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Aufklärung durch Seminare und App

Ausländern in Japan mangelt es an Sensibilisierung für Naturkatastrophen

Immer mehr Menschen aus dem Ausland kommen für die Arbeit nach Japan – einige wagen den Neuanfang dort. Die Sensibilisierung im Katastrophenfall wird deswegen zur Herausforderung für die Regierung.

Seit dem ostjapanischen Erdbeben und dem Tsunami sind bereits 10 Jahre vergangen. Und dennoch hapert es offenkundig – nicht nur im Osten, sondern im gesamten Land – noch an einigen Ecken, wenn es um die Kommunikation mit in Japan lebenden Ausländern im Katastrophenfall geht.

Zahl der ausländischen Einwohner steigt

Alleine in der Präfektur Shizuoka im Osten Japans ist die Zahl der ausländischen Einwohner in den vergangenen 10 Jahren von circa 82.000 auf etwa 100.000 gestiegen. Die lokalen Regierungen geraten angesichts dieser Zahlen unter Zugzwang beim Katastrophenmanagement.

Die Stadt Shizuoka hat das zum Anlass genommen, im März 2021 ein Seminar für ausländische Mitbürger zu veranstalten. 40 Personen aus neun unterschiedlichen Ländern nahmen im Erdbeben- und Katastrophen-Präventionscenter im Stadtteil Aoi daran teil. Im November 2020 nahmen lediglich 20 Leute an so einem Seminar teil.

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Manche von ihnen hatten noch nie zuvor ein Erdbeben in ihrer Heimat erlebt. Mit der Simulation einer solchen Naturkatastrophe sollen die deswegen für die gewaltige Macht und die Folgen so einer Naturkatastrophe sensibilisiert werden.

Bei einer Erschütterung der Intensität 6 auf der 7-stufigen japanischen Erdbebenskala konnten sich die Teilnehmer im Vorführraum noch bewegen. Ab Stufe 7 waren die Erschütterungen jedoch so stark, dass an Bewegung nicht zu denken war.

Wie so eine Simulation aussieht, zeigt folgendes in Video, welches in Tokyo aufgenommen wurde:

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Ein 31-jähriger vietnamesischer Computerprogrammierer zeigte sich von den starken Erschütterungen überrascht, auch er gehörte zu den Teilnehmern, die in seiner Heimat nie ein Erdbeben erlebt hatten.

Aufklärung über Maßnahmen im Katastrophenfall

Nach dem praktischen Teil des Seminars erfuhren die Teilnehmer einiges Wissenswertes über Erdbeben und Tsunamis in Japan. Mitarbeiter der Einrichtung sorgten für die Aufklärung über Maßnahmen im Katastrophenfall.

„Ich habe darüber nachgedacht, Dinge für den Fall einer Katastrophe vorzubereiten, aber es ist schwierig, Informationen schnell zu verstehen, wenn es viele chinesische Kanji-Zeichen gibt“, gab der vietnamesische Programmierer zu. Ein Problem, das höchstwahrscheinlich auch auf viele andere ausländische Bewohner zutrifft.

Organisiert wurde das Seminar von der Stadtverwaltung Shizuoka in Zusammenarbeit der Vereinigung für multikulturellen Austausch der Stadt.

Lebensbedrohliche Kommunikationsprobleme

Die Zahl der ausländischen Bevölkerung in Japan ist Ende 2018 auf ein Rekordhoch von 2,37 Millionen gestiegen. 2019 kam es in einigen Gemeinden Ostjapans zu lebensbedrohenden Problemen bei der Übermittlung von Informationen im Katastrophenfall. In dem Jahr schlug der Taifun Hagibis zu.

Berichten zufolge soll es einige ausländische Staatsangehörige Gemeinden um Shizuoka gegeben haben, die in ihren Wohnungen blieben, weil sie den Begriff „Evakuierungsempfehlung“ auf Japanisch nicht verstehen konnten.

App sendet Informationen in 11 Sprachen

Um solchen kommunikativen Problemen entgegenzuwirken, hat die Regierung der Präfektur im April 2020 eine App herausgebracht, die in 11 Sprachen Informationen zur Katastrophenvorsorge und Evakuierung im Katastrophenfall sendet. Dazu zählen unter anderem Japanisch, Chinesisch, Koreanisch, Englisch, Portugiesisch und Vietnamesisch. Vor allem die beiden letztgenannten Sprachen würden von vielen Einwohnern genutzt, heißt es.

Doch der Regierung gehen die Maßnahmen zur Sensibilisierung immer noch nicht weit genug. Ein Beamter beklagte: „Das Bewusstsein für Katastrophenvorsorge fehlt bei einer beträchtlichen Anzahl ausländischer Einwohner.“ Um die Bewohner besser zu erreichen, soll nun die Reaktionsfähigkeit der Regierungsmitarbeiter gestärkt werden.

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