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Japaner haben immer noch viele Vorurteile

HIV-Patienten leiden in Japan immer noch unter Diskriminierungen

Obwohl HIV schon lange kein tödliches Schreckgespenst mehr ist und viele Vorurteile beseitigt wurden, leiden in Japan Patienten immer noch unter Diskriminierungen. Zum Welt-AIDS-Tag am 1. Dezember wurde nun erneut auf die Situation der Betroffenen im Land aufmerksam gemacht.

AIDS ist heutzutage kein Todesurteil mehr und lässt sich mit Medikament gut behandeln. Mittlerweile haben Betroffene fast die gleiche Lebenserwartung wie nicht erkrankte Personen. Der Ausbruch der Krankheit lässt sich auch durch eine frühzeitige Behandlung des HIV-Virus verhindern.

Diskriminierung am Arbeitsplatz

Die Forschung ist dabei schon so weit, dass infizierte Menschen ein ganz normales Leben führen können und kein Ansteckungsrisiko mehr darstellen. Die Einnahme einer Pille reicht schon aus, um die Blutwerte auf ein ungefährliches Niveau zu senken. Trotzdem gibt es in Japan weiterhin Vorurteile zu HIV und den Ansteckungsmöglichkeiten.

Mehr zum Thema:  Coronavirus verstärkt in Japan die Diskriminierung am Arbeitsplatz

Wie die Lage für Patienten ist, zeigte zuletzt ein Fall Anfang des Jahres. Ein Mann in den Vierzigern, der gerade neu in einer Firma in Tokyo angefangen hatte, wurde mit seiner Diagnose vor seinen Kollegen bloßgestellt.

Der Vorgesetzte erklärte, dass der Mann HIV habe, woraufhin er dann vor den anderen Mitarbeitern seinen Zustand erklären sollte. Sie hatten dabei vor allem Angst, dass er sie infizieren könnte. Nach Angaben des Mannes hatten einige Kollegen negativ reagiert und er hatte überlegt sofort wieder zu kündigen, da er Angst vor Vorurteilen hatte.

Tatsächlich war der Mann bereits seit sieben Jahren in Behandlung und galt deswegen als nicht ansteckend. In vier vorherigen Firmen hatte sich dazu niemand für seinen Gesundheitszustand interessiert. Nur bei seinem letzten Arbeitgeber legte er seinen Status offen, wollte aber, dass er unter Verschluss bleibt, woran sich die Vorgesetzten dann jedoch nicht hielten.

Betroffene wehren sich vor Gericht

Im Nachhinein erklärte der Mann, dass er nicht bei dem Unternehmen angefangen hätte, wenn er gewusst hätte, dass er seinen Zustand offen legen muss. Die Vorurteile erlebt er nämlich immer noch, wenn auch unterschwellig. So verlassen Kollegen sofort die Toilette, wenn er sie benutzt. Da er keine wirkliche Beziehung zu den anderen aufbauen kann und er sich nicht wohlfühlt, überlegt er nun doch noch zu kündigen.

Leider ist der Fall kein Einzelfall, obwohl es Richtlinien gegen derartige Diskriminierungen gibt. Niemand darf aufgrund einer HIV-Infektion benachteiligt werden. Zusätzlich dazu sind Unternehmen allgemein angehalten die Informationen vertraulich zu verhandeln.

Das führt dazu, dass Betroffene immer wieder vor Gericht ziehen. 2018 gewann ein Sozialarbeiter die Klage gegen ein Krankenhaus in Hokkaido, welches das Jobangebot zurückzog, da er seinen Zustand nicht offengelegt hatte. Das Gericht entschied dabei eindeutig, dass das Ansteckungsrisiko so gering war, dass eine Offenlegung absolut nicht notwendig war.

Japaner haben immer noch viele Vorurteile über HIV und AIDS

Auch Takuma Shirasaka, Leiter der Japan Foundation for AIDS Prevention, betont, dass in der heutigen Zeit sich die Viren im Blut auf ein nicht mehr nachweisbares Niveau senken lassen. HIV kann damit nicht beim Geschlechtsverkehr oder auf anderen Wegen übertragen werden.

Dazu wird gerade an einer Injektion gearbeitet, die den gleichen Effekt soll, dafür aber nur alle zwei Monate benötigt wird. Obwohl seit 2016 aktiv darauf aufmerksam gemacht wird, dass Betroffene nicht mehr ansteckend sind, gibt es in Japan immer noch kaum ein öffentliches Verständnis.

Eine Umfrage des Kabinettsbüros von 2018 zeigte, dass bei 3.000 Personen 52 Prozent glauben, dass AIDS tödlich ist. Weitere 34 Prozent gaben an, dass es keine Behandlung gibt, da die Ursache nicht bekannt ist. Das sogenannte U=U Japan Project versucht über solche Vorurteile aufzuklären und deutlich zu machen, dass bei der richtigen Behandlung keine Gefahr besteht.

Allerdings gibt es weiterhin nur begrenzten Erfolg. In Japan selbst wurden 2019 1.236 neue Fälle an AIDS und HIV gemeldet, was ein erneuter Rückgang ist.

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