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HomeNachrichten aus JapanSoziales & LebenChikan-Ansage am Bahnhof Shinjuku sorgt in Japan für Kritik

Wer nicht belästigt werden "möchte", sollte nur in bestimmten Waggons mitgefahren

Chikan-Ansage am Bahnhof Shinjuku sorgt in Japan für Kritik

Japan ist sehr stolz auf seine Eisenbahn und das in vielen Bereichen auch völlig zu Recht. Die japanische Bahn gilt als einmalig sauber, zuverlässig und bequem. Was dabei leider oftmals unter den Tisch fällt, ist die Gefahr, Chikan ( sexuelle Belästigungen im Zug) zu erleben.

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Die verschiedenen Bahngesellschaften haben bereits eine breite Palette an Gegenmaßnahmen vorgestellt und arbeiten fortwährend an weiteren Möglichkeiten, Chikan zu verhindern. Die Herangehensweise eines Mitarbeiters der East Japan Railway Company sorgte in ganz Japan jetzt allerdings für massive Kritik. Ein Video vom Bahnhof Shinjuku in Tokyo erschien vor wenigen Tagen im Internet und verbreitet sich in Japan wie ein Lauffeuer.

Chikan ist in Japan weiterhin ein Problem

Der Clip zeigt einen Mitarbeiter auf dem Bahnsteig der Saikyo-Linie, die Tokyo mit der Präfektur Saitama verbindet. Der Mann wartet auf einen abfahrenden Zug mit einem Handmikrofon, über das er eine Ansage an alle Fahrgäste richtet. Er weist darauf hin, dass im Zug viele Sicherheitskameras installiert sind. Es hat auf der Linie in letzter Zeit viele Vorfälle von Chikan gegeben, deswegen sollten Fahrgäste, die nicht betatscht werden wollen, in die hinteren Waggons einsteigen.

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Das Video landet bei Twitter und wurde dort vielmals kommentiert. Viele sprechen sich gegen die Formulierung aus und fordern, dass man eher gegen die Grabscher vorgehen sollte, anstatt die Fahrgäste aufzurufen, sich besser zu schützen. Außerdem sind die Züge der Saikyo-Linie in der Regel sehr voll, sodass die in der Regel weiblichen Passagiere kaum den Platz haben, sich in die „geschützten Bereiche“ zurückzuziehen. Chikan tritt oftmals in besonders vollen Waggons auf, da sich die Täter dort in der Masse sicherer fühlen.

Auf japanischen Bahnhöfen sind Plakate, die drauf hinweisen, dass Chikan verboten ist, fast überall zu finden. Allerdings haben sie bisher leider nicht viel dazu beigetragen, die Situation für die Passagiere zu verbessern. Die Situation wird für die Opfer immer noch als sehr schwierig empfunden, da sie kaum Möglichkeiten haben, sich der Situation zu entziehen. Vielen Menschen in Japan geht es vor allem darum, die Täter empfindlich abzuschrecken, um zu verhindern, dass Frauen sich in Schutzzonen zurückziehen müssen.

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Insgesamt unangemessene Vorgehensweise

Auf Twitter fordern viele Kommentatoren, dass die JR East die Ansagen vielmehr dazu nutzen sollte, die Täter auf die Strafen, die gegen Chikan ausgesprochen werden können, hinzuweisen. Außerdem sollten die Ansagen alle Fahrgäste dafür sensibilisieren, in solchen Fällen direkt einen Mitarbeiter der Bahn anzusprechen, sodass die Täter aus dem Verkehr gezogen werden können.

Es fällt überdies auf, dass der entsprechende Mitarbeiter scheinbar noch nicht viel Erfahrungen mit solchen Ansagen hat und sich deswegen für eine falsche Formulierung entschieden hat, obwohl er eigentlich etwas Gutes tun wollte. Die JR East hätte sich, gemäß der Meinung der Japaner, einen größeren Gefallen getan, wenn man dem Mitarbeiter einen konkreten Text an die Hand gegeben oder eher einen erfahreneren Mitarbeiter für die Ansage gewählt hätte. Da die Bahn in Japan auch als sehr routiniert gilt, sollte es entsprechende Texte geben, die solche Missverständnisse verhindern.

Entsprechend schnell reagierte die Bahngesellschaft auf das Video. Es ginge vor allem darum, potenziell gefährdeten Passagiere von den überfüllten Waggons fernzuhalten. Ein Teil der Durchsage sei aber unangemessen gewesen. Vielmehr entschuldigt sich die JR East dafür, dass sich einige Personen durch die Ansage unbehaglich gefühlt haben. Positiv wird aber hervorgehoben, dass sich auch die Bahngesellschaft weiterhin mit dem Problem von Chikan beschäftigt und weiterhin nach Gegenmaßnahmen sucht.

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