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Patienten wollen eine Erklärung

Skandal um verseuchtes japanisches Medikament sorgt für wütende Patienten

Vor einigen Tagen wurde bekannt, dass dem Pharmaunternehmen Kobayashi Kako Co. ein fataler Fehler bei der Produktion unterlaufen ist. Ein Medikament gegen Hauterkrankungen war mit einem Stoff für Schlafmittel verunreinigt. Das führte zu zahlreichen Vorfällen, von denen einige tödlich endeten. Patienten sind nun zu Recht verärgert.

Eine 30 Jahre alte Unternehmensleiterin aus Takayama nahm am Morgen des 2. Dezember zum ersten Mal zwei Tabletten von dem Antimykotikum Itraconazol, um Ausschlag im Gesicht zu behandeln. 30 Minuten später wollte sie ihre beiden Kinder zur Kindertagesstätte bringen.

Patienten werden plötzlich ohnmächtig

Plötzlich konnte sie sich aber kaum auf den Beinen halten und brach im Flur ihres Hauses zusammen. Nur bei halbem Bewusstsein bemerkte sie noch, wie ihre fünf Jahre alte Tochter sie schüttelte und fragte, ob sie nicht in den Kindergarten müssen. Was danach passierte, kann die Frau nicht mehr sagen und sie wachte erst am nächsten Tag im Krankenhaus auf.

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Im Nachhinein wurde ihr gesagt, dass sie kurz vor ihrem Zusammenbruch noch ihre Mutter in der Nähe angerufen hatte, sie über ihren merkwürdigen Zustand informierte und sie bat schnell vorbeizukommen. Die Mutter wurde dann bereits von ihrer Enkelin begrüßt, die ihr sagte, dass etwas mit ihrer Mama nicht stimmt.

Die Frau hatte dabei noch Glück. Hätte sie nur zehn Minuten später die Tabletten genommen, hätte sie vermutlich auf dem Weg zum Kindergarten mitten beim Autofahren das Bewusstsein verloren. Nun hat sie jedoch Angst vor dem Fahren und ist besorgt über mögliche Nachwirkungen von dem Mittel.

Arzt ist ebenfalls wütend

Die Frau ist dabei nun sehr wütend über den Vorfall. Kobayashi Kako hat sich bei ihr bisher nicht entschuldigt oder sich anderweitig geäußert. Sie fordert von ihnen ihren aktuellen Wissensstand offenzulegen und sich zu erklären. Alles andere ist für sie jedenfalls nicht tolerierbar.

So wie der Frau geht es zurzeit vielen Menschen in Japan, die das Mittel einnahmen und ähnliche Vorfälle erlebten. Der Arzt der Patientin, Kensuke Kubo, kann seine Wut ebenfalls nicht verbergen. Es sei unvorstellbar, wie es beim Mischen zu so einem derartigen Fehler kommen kann, so der Leiter der Natrual Clinic 21 in Takayama, Gifu in einem Interview.

Sieben Patienten hat er das Mittel „Itraconazol Tablette 50 ‚MEEK'“ verschrieben. Sie alle meldeten zwischen November und Dezember Ohnmachtsanfälle und sogar dadurch verursachte Autounfälle. Ein 60 Jahre alter Mann aus dem Baugewerbe war nach der Einnahme während des Autofahrens bewusstlos geworden und gegen einen Strommast geprallt.

Medikament verursachte Autounfälle

Er nahm nach eigenen Angaben seit einem Jahr das Mittel und war schockiert von dem Unfall. Dass so etwas wegen eines Medikaments passieren könnte, das er regelmäßig nahm, konnte er nicht glauben.

Kubo selbst war sehr verwundert, da die Klinik das Mittel seit fünf Jahren monatlich um die 40 bis 50 Patienten verschrieb, ohne dass es zu solchen Nebenwirkungen kam. Am 2. Dezember informierte er einen Händler in Tokyo über die merkwürdigen Vorfälle.

Kubo stellte fest, dass alle betroffenen Patienten Medikamente der gleichen Chargennummer genommen hatten. Einen Tag später erstellte er Fallberichte zu den Nebenwirkungen und forderte einen Verkaufsstopp in den nächsten 24 Stunden. Der Händler reagierte und stellte tatsächlich an dem Tag noch den Verkauf ein.

Etwa im gleichen Zeitraum bemerkte Kobayashi Kako, dass sie bei der Produktion in die Tabletten versehentlich den Schlafindikator Rilmazafone gemischt hatten, was die Ohnmachtsanfälle erklärte. Am 4. Dezember begannen sie freiwillig das Produkt zurückzurufen. Für zwei Personen kam jedoch die Warnung zu spät und sie verstarben vermutlich an der Einnahme des verseuchten Medikaments.

Forderungen nach Maßnahmen

Wie es genau zu dem Fehler überhaupt kommen konnte, konnte das Unternehmen dazu nicht erklären. Derzeit laufen deswegen noch die Untersuchungen. Des Weiteren ist nicht bekannt, wie gefährlich das verseuchte Mittel eigentlich ist und ob bleibende Schäden möglich sind.

Allerdings soll es nicht das einzige Fehlverhalten bei der Produktion gewesen sein. Bei dem gleichen Mittel wurden wohl bei den anderen Packungsgrößen Mischverfahren angewendet, die nicht zugelassen waren.

Kubo fordert jedenfalls Gegenmaßnahmen wie Inspektionen der Medikamente durch Dritte vor einem Versand, um ähnliche Vorfälle zu verhindern. Er geht dazu davon aus, dass Sicherheitsmaßnahmen und die Schulung von Mitarbeitern vernachlässigt wurden, um Geld zu sparen. Es seien jedenfalls genau die falschen Faktoren, an denen gespart werden sollte.

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