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HomeNachrichten aus JapanSoziales & LebenGrundschule ohne Zeugnisse soll 2023 in Hokkaido eröffnet werden

Auch lästige Klassenarbeiten und Tests sollen die Schüler nicht schreiben müssen

Grundschule ohne Zeugnisse soll 2023 in Hokkaido eröffnet werden

Im April 2023 soll in der Nähe von Sapporo (Präfektur Hokkaido) eine neue private Grundschule eröffnet werden, die nach eigenen Regeln den Stoff vermitteln will. So wird es dort keine Tests oder Zeugnisse geben und die Schulkinder können selbst entscheiden, welche Unterrichtsstunden sie besuchen wollen.

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Die Maoi-manabi-no-sato-Grundschule entsteht in der Stadt Naganuma und stellt erfahrungsbasiertes Lernen in den Mittelpunkt. Das Konzept wurde im Herbst 2021 vom Rat für Privatschulen in Hokkaido genehmigt. Die gemeinnützige Gesellschaft hinter der Grundschule lässt verlauten, dass eine Schule entstehen soll, die die Neugier der Kinder fördert und diesen ermöglicht, ihren individuellen Neigungen nachzugehen.

Erfahrungsbasierte Grundschule nach bekanntem Vorbild

Als Vorlage diente die Kinokuni Children’s Village, eine private Grund- und Mittelschule in Hashimoto (Präfektur Wakayama), die ebenfalls auf erfahrungsbasiertes Lernen setzt. Die Hälfte des Lehrplans besteht aus praktischen Inhalten. In Wakayama gehört dazu beispielsweise die Beschäftigung mit Landwirtschaft, die bei den Kindern sehr beliebt ist, oder der Bau traditioneller Musikinstrumente, vorrangig nach dem Vorbild des indigenen Ainu-Volkes.

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Für den landwirtschaftlichen Unterricht müssen die Kinder die Fläche eines zu bepflanzenden Feldes berechnen und dabei sowohl das Klima als auch die Verteilung der Pflanzen beachten. Auf diese Weise werden die in den Lehrplanrichtlinien festgelegten Lektionen der Mathematik mit den Naturwissenschaften sowie mit Sozialkunde verbunden. Gleichzeitig planen die privaten Schulen, die Städte mehr einzubeziehen, sodass die Lernenden weitere praktische Erfahrungen sammeln können.

Die Maoi-manabi-no-sato-Grundschule will einen Großteil seiner Mahlzeiten aus lokalen Zutaten herstellen. Für die neue Privatschule soll das Gebäude einer ehemaligen Grundschule genutzt werden, die 2020 geschlossen wurde. Geplant sind Klassen zu je 20 Schulkindern, sodass insgesamt 80 Lernende aufgenommen werden können. Ein Schulbus soll auch Kindern aus den nahe gelegenen Gemeinden die Möglichkeit eröffnen, in Naganuma den Unterricht zu besuchen.

Weiterführende Schule bereits in Planung

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Bis September 2022 muss die Gesellschaft noch weitere Unterlagen einreichen, damit die Eröffnung im April 2023 erfolgen kann. Im November ist eine erste Prüfung durch den Rat für Privatschulen der Präfektur geplant. Es ist bereits die Eröffnung einer Mittelstufe geplant, sodass die Kinder nach Abschluss der vierten Klasse weiterhin an der Maoi-manabi-no-sato unterrichtet werden können. Die japanische Grundschule umfasst die Klassenstufen 1 bis 6.

Bereits 2017 gab es Bestrebungen, eine private Schule nach „emanzipierten“ Regeln zu eröffnen. Diese mussten wegen fehlender finanzieller Mittel aufgegeben werden. Ein Plan, der dem Rat im vergangenen Jahr vorgelegt wurde, erhielt keine Genehmigung, weil der Rat davon ausging, dass es nicht genügend Schulkinder für diese Art Unterricht geben würde. Für die aktuelle Schule konnten die Mittel durch Spenden aufgebracht werden. Nach eigenen Angaben gibt es aktuell 60 Voranmeldungen für die neue Grundschule.

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