Anzeige
HomeNachrichten aus JapanSoziales & LebenImmer weniger Japaner haben Interesse am Feierabend-Bier mit den Kollegen

Die Pandemie machte gemeinsame Treffen unmöglich und jetzt anscheinend auch überflüssig

Immer weniger Japaner haben Interesse am Feierabend-Bier mit den Kollegen

Wenig hat den Alltag der Menschen überall auf der Welt in den letzten Jahren so sehr verändert wie die Corona-Pandemie. In Japan sinken die Zahlen und der gesellschaftliche Alltag wird langsam wieder hochgefahren. Jetzt bleibt abzuwarten, welche Gewohnheiten auch nach der Pandemie erhalten bleiben.

Anzeige

Bisher gehörte das Feierabend-Bierchen mit den Kollegen zu den festen Terminen in japanischen Büros. Diese Tradition scheint jetzt aber langsam auszusterben, denn immer mehr Menschen können auch gut auf das abendliche Treffen verzichten. Das belegt eine Umfrage der Nippon Life Insurance Company (Nissay), die die Menschen zu „Nominication“ befragte. Der Begriff ist eine Mischung aus dem japanischen Wort „Nomi“ (Trinken) und dem englischen „Communication“.

Der Fokus bei Japans Angestellten verschiebt sich

„Nominication“ ist das gemeinsame Trinken gehen mit den Kollegen, das vordergründig die informelle Kommunikation fördern und ein Gefühl der Kameradschaften erzeugen soll. Die Treffen finden in der Regel am Ende des Arbeitstages statt. Auf dem Weg nach Hause kehren die Kollegen gemeinsam mit ihrem Vorgesetzten in eine Bar oder ein Izakaya ein. Während der Pandemie arbeiteten viele Menschen von Zuhause aus, sodass auch die abendlichen Treffen ausfielen. Die Umfrage ergab, dass von über 7.500 befragten Personen 61,9 Prozent die Treffen nicht vermissten. Das sind 16,2 Prozent mehr als noch bei einer Umfrage 2020.

LESEN SIE AUCH:  Japan rätselt über den plötzlichen Rückgang der Corona-Infektionen

Die steigende Ablehnung geht dabei durch alle Altersklassen. Im Durchschnitte sind sich 62 Prozent der japanischen Angestellten einig, dass sie kein Feierabendtreffen mit den Kollegen brauchen. Bei genauer Betrachtung stieg der Wert derer, die ohne „Nominication“ auskommen, bei den älteren Angestellten sogar am stärksten. Warum die Menschen den Treffen lieber fernbleiben, erklärten die meisten damit, dass sie wenig Zeit mit „Ki Wo Tsukau“ verbringen wollten.

Der harte Kern will an den Treffen festhalten

Dabei handelt es sich um eine japanische Redewendung, die sich darauf beizieht, die Gefühle, Meinungen und Bedürfnisse anderer Menschen bewusst wahrzunehmen. Dieses Verhalten wird in Japan als kultureller Wert angesehen und unterstützt tugendhaftes, reifes und bewundernswertes Benehmen. Die Menschen wollen sich nach einem langen Arbeitstag heutzutage lieber entspannen, als sich noch mit den Kollegen zu befassen, die sie am nächsten Tag vielleicht gar nicht zu sehen bekommen.

Anzeige

Außerdem fühlen sich die Treffen für viele Japaner an, wie eine Verlängerung der Arbeitszeit, da die Teilnahme eigentlich Pflicht ist, auch wenn dies nicht offiziell vorgeschrieben wird. Die Befürworter sind weiterhin von sozialen Interkation überzeugt und denken, dass sie die Zusammenarbeit im Team fördern.

Obendrein würden die meisten Kollegen diskrete Gespräche eher bei solchen Treffen führen als in Großraumbüros, in denen zahlreiche Menschen zuhören können. Jüngere Angestellte nutzen die Termine vor allem, um von älteren Kollegen Ratschläge einzuholen, da dies in der informellen Atmosphäre leichter sei, als im Büro.

In Zeiten von Corona treffen sich immer mehr Menschen in Japan über Zoom und sagen virtuell Kanpai
In Zeiten von Corona treffen sich die Japaner online. Bild: Kyodo
Anzeige
Anzeige