sah Kato darin die Möglichkeit, eine ganz neue Gruppe von Gläubigen zu erschließen. Ihnen möchte er anbieten, durch den Segen des Schreins Verletzungen, Ermüdung und Unglück abzuwenden.

Shinto-Schreine müssen auf eine sich verändernde Welt reagieren

In den letzten Jahren mussten sich Shinto-Schreine in ganz Japan neuen Herausforderungen stellen. Waren sie in der Vergangenheit die sozialen Zentren der Gemeinschaften um sie herum, an denen wichtige Ereignisse stattfanden, sehen sie sich zunehmend mit dem gesellschaftlichen Wandel konfrontiert. Die schrumpfende Bevölkerung, sich verändernde Moralvorstellungen und nicht zuletzt die Corona-Pandemie erfordern von den Schreinen mehr Flexibilität.

Darum sieht es Kato als seine Aufgabe, wieder mehr Menschen an den Schrein zu bringen und die uralte Institution mit neuer Energie zu beleben. Dazu musste er zuerst die Gottheit der Füße den Sporttreibenden nahebringen. Also begann er selbst mit dem Laufen und vernetzte sich über soziale Medien mit anderen Enthusiasten.

Das Vorhaben war erfolgreich, mittlerweile ist der Schrein ein zentraler Ort der Lauf-Szene in Osaka. Dazu tragen auch ganz besondere Glücksbringer bei, die hier angeboten werden. Die lassen sich nämlich direkt auf die Schnürsenkel von Laufschuhen fädeln und sind damit ideal für die Zielgruppe.

Omamori für Laufschuhe
Omamori-Glücksbringer, die an Schnürsenkeln angebracht werden können. Bild: MS/Hattori Tenjingu

Eines der neuen Gemeindemitglieder ist Takao Kitada, der erste japanische Läufer, der 2017 den Sieben-Kontinente Abenteuer-Marathon absolvierte. Vor Rennen kommt er jedes Mal zum Schrein und betet für Glück und Gesundheit. Er traf den Priester Kato über Instagram und fühlte sich von dessen in die Zukunft gerichteter Denkweise inspiriert, die junge Menschen zurück zur shintoistischen Religion führen soll.

Ein Staffellauf für die Götter bringt im Oktober die Szene zusammen

Gemeinsam organisieren die beiden Läufer für Oktober 2022 ein Schrein-Fest, das Mitglieder der Laufszene aus dem ganzen Land nach Osaka bringen soll, um ihre Leidenschaft zu feiern. In einem Staffellauf werden die Teilnehmenden Zutaten für rituelle Speisen durch die Stadt bis zum Schrein tragen und den Göttern darbieten, bevor gemeinsam gekocht und gegessen wird.

“Ich werde auch weiterhin Veranstaltungen für Laufsportler organisieren, aber ich brauche größere Träume, um eine noch lebhaftere Gemeinschaft zu schaffen”, sagt Kato. Er möchte seine Erfahrungen aus dem Auslandsstudium nutzen, um den Shintoismus auch global zu verbreiten. “Ich erkunde die Schnittpunkte zwischen Lebensstilen und -gewohnheiten, Kultur und Shinto-Traditionen, um Wege zu finden, der Sprecher für eine Botschaft mit universellem Reiz zu werden.”

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