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HomeNachrichten aus JapanSoziales & LebenImmer mehr Evakuierte aus Fukushima leben in armen Haushalten

Finanzielle Lage hat sich für viele verschlechtert

Immer mehr Evakuierte aus Fukushima leben in armen Haushalten

Neun Jahre nach der nuklearen Katastrophe hat sich die Mehrheit der Evakuierten aus den Gebieten ein neues Leben aufgebaut. Das heißt jedoch nicht, dass es ihnen deswegen nun gut geht. Eher das Gegenteil ist der Fall, denn immer mehr Evakuierte leben in einkommensschwachen Haushalten, wie eine am 27. November veröffentlichte Umfrage zeigt.

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Zwischen Juli und September führte das Institute of Disaster Area Revitalization, Regrowth and Governance der Kwansei Gakuin University eine Umfrage unter Evakuierten durch. Das Institut wollte dabei in erster Linie wissen, wie das jährliche Einkommen der Haushalte ist und wie es sich bis 2019 verändert hat. 694 Personen reagierten dabei auf die Fragebögen.

Aufgeteilt nach Regionen hatten 552 Personen in der Präfektur Fukushima gelebt. 100 Personen waren dazu in einem Gebiet wohnhaft, das wegen der Strahlung noch gesperrt oder immer noch schwer zugänglich ist. Auf der anderen Seite kamen 140 Personen aus Gebieten, wo der Evakuierungsbefehl bereits wieder aufgehoben ist.

Evakuierte rutschen finanziell ab

Insgesamt haben 417 die Heimat freiwillig ohne einen Evakuierungsbefehl verlassen, wobei 40 Prozent nicht zurückkehren wollen. Bei den anderen Evakuierten wollen 70 Prozent nicht mehr in die ursprünglichen Wohngebiete.

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Bei dem Einkommen gab die Mehrheit mit 14,8 Prozent an, dass sie vor der Katastrophe bei jährlich 24.000 Euro bis unter 32.000 Euro lagen. Für 2019 lag die Mehrheit mit 16 Prozent jedoch bei 16.000 Euro bis unter 24.000 Euro. Tatsächlich ist die Gesamtzahl der Haushalt unter 24.000 Euro von 22,7 Prozent auf 39,1 Prozent angestiegen.

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Ein Grund für den starken Anstieg könnte das Alter der Evakuierten sein. 40 Prozent der Befragten waren 60 Jahre alt oder älter. Das Einkommen sinkt mit dem Alter und dem Ruhestand, weswegen Senioren eher in einkommensschwachen Haushalten leben.

Besonders alleinerziehende Mütter haben ein niedriges Einkommen

Die finanziellen Schwierigkeiten zeigen sich allerdings auch bei den Berufen. Nur auf die freiwilligen Evakuierten beschränkt, halbierte sich in dem Zeitraum die Zahl der Vollzeit-Hausfrauen. Gleichzeitig stieg die Zahl der Personen mit einer Teilzeitbeschäftigung oder allgemein unregelmäßigen Beschäftigung auf über 60 Prozent.

Besonders bei Müttern hat sich die Situation verschlechtert. Von 117 alleinerziehenden Müttern haben fast 90 Prozent freiwillig evakuiert. 44 Prozent von ihnen haben jetzt ein jährliches Einkommen von weniger als 16.000 Euro, was 3,6-Mal soviel ist wie vor der Katastrophe.

Nun zur Pandemie hat sich für einige die Lage zusätzlich verschärft. Unter den Freiwilligen haben zehn Prozent ihren Arbeitsplatz verloren. 30 Prozent gaben hingegen ein Rückgang ihres Einkommens von 400 Euro oder mehr an.

Shigeki Yamanaka sieht deswegen die Situation als ernst an. Besonders Alleinerziehende stehen unter dem Druck, mit zwei bis drei Jobs ums Überleben zu kämpfen. Aus diesem Grund fordert er ein Grundeinkommenssystem, das Evakuierten ein Mindesteinkommen garantierte. Ebenfalls spricht sich Yamanaka für einen Fonds aus, um die Menschen zusätzlich zu unterstützen.

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