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HomeNachrichten aus JapanSoziales & LebenAusnahmezustand schlägt aufs Gemüt der Vergnügungszene in Tokyo und Osaka

Erklärung steht bevor

Ausnahmezustand schlägt aufs Gemüt der Vergnügungszene in Tokyo und Osaka

In Osaka und Tokyo stehen neue Restriktionen bevor, um die vierte Welle des Coronavirus in Japan einzudämmen. Im Fokus des Ausnahmezustands werden sich wohl die Trinkhallen und die Vergnügungsviertel befinden.

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In den Stadtzentren von Osaka und Tokyo haben sich Infektionen mit dem Coronavirus schlagartig ausgebreitet. Die Regierungsvertreter schlagen Alarm, ein weiterer Ausnahmezustand wird erwartet. Osakas Gouverneur Hirofumi Yoshimura habe die Regierung bereits um die Erklärung eines Ausnahmezustands gebeten. An den Details der Gegenmaßnahmen werde derzeit gearbeitet, sagte Premierminister Yoshihide Suga. Es ist der dritte Ausnahmezustand für Osaka.

Unterdessen wächst die Skepsis unter denen, die sich bald erneut anpassen müssen. Die Stimmung ist bereits jetzt, vor der offiziellen Verkündung der neuen Maßnahmen, angeschlagen.

Kneipenbetreiber: Geld verdienen ist nicht möglich

„Es ist unmöglich, Geld zu verdienen, wenn wir um 19 Uhr aufhören müssen Alkohol auszuschenken“, macht ein 49-jähriger Mann, der ein Izakaya in Minami betreibt, seinem Ärger Luft. Andere Menschen hingegen kümmern die zu erwartenden neuen Einschränkungen wenig. „Das ist mir egal“, sagt eine junge Frau in ihren 20ern aus Osaka. „Wenn du dir das Coronavirus einfängst, fängst du dir eben das Coronavirus ein“.

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Die beiden Stimmungsbilder geben anschaulich wieder, was die Menschen von einem erneuten Ausnahmezustand in Tokyo und Osaka halten. Betreiber von Restaurants und Kneipen werden der ständigen Regeln müde, sie wollen nicht wieder um ihre Existenz bangen. Die Anspannung, die noch vor einem Jahr herrschte, scheint wie verflogen. „Wenn sie Regierung einen weiteren Ausnahmezustand verhängt, wird das nicht funktionieren“, ist sich ein 30-jähriger Firmenmitarbeiter sicher und nippt an seinem Bier.

Nase voll von der Selbstkontrolle

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Und bei den Menschen, die das Nachtleben vermissen, wächst parallel die Skepsis, ob Maßnahmen wie Masken und soziale Distanzierung überhaupt etwas bewirken. „Ich kenne da jemanden, der Räume für Trinkpartys mietet“, sagt ein 28-jähriger junger Mann, der mit einem Arbeitskollegen in Kabukicho durch die Straßen flaniert. Jeder habe mittlerweile die Nase voll davon, Selbstkontrolle zu betreiben, behauptet er.

Sonntag, 18 April, 19.31 Uhr: Ein Ausgehviertel in Osaka. Arbeitskollegen treffen sich dort, um gemeinsam etwas zu trinken.
Sonntag, 18 April, 19.31 Uhr: Ein Ausgehviertel in Osaka. Arbeitskollegen treffen sich dort, um gemeinsam etwas zu trinken. Bild: AS

Manche glauben sogar, dass das verfrühte Schließen von Restaurants und Kneipen eher einen gegenteiligen Effekt auf die Eindämmung des Virus haben könnte. Eine 47-Jährige, die sich zum Abendessen mit ihren Kollegen in Kabukicho trifft, erklärt das folgendermaßen: „Weil jeder sich beeilt, um vor 8 Uhr noch etwas trinken gehen zu können, sind Bars, Restaurants und Kneipen erst recht voll“.

Studenten versammeln sich vor Ausnahmezustand

Auf den Straßen sind Studenten unterwegs, sie laufen in Gruppen umher und viele von ihnen trinken etwas. Wie sie sich fühlen, fasst ein 21-jähriger Student zusammen. „Ich habe das ein Jahr lang ertragen, aber Corona ist nicht verschwunden. Jeder hat das Gefühl, dass es sowieso keinen Sinn hat, in den sauren Apfel zu beißen. Deshalb denke ich, dass jeder hierher kommt.“

Montag, 19. April, 20.30 Uhr: Zahlreiche Menschen versammeln sich auf einem Platz in Tokyos Stadtteil Kabukicho im Bezirk Shinjuku.
Montag, 19. April, 20.30 Uhr: Zahlreiche Menschen versammeln sich auf einem Platz in Tokyos Stadtteil Kabukicho im Bezirk Shinjuku. Bild: AS

Sobald die Erklärung für einen dritten Ausnahmezustand in Osaka herausgegeben wird, will Gouverneur Hirofumi Yoshimura Unterhaltungs- und kommerzielle Einrichtungen auffordern, ihre Türen zu schließen. Er schlug außerdem vor, dass Restaurants in dieser Zeit ebenfalls schließen oder keinen Alkohol ausschenken. Auch die Telearbeit soll wieder möglich sein. Der für Osaka angedachte Ausnahmezustand werde laut Yoshimura einen Monat andauern.

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Die Gouverneurin von Tokyo, Yuriko Koike, erwägt, die Regierung des Landes bis zum Ende der Woche dazu aufzufordern, einen Ausnahmezustand für Japans Metropolregion auszurufen. Auf die Durchführung der Olympischen Sommerspiele und Paralympics in Tokyo werde der Ausnahmezustand jedoch keinen Einfluss haben, sagte Premierminister Suga.

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