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Experten bezweifeln erwarteten Effekt

4-Tage-Woche soll in Japan gefördert werden, stößt aber auch auf Kritik

Die japanische Regierung will Unternehmen dazu ermutigen, die 4-Tage-Woche einzuführen, um so die Work-Life-Balance im Land zu verbessern.

Dafür wurde diese Förderung in den jährlichen wirtschaftspolitischen Leitlinien aufgenommen, die am Freitag von der Regierung verabschiedet wurden.

4-Tage-Woche birgt einige Risiken

Die Idee der 4-Tage-Woche stößt bei Experten allerdings auf geteilte Meinungen, insbesondere wird bezweifelt, dass man die Herausforderungen des Arbeitskräftemangels in Japan so richtig angeht.

Arbeitgeber befürchten, dass so die Arbeitnehmer zwar motivierter sind, aber die Zeit nicht ausreicht, um einen verlorenen Arbeitstag zu kompensieren. Die Arbeitnehmer hingegen befürchten Lohneinbußen.

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Die Regierung wiederum erwartet, dass Menschen, die sich um ein Familienmitglied kümmern müssen, ihren Job nicht aufgeben, die Weiterbildung gefördert wird und mehr Menschen einen Nebenjob annehmen können.

Die Idee ist nicht neu, sie wurde allerdings durch die Pandemie, die die Menschen dazu zwang mehr zu Hause zu bleiben, befeuert. Ende April empfahl die japanische Regierungspartei LDP, dass die Regierung politische Maßnahmen ergreift, um die Einführung der 4-Tage-Woche zu erleichtern.

Microsoft probierte erfolgreich 3-Tage-Woche

Bei einem wichtigen Wirtschaftstreffen Mitte April, bei dem die Förderung einer 4-Tage-Woche diskutiert wurde, sagte Premierminister Yoshihide Suga, dass seine Regierung eine Ausweitung der Unterstützung für Menschen in Betracht ziehen würde, die ihre Karriere durch Weiterbildung verbessern wollen, ohne ihren Arbeitsplatz zu verlassen.

Laut einer Umfrage, die das Arbeitsministerium im vergangenen Jahr bei über 4.000 Firmen durchgeführt hat, gaben 8,3 Prozent von ihnen ihren Mitarbeitern mehr freie Tage als bei einer 5-Tage-Woche. Der Internet- und E-Commerce-Dienstleistungsriese Yahoo Japan Corp. hat im April 2017 damit begonnen, seinen Mitarbeitern, die mehr Zeit für die Pflege von Angehörigen benötigen, drei Tage pro Woche freizugeben.

„Einige Mitarbeiter sagten, dass es einfacher wurde, ihre freien Tage mit den Aktivitäten ihrer Kinder zu vereinbaren“, sagte ein Sprecher von Yahoo Japan. Auch Microsoft experimentiert in Japan – das Unternehmen hatte sich 2020 an der 3-Tage-Woche versucht und positive Ergebnisse erzielt.

Effekt nicht so, wie die Regierung es sich erhofft

Hisashi Yamada, stellvertretender Vorsitzender von Japan Research Institute, erwarte allerdings nicht, dass sich die 4-Tage-Woche in Japan schnell verbreiten werde, selbst wenn die Regierung sie vorantreibe, weil sie die Personalverwaltung und -bewertung erschweren würde.

Auch Takuya Hoshino, Wirtschaftswissenschaftler am Dai-ichi Life Research Institute, bezweifelt die 4-Tage-Woche. Er befürchtet, dass die Einführung die Arbeitnehmer nicht unbedingt dazu ermutigt, ihre freie Zeit so zu nutzen, dass sie ihrer Karriere zugutekommen oder zur Wirtschaft beitragen.

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