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HomeNachrichten aus JapanSoziales & LebenImmer mehr Schulen in Japan erlauben geschlechtsneutrale Schuluniformen

Schüler dürfen immer häufiger Uniform wählen

Immer mehr Schulen in Japan erlauben geschlechtsneutrale Schuluniformen

An den meisten Schulen in Japan gibt es weiterhin verpflichtende Schuluniformen. Für einige ist der Zwang zu den geschlechtsspezifischen Outfits eine Qual. Aus diesem Grund wechseln immer mehr Schulen im Land zu neutralen Möglichkeiten.

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Kyodo News führte im Oktober eine Umfrage zu den Schuluniformen bei den Bildungsbehörden im Land durch. Es stellte sich dabei heraus, dass es in 639 Präfekturschulen in mindestens 19 Präfekturen gelockerte geschlechtsspezifische Kleiderordnungen gibt.

Bildungsministerium bat um Anpassung der Reglungen

Das bedeutet, dass es unter anderem Mädchen nun erlaubt ist, auch Hosen, statt nur Röcke, zu tragen. Aber auch in den anderen 28 Präfekturen soll es bereits angepasste Regelungen geben, die jedoch aufgrund fehlender Daten nicht von den Behörden bestätigt werden konnten. Dafür wurde jedoch festgestellt, dass die Kleiderordnungen landesweit bei Oberschulen im kommenden Frühling ausgeweitet werden.

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Die meisten Schulen mit freien Kleiderordnungen gab es in Hokkaido mit 97. Dahinter folgten Tokyo und Chiba mit 93 Schulen und 73 Schulen. Laut dem Bildungsministerium gibt es 3.500 öffentliche Oberschulen im ganzen Land, bei denen Schuluniformen selbst gewählt werden durften.

Der relativ starke Anstieg zu offenen Kleiderordnungen lässt sich auf eine Bitte des Bildungsministeriums zurückführen. 2015 hatten sie in einer Mitteilung Schulen aufgefordert in Bezug auf sexuelle Minderheiten die Regelungen für die Schuluniformen zu lockern.

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Die Änderungen werden von Experten deswegen begrüßt, da Schuluniformen in der Vergangenheit bereits mehrmals Probleme machten. Unter anderem beschwerten sich Mädchen, die auch bei eisigen Temperaturen Röcke nur mit Strümpfen tragen durften.

Forderungen nach Lockerungen werden lauter

Besonders litten sexuelle Minderheiten unter den Reglungen, die in vielen Fällen gezwungen waren, die geschlechtsspezifische Kleidung zu tragen, mit der sie sich nicht identifizierten. Die Lockerungen ermöglichen so den Schülern allgemein sich freier auszudrücken und auch mehr Akzeptanz für Andersartigkeit zu schaffen. Die Kinder selbst sind dabei oft für derartige Änderungen.

Für eine Lockerung der Kleiderordnungen setzte sich unter anderem ein Highschool-Schüler in Tokyos Edogawa-Bezirk ein. Der trans Junge hatte bei Bürgermeister Takeshi Saito gefordert bei allen Schulen im Bezirk den Zwang zu geschlechtsspezifischen Uniformen abzuschaffen. Der Junge selbst musste in der Junior Highschool einen Rock tragen und wechselte deswegen später auf eine Schule, wo es überhaupt keine Uniformen gab. Saito selbst gab an, dass man über eine Degenderisierung nachdenkt.

Ryosuke Nanasaki von der LGBT Community Edogawa Gruppe, sieht in den Lockerungen für betroffene Schüler eine Rettungsleine, die sie dringend brauchen, weswegen er die Bemühungen unterstützt. Er weist aber auch darauf hin, dass die Akzeptanz in den Schulen auch noch Grenzen hat.

Schüler sollen sich allgemein in ihrer Kleidung wohlfühlen

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Während es als relativ unkontrovers gilt Hosen für weibliche Schüler zu erlauben, sieht es beim Gegenstück schon schwieriger aus. Bei den Röcken für registrierte männliche Schüler werden immer wieder Bedenken geäußert, dass es vielleicht zu Mobbing kommt.

Nanasaki ist die Problematik bekannt, trotzdem drängt er dazu die Uniformoptionen für alle zu öffnen, da unter Erwachsenen noch sehr das Verständnis fehlt. Auch aus anderen Ecken gibt es ähnliche Bedenken wie unter anderem aus Kyushu.

Dort befürchtet ein Fakultätsmitglied, dass Schüler sich möglicherweise nicht trauen die Uniform zu tragen, in der sie sich gut fühlen, wenn sie die Regelungen nur auf sexuelle Minderheiten reduzieren. Schüler sollten sich allgemein wohlfühlen, auch bei der Kleidung und deswegen sollte sich nicht auf eine Gruppe festgelegt werden.

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