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HomeNachrichten aus JapanSoziales & LebenJapaner dürfen bei Dokumenten weiterhin zum Hanko greifen

Stempel werden nicht abgeschafft

Japaner dürfen bei Dokumenten weiterhin zum Hanko greifen

Die einen wollen sie abschaffen, die anderen wollen sie behalten – Hanko, persönliche Siegelstempel. Die Regierung zeigt sich kompromissbereit. Ihre Nutzung soll nicht mehr verpflichtend sein, jedoch als Option beibehalten werden.

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Auch wenn es zunächst den Anschein hatte, die japanische Regierung wolle den Gebrauch der Siegelstempel hinter sich lassen, sieht die Realität in Japan derzeit anders aus. Die Zentralregierung habe sich offenkundig damit abgefunden, dass „ihre Bemühungen, das Hanko aus den Händen der Öffentlichkeit zu reißen“, in absehbarer Zeit keinen Erfolg haben werden.

Kritik an den Hanko wuchs während Pandemie

Noch im August des vergangenen Jahres hatten immer mehr Menschen die Abschaffung des Siegelstempels gefordert. Diese kamen mehr und mehr in die Kritik, weil Menschen während der Corona-Pandemie ihr Homeoffice verlassen mussten, um mit dem Siegel im Büro wichtige Dokumente abzustempeln.

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Beamte des Justizministeriums gaben als Begründung an, dass mit ihrer Entscheidung die unterschiedlichen Meinungen in der Öffentlichkeit berücksichtigt werden sollen, die es zum Siegelstempel gibt. Einige Japaner wollen beispielsweise ihre Hochzeitsurkunden mit persönlichen Siegeln versehen, da sie Lebensabschnitte wie diese als persönlichen Meilenstein sehen. Die Erinnerung daran werde durch die Verwendung eines Hanko persönlicher, wie sie finden.

Hersteller sprachen sich für Siegelpflicht aus

Die Nutzung der Hanko soll für Dokumente, beispielsweise aus dem Familienregister, zukünftig nicht mehr verpflichtend sein, bleibt aber als zusätzliche Option bestehen. Damit wird in Japan ein Stück Geschichte weiter erhalten. Denn die Nutzung von Siegeln für offizielle Dokumente geht in Japan bis in die Meiji-Ära (1868 – 1912) zurück. Hanko-Hersteller hatten sich in den vergangenen Monaten dafür eingesetzt, dass die Siegelpflicht erhalten bleibt.

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Diese Tradition führte bislang jedoch auch zu einem Anhäufen von Papierbergen in den Verwaltungen des Landes. Mit Verabschiedung der Gesetze zur digitalen Transformation sollen diese zumindest kleiner werden. Dann werden Japaner beispielsweise keine Siegel mehr für Auszugs- oder Einzugsmeldeformulare benötigen. Vorgemacht hat das bereits die Stadt Mutsu in der Präfektur Aomori beim Umgang mit internen Dokumenten der Stadt.

Hanko-Stempel dürfen weiterhin in Japan genutzt werden. Die zunehmende Digitalisierung wird ihre Anwendung jedoch einschränken.

Noch im Februar argumentierte Shinichi Nakatani, Generalsekretär der Hanko-Liga der Gesetzgeber, für die Beibehaltung der Hanko-Pflicht auf Heirats- und Scheidungsformularen. Justizministerin Yoko Kamikawa entgegnete ihm, dass sie in Erwägung ziehen würde, Menschen weiterhin persönliche Siegel auf ähnlichen Dokumenten verwenden zu lassen.

Eine Verpflichtung könnte jedoch der Digitalisierung im Wege stehen, sagte Kamikawa. Die Beibehaltung von Feldern zum Stempeln mit einem Hanko auf Formularen könnte irreführend sein.

Unterschrift statt Stempel für familiäre Formalitäten

Hankos und die Digitalisierung – das Thema wird Japan so schnell nicht loslassen, wie es scheint. Das Oberhaus wird in der aktuellen ordentlichen Sitzung des Landtages über ein Paket von Gesetzesentwürfen beraten, die die Zentralregierung dem Parlament vorgelegt hat. Thema wird unter anderem eine Bestimmung zur Änderung des Familienregistergesetzes sein. Diese soll bezwecken, dass zukünftig Unterschriften allein für die damit verbundenen Formalitäten ausreichen werden.

Online-Anträge sollen Verwaltungen entlasten

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Das Justizministerium plant zukünftig darauf hinzuweisen, dass die Nutzung des Hanko an entsprechend gekennzeichneten Stellen eines Dokuments nicht verpflichtend ist. Die Zentralregierung hingegen plant, für schnellere Wege in der Verwaltung die Praxis der Online-Anträge zu verbreiten. Das würde für die Beamten in den Verwaltungen eine vergleichsweise geringere Arbeitslast bedeuten.

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