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Katastrophen aus dem Blickfeld einer Anime-Figur erleben und daraus lernen

Evangelion-Katastrophen-Warn-App erweist sich in Japan als Download-Hit

Ein junger japanischer Programmierer hat eine Smartphone-App entwickelt, die auf dem Anime „Neon Genesis Evangelion“ basiert. Diese ermöglicht es den Menschen, eine Naturkatstrophe aus Sicht der Hauptfigur des Anime zu erleben. In Echtzeit erlebt man, wie sich die Situation entwickelt und außer Kontrolle geraten kann.

Die an den Anime „Neon Genesis Evangelion“ angelehnte Katastrophen-Warn-App wurde vor knapp einem Jahr veröffentlicht und mittlerweile mehr als eine Million Mal heruntergeladen. Die App ermöglicht es den Nutzern, den Countdown zu einem Erdbeben in Echtzeit zu erleben. Eine vorherige Warnung ähnelt einer, wie sie im Anime auftaucht. Auch andere Funktionen der App sind speziell auf den Anime zugeschnitten.

Warnung im Anime-Style

Die „Tokumu Kikan NERV Bosai“-App wurde nach der Spezialorganisation aus der Reihe, NERV benannt, der auch der Protagonist Shinji Ikari angehört. Das gesamte Design der Anwendung wurde stark vom Evangelion-Anime beeinflusst. Die Grundfarbe ist Schwarz, die Warnungen erscheinen hingegen in lila Buchstaben, genau die Farben der Evangelion Unit-01, die im Anime von Shinji gesteuert wird.

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Daiki Ishimori, der Entwickler der App, ist selbst ein eingefleischter Fan von „Neon Genesis Evangelion“. Die Anwendung nutzt Informationen über Wetter, Taifune, Erdbeben, Tsunamis und Vulkanausbrüche, die von der Japanischen Meteorologischen Agentur bereitgestellt werden. Über eine Kooperation werden diese Daten den Nutzern in den entsprechenden Regionen zur Verfügung gestellt, auch mit dem Notfallsystem J-Alert arbeitet die Evangelion-App zusammen.

Daiki Ishimori, der 30-jährige Präsident des in Tokyo ansässigen Unternehmen Gehirn Inc., stammt aus Ishinomaki in der Präfektur Miyagi. Die Präfektur wurde 2011 von einem Erdbeben und anschließenden Tsunami verwüstet. Der Entwickler ist Evangelion-Fan seit der Junior High School, der die gesamte Serie bereits mehr als 50 Mal angesehen hat. Außerdem besitzt Ishimori die komplette Manga-Reihe in zweifacher Ausführung, einmal zum Lesen und eine Edition zur sicheren Aufbewahrung.

2010 eröffnete Ishimori einen Twitter-Account unter dem Namen NERV, um Informationen über das Wetter und andere Informationen zu teilen. 2011 war Ishimori selbst in Tokyo, als das große Erdbeben Ostjapan verwüstete. Er konnte keinen Kontakt zu seiner Familie herstellen und musste sich per TV und Twitter über Informationen aus der Region versorgen. Ishimoris Familie konnte sich in Sicherheit bringen, das Haus der Familie wurde beim Tsunami zerstört. Ein High-School-Freund Ishimoris sowie ein Verwandter verloren bei der Katastrophe ihr Leben.

Warn-App im Anime Style
NERV Wetter-Warn-App Bild: Gehirn Inc.,

Katastrophen-Warn-App für einzelne Regionen

Während dieser Zeit erhielt der Japaner über seinen Twitter-Account viele Nachrichten. Oftmals ging es in den Anfragen darum, relevante Informationen zu erhalten. Schon damals entstand die Idee, eine App zu entwickeln, die solche Daten für bestimmte Gebiete zur Verfügung stellte, allerdings war sich der Programmierer nicht sicher, ob er auch den Anime in das Konzept einarbeiten sollte.

Bei einem Treffen eingefleischter Evangelion-Fans kam dieses Thema ebenfalls zur Sprache und die Entscheidung war getroffen. Ishimori wandte sich an das Unternehmen, das die Copyright-Rechte des Anime verwaltet und stellte seine App vor. Von dort wurde er ebenfalls ermutigt, den Namen NERV zu verwenden. Der Japaner begann Informationen zur Katastrophenvorsorge mit Elementen des Evangelion-Anime zu verbinden.

Die App wurde im September 2019 veröffentlicht und erreichte im Oktober 2020 die Marke von einer Million Downloads. Ishimori ist sich sicher, dass sich die App noch als nützlich erweisen wird. Einige erste positive Rückmeldungen von Nutzern hat er bereits erhalten, was ihn in seiner Arbeit bestärkt. Der Programmierer sagt, dass man zwar Naturkatastrophen nicht verhindern kann, allerdings könne man den Menschen ein sicheres Warnsystem in die Hand geben, das hilft, Schäden weitestgehend zu reduzieren.

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