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HomeNachrichten aus JapanSoziales & LebenJapanische Stadt verschiebt Anerkennung von LGBTQ-Paaren nach negativen Reaktionen

Feedback von Einwohnern fällt negativ aus

Japanische Stadt verschiebt Anerkennung von LGBTQ-Paaren nach negativen Reaktionen

In den letzten Jahren haben zahlreiche Städte in Japan ein Anerkennungssystem für LGBTQ-Paaren eingeführt, um mehr Gleichberechtigung zu ermöglichen. Bisher gab es deswegen auch keine Probleme. Nun hat aber eine Stadt zum ersten Mal die Einführung eines Systems verschieben müssen.

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Die Stadtregierung von Ube in Yamaguchi gab bekannt, dass sie Anerkennungssystem von LGBTQ-Partnerschaften um sechs Monate nach hinten verschieben werden. Ursprünglich wollten sie es bereits am 31. März einführen und damit den Paaren Leistungen und Vorteile ermöglichen, die zurzeit nur Ehepaaren zustehen.

Meinung der Bevölkerung ist überwiegend negativ

Das System sollte dabei als eine Richtlinie aufgenommen werden, sodass keine Abstimmung durch die Stadtversammlung nötig ist. Grund dafür, dass sie nun den Start verschieben, sind die Anfragen von zahlreichen Bürgern, die bei der Regierung eingingen.

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Die Aufforderung zu einem Feedback Dezember 2020 hatte gezeigt, dass eine große Mehrheit das System ablehnt und sagt, dass sie noch nicht bereit dafür sind. Insgesamt erhielt die Stadt 217 Briefe und E-Mails, von denen um die 80 Prozent gegen das System waren.

Bei der genauen Auswertung stellte sich heraus, dass viele vor allem altmodische Vorurteile haben. So gaben 33 Personen an, dass Heiraten und Kinder bekommen die einzige natürliche Form für eine Familie sei. 25 sagten, hingegen, dass das System unnötig sei, da die Rechte von LGBTQ-Paaren angeblich durch die bestehende Politik bereits geschützt sind.

Stadt will mehr über LGBTQ-Paare aufklären

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Das ist jedoch ein Irrglaube und sexuelle Minderheiten haben in Japan keinen allgemeinen Schutz vor Diskriminierungen. Paare werden hingegen national gesetzlich nicht anerkannt und werden deswegen unter anderen bei der Wohnungssuche, medizinischen Versorgung und bei Sozialleistungen benachteiligt.

22 Personen gaben an, dass es noch zu früh sei für das System und 19 waren besorgt, dass es zur Aufklärung von der Vielfältigkeit der Sexualität kommt, die wiederum bei Kindern psychische Störungen auslösen.

Die Stadtregierung will nun die zusätzliche Zeit nutzen, um die Öffentlichkeit ausreichend zu informieren. Unter anderen sollen Beamte bei lokalen Treffen teilnehmen und erklären, warum das System für LGBTQ-Paare so wichtig ist. Ebenfalls sollen Flyer verteilt und öffentliche Vorträge gehalten werden.

Aufgeben will die Stadt das System nämlich nicht, da es auch Zustimmung gab. So baten 23 Personen, dass die Ube helfen soll die Ungleichheit zu beseitigen. Zwei Menschen wünschten sich dazu, dass das System ausgeweitet wird.

Sexuelle Minderheiten werden weiterhin ausgegrenzt

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Schon im Februar hatte der Rat zur Förderung der Menschenrechtspolitik die Angelegenheit der Kommentare der Bevölkerung besprochen. Die Mitglieder waren dabei gespalten. Einige wollte warten, um die Bevölkerung mehr aufzuklären. Die anderen wollten beim Termin bleiben, um so die Menschen direkt aufzuklären. Am Ende wurde sich dann doch für eine Verschiebung entschieden.

Die Gynäkologie Noriko Kaneko aus Ube selbst setzt sich für das System ein. Die LGBTQ-Paare hätten ein Recht so frei zu leben, wie andere auch und das System würde nicht traditionellen Familienwerte widersprechen. Sie hofft deswegen, dass mehr Menschen die Problematik verstehen und im September die LGBTQ-Paare endlich anerkannt werden.

Allgemein zeigt die Reaktion, wie wenig Verständnis es in Japan noch für sexuelle Minderheiten gibt. Viele haben noch ein veraltetes Bild oder Vorurteile zu den LGBTQ-Paaren. Schuld daran sind unter anderen die fehlenden Maßnahmen von der Zentralregierung und die mangelhafte Aufklärung in den Schulen.

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