Anzeige
HomeNachrichten aus JapanSoziales & LebenHungerstreik zeigt Japans problematische Elternrechte

Sorgerecht bleibt in Japan eine schwierige Angelegenheit

Hungerstreik zeigt Japans problematische Elternrechte

Die Rechte von Eltern bleiben in Japan ein viel diskutiertes Thema, das aufgrund eines Hungerstreiks aktuell wieder viel Aufmerksamkeit erhält.

Anzeige

Vor mehreren Tagen hat ein Franzose, der in Japan lebt, in der Nähe des Nationalstadions in Tokyo mit einem Hungerstreik begonnen. Er will damit gegen Japans elterliches Aufsichtssystem nach der Scheidung protestieren. Seine Frau verschwand vor drei Jahren mit den beiden Kindern und der Mann hat sie seitdem nicht mehr gesehen.

Gesetz unterstützt angeblich Kindesentführungen

Nach dem derzeitigen japanischen Gesetz bekommt grundsätzlich nur ein Elternteil nach einer Scheidung die elterliche Autorität (Shinken genannt), auch wenn beide sich das Sorgerecht teilen wollen. In 80 Prozent der Fälle bekommt die Mutter die Kinder zugesprochen.

LESEN SIE AUCH:  Immer mehr Japaner planen die Scheidung bei den Hochzeitsvorbreitungen

Das System steht schon lange in der Kritik, da es Kindesentführungen durch Elternteile unterstützt. Oft verweigern die Erziehungsberechtigten dem anderen Elternteil den Kontakt zum Kinder. Das ist eine große emotionale Belastung und fördert vorab einem aggressiven Kampf um das Sorgerecht.

Es kann zu falschen Anschuldigungen kommen, um die andere Person zu diskreditieren, oder andere extreme Maßnahmen provozieren. Auch versuchen einige, mit dem Kind unterzutauchen, um den faktischen Status als Erziehungsberechtigter zu bekommen. Des Weiteren wird betont, dass es besser wäre, wenn Kinder mit beiden Elternteilen aufwachsen könnten und eine stabile Beziehung zu beiden hätten.

Anzeige

Verteidigt wird das System hingegen damit, dass es Opfer vor häuslicher Gewalt schützen und weitere Konflikte zwischen den Eltern verhindern soll. Dazu kommt, dass der andere Elternteil nach der Scheidung seine Rechtsverhältnisse zu dem Kind nicht automatisch verliert und damit immer noch an der Erziehung beteiligt ist.

Rechtlich wird kein Elternteil ausgeschlossen

International bekommt Japan wegen des Systems viel Kritik. 2019 gab der Ausschuss für die Rechte des Kindes der Vereinten Nationen Empfehlungen heraus, dass Japan seine Gesetzgebung revidieren solle, um ein gemeinsames Sorgerecht zu ermöglichen. Für ausländische Eltern sollte dazu der Kontakt zu den Kindern gesichert werden.

Nach Japans Bürgerlichen Gesetzbuch wird ein gemeinsames Sorgerecht theoretisch nicht verboten. Es geht nur darum, dass ein Erziehungsberechtigter festgelegt wird und das Sorgerecht geklärt ist. Das sogenannte „nicht ansässiger Elternteil“ ist dabei immer noch in das Sorgerecht für das Kind eingebunden.

Auch das Justizministerium betont, dass man auch ohne elterliche Autorität an der Erziehung beteiligt sei. In der Praxis ist das jedoch manchmal nicht umzusetzen. Während einige Eltern die Sorgerechtsfragen gemeinsam klären, versuchen andere sich bei dem Thema regelrecht zu bekämpfen. Das Ministerium sieht ein, dass dieser Punkt ein Problem ist.

Es könnte deswegen vielleicht bald Änderungen geben. Das Ministerium rief im März ein Gremium zu dem Thema ins Leben, das sich mit den Fragen zum Sorgerecht und die Erziehungsberechtigung beraten soll. Auch die Unterhaltungszahlungen werden besprochen.

Scheidungssystem wird als problematisch angesehen

Im Mittelpunkt der Diskussionen steht unter anderen das derzeitige Scheidungssystem, das Eltern eine schnelle Trennung ermöglicht. 90 Prozent der Ehen werden in Japan einvernehmlich beendet. Das bedeutet, dass sie nur die entsprechenden Papiere unterschreiben und angeben müssen, wie das Sorgerecht geregelt werden soll.

Paare können sich so einfach trennen, ohne die Bedeutung der Festlegung von Bedingungen für die Erziehung von Kindern vollständig anzuerkennen, was zu niedrigen Unterhalts- und Besuchsquoten für Kinder beitragen soll.

Daten von 2016 zeigen aber, dass nur 24,3 Prozent der alleinerziehenden Mütter noch Kindergeld von ihren ehemaligen Ehemännern bezogen. 56 Prozent haben hingegen nie Geld erhalten. Experten sehen ein großes Problem darin, dass die Scheidungen alleine ohne Rücksicht auf die Kinder getroffen werden, die oft unter der Trennung leiden.

Während in anderen Ländern Familiengerichte, Sozialarbeiter oder Anwälte miteinbezogen werden, fehlt in Japan diese Unterstützung meistens. Es wird deswegen von Experten gefordert, dass das Unterstützungssystem frühzeitig eingebunden werden soll, um die Probleme zum Wohl des Kindes schnell zu lösen.

Anzeige
Anzeige