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Wo die Ungleichweit sichtbar wird

Aggressive Online-Kommentare zeigen die Geschlechterungleichheit in Japan

Die Ungleichheit zwischen den Geschlechtern in Japan wird besonders deutlich, wenn man mal einen Blick auf die extreme Anzahl von aggressiven Kommentare wirft, die viele Frauen in den sozialen Medien erhalten, sobald sie sich öffentlich zu geschlechtsspezifischen Themen äußern.

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Ein gutes Beispiel dafür sind die Reaktionen auf den Post einer japanischen Politikerin, die sich Ende November 2022 auf Twitter kritisch zu einer Werbekampagne äußerte, bei der Frauen im öffentlichen Raum stark sexualisiert dargestellt wurden.

Nackte Haut und Hasenkostüme

Bei der Politikerin handelte sich um ein ehemaliges Mitglied des Repräsentantenhauses der größten Oppositionspartei, der Demokratischen Verfassungspartei Japans. Sie kommentierte in ihrem Post die Werbung für ein Onlinespiel, die im JR-Bahnhof Osaka ausgestellt worden war.

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Die Illustrationen zeigen weibliche Manga-Figuren, die freizügige Outfits wie Hasenkostüme und Badeanzüge tragen. Die jungen Mädchen und Frauen zeigen viel Haut und sollen bei den Betrachtenden scheinbar Gefühle der Zuneigung und des Verlangens hervorrufen.

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In ihrem Post schrieb die Politikerin: „Im Japan des Jahres 2022 werden sexualisierte weibliche Abbildungen in großem Stil als Werbung an einem Bahnhofsausgang gezeigt […].“

Sie kritisierte die vielen sexuellen Darstellungen in einem öffentlichen Raum. Ihr Beitrag schlug hohe Wellen und wurde bis zum 16. Januar über 14.000-mal retweetet.

Die Meinungen hinsichtlich ihrer Äußerung gingen stark auseinander. Während die einen ihre Äußerung unterstützen, schrieben andere Dinge wie „Du siehst das nur sexuell“ und „Deshalb hast du die Wahl verloren“.

Die Politikerin berichtete auch von Nachrichten, in denen ihr damit gedroht wurde, dass „verrückte Feministen“ getötet würden.

Sie kommentierte diesbezüglich: „Auch wenn ich mich nur gefragt habe, ob es in Ordnung ist, dass das Tor zu Osaka so ist, sind die Angriffe unaufhörlich und erschöpfend. Wird mir nicht mein Recht auf Kritik vorenthalten?“

Jungfrauen und „beef bowls“

Im April 2022 postete eine andere Frau einen Beitrag, in dem sie auf eine diskriminierende Äußerung seitens des damaligen Geschäftsführers der großen „Gyudon“-Rindfleischschüsselkette Yoshinoya Co. hinwies.

Dieser erörterte bei einer öffentlichen Vorlesung an der Waseda University eine Marketingstrategie , die seiner Meinung nach darauf abzielte, „Jungfrauen süchtig nach beef bowls zu machen“.

Die Frau, die für eine IT-Firma tätig ist, wollte über die Vorlesung ihr berufliches Wissen vertiefen und war mehr als verblüfft, als die damalige Führungskraft während ihres Vortrags plötzlich eine Strategie erläuterte, in der es darum ging, „ahnungslose junge Mädchen an beef bowls heranzuführen, solange sie noch Jungfrauen sind“.

Der Manager sagte zudem: „Wenn Männer sie erst einmal mit teuren Mahlzeiten verwöhnen, werden sie definitiv keine beef bowls mehr essen.“

Die schockierte Zuhörerin legte nach der Vorlesung Protest gegen die Verwaltung ein und schilderte die Hintergründe der Ereignisse in den sozialen Medien.

Die Reaktionen ließen nicht lange auf sich warten. Drei Tage nach Veröffentlichung ihres Beitragt entschuldigte sich die Yoshinoya Holdings Co. und entließ den Geschäftsführer. Auch die Waseda University reagierte und entschuldigt sich auf ihrer Website öffentlich für den Vorfall.

In den sozialen Medien wurde der Protest überwiegend unterstützt. Dennoch waren immer noch rund 10 Prozent der Antworten von aggressiver Natur.

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