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Neuer Markt für Unternehmen

Das Individuum wird in Japan wieder wichtiger

In Japan ist die Mentalität, dass eine Gruppe immer wichtiger ist, als ein Individuum. Das bekommen Japaner bereits in der Kindheit beigebracht.

Durch die Pandemie könnte sich diese Mentalität allerdings ändern.

Nachdem viele Menschen aufgrund von COVID-19 Monate in relativer Isolation verbracht haben, entwickeln immer mehr ein neu gewonnenes Selbstbewusstsein für ihre persönlichen Bedürfnisse.

Individuen – ein lukrativer Markt

Unternehmen beginnen nun damit, sich auf den Markt einzulassen und Waren und Dienstleistungen anzubieten, die sich an Einzelpersonen richten.

Forscher gehen davon aus, dass in Japan mehr als 18 Millionen Menschen in Singlehaushalten leben, von denen sich viele auf den Großraum Tokyo konzentrieren. Es handelt sich um einen Markt mit enormem Potenzial, den die Unternehmen gerne nutzen möchten.

Dies war vor einigen Monaten noch anders, als sich die Nachrichtenagenturen auf die Notlage von Familien konzentrierten, die mit Schulschließungen und Homeoffice zu kämpfen hatten.

Seitdem sich Japan jedoch an das Leben mit COVID-19 gewöhnt hat und Tokyo endlich die Erlaubnis erhalten hat, sich an der von der Regierung geförderten Go To Travel-Kampagne zu beteiligen, haben sich die Augen auf die Konsumausgaben der Einwohner in Städten gerichtet.

Angebote für Menschen, die alleine Reisen wollen, nimmt zu

Dabei handelt es sich im Wesentlichen um Menschen, die es verstehen, alleine zu sein, und die sich während der Pandemie auf ihre eigenen Bedürfnisse und Wünsche eingestellt haben, sei es, dass sie eine Nacht alleine in einem Luxushotel verbringen oder eine einsame Wanderung in den Bergen unternehmen.

Solisten sind auf der Suche nach Online-Hoteliers, Beratern, Stylisten, Köchen und anderen Dienstleistungen, die ihr Konzept des „Ich“ auf die nächste Stufe bringen – sowohl virtuell als auch im realen Leben.

Mehr zum Thema:  Nach japanischem Single-Reiskocher kommt jetzt der Single-Tempura-Topf

Snaq.me zum Beispiel passt Snacks an und liefert sie nach Hause, die allen möglichen persönlichen Vorlieben und gesundheitlichen Bedürfnissen entsprechen. Snaq.me wurde 2015 von Shintaro Hattori als Alternative zu billigen, zuckerhaltigen Süßigkeiten in den Gängen von Lebensmittelgeschäften auf den Markt gebracht und sagt, dass Unternehmen will die Freude am Naschen zurückzubringen.

Die Produkte von Snaq.me reichen von Trockenfrüchten bis hin zu glutenfreien Kuchen und Keksen und enthalten weder raffinierten Zucker noch Backfett. Das Unternehmen hat seine Belegschaft in den letzten sechs Monaten von drei auf zehn Mitarbeiter aufgestockt, da die Nachfrage immer größer wurde.

Das Beispiel Snaq.me zeigt allerdings auch, dass Unternehmen den neuen Markt falsch einschätzen können. Denn viele Unternehmen scheinen davon auszugehen, dass die Menschen bereit sind mehr Geld auszugeben, allerdings ist dies nicht der Fall.

Einige Nutzer des Dienstes haben sich darüber beschwert, dass die lecker aussehenden Päckchen oft ausverkauft sind und sie welche bekommen, die sie gar nicht wollten. Ein weiteres Problem ist die Verpackung, die für Social Media kreiert wurde.

„Ich habe keine Lust, Fotos von meinen Snacks zu posten“, schreibt ein Kunde auf der Website. „Ich möchte nur zufriedenstellende Portionen gesunder, leckerer Snacks essen, ohne mir ein Loch in die Brieftasche zu brennen.“

Restaurants und Cafés passen sich an

Der neue Markt ist eindeutig schwierig zu bedienen, aber die Unternehmen haben diese Kunden schon früh in der Pandemie als Kundschaft entdeckt.

Restaurants und Cafés haben Tische und Theken mit Plexiglasscheiben unterteilt und auf digitalisierte Dienstleistungen umgestellt, sodass Solokunden mit einem Minimum an menschlichem Kontakt auskommen, essen und das Lokal verlassen können.

In den sozialen Medien gibt es zahlreiche Websites, die Tipps zu Bars, Ramen- und Grillrestaurants für Solokunden anbieten.

„Mein Chef sagt mir, wir sollten nicht in Gruppen essen, also habe ich die Gewohnheit entwickelt, alleine zu essen“, wird eine Frau in einem Artikel auf FNN Prime Online zitiert. „Das gefällt mir ganz gut.“

Insgesamt sieht es so aus, als ob Frauen den Solomarkt entspannter genießen und Restaurant- und Hotelangebote nutzen, um ihre Erfahrungen zu optimieren. Wenn man nicht ausgehen möchte, bieten auch die eigene vier Wände einiges, was man machen kann.

Sachie Chikamura, die als Fitnesstrainerin in Ota Ward arbeitet, sagt, dass sie seit der Pandemie ihre eigene beste Freundin geworden ist.

„Ich verbringe meine Nächte damit, Online-Make-up-Kurse zu besuchen und mich für Farbtests anzumelden, um zu sehen, welche Farben am besten zu mir passen“, sagt sie. „Ich bin auch süchtig nach Online-Wahrsagerei. Nächsten Monat werde ich mich, glaube ich, für einen persönlichen Anlagekurs anmelden. Ich bin überhaupt nicht einsam. Vielmehr habe ich gelernt, die Zeit, die ich mit mir selbst verbringe, zu schätzen.“

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