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HomeNachrichten aus JapanSoziales & LebenJapanische Universität erhält starke Kritik wegen Broschüre zu „schönen“ Studierenden

Nette Idee oder falsches Signal? Die umstrittene Broschüre der Kindai University

Japanische Universität erhält starke Kritik wegen Broschüre zu „schönen“ Studierenden

In der japanischen Präfektur Osaka hat eine von der örtlichen Universität herausgegebene Broschüre eine Kontroverse ausgelöst, denn sie zeigt eine Fotosammlung von „schönen“ weiblichen und männlichen Studierenden, die aktuell den Campus besuchen.

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Die Fotos wurden in der Kindai Graffiti 2023 veröffentlicht, einer Broschüre der Kindai University, die zum Beispiel beim Tag der offenen Tür verteilt oder auch kostenlos verschickt wird. Sie wurde konkret für angehende Studierende entworfen und soll das Campusleben bewerben.

„Schöne Jungen und Mädchen“

Die Broschüre umfasst insgesamt 90 Seiten. Vier Seiten davon sind laut des Inhaltsverzeichnisses der „Enthüllung der schönen Jungen und Mädchen“ gewidmet, „die auf dem Campus gefunden wurden“.

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Laut der Abteilung für Öffentlichkeitsarbeit der Kindai University wird diese Broschüre seit 2015 jährlich in Zusammenarbeit mit einem Zeitschriftenhaus erstellt und soll „einen ungezwungenen Eindruck von den Besonderheiten der Universität vermitteln“.

Die Fotosammlungen „beautiful girl“ und „beautiful boy“ erscheinen seither ebenfalls jedes Jahr in der Broschüre. Schon fast eine kleine Tradition.

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Außerdem fällt die Aufgabe, die passenden Jungen und Mädchen für die Broschüre zu ermitteln, scheinbar dem Zeitschriftenverlag zu, denn es sind die Mitarbeitenden des Verlags, die jedes Jahr die entsprechenden Umfragen unter den Studierenden am Campus durchführen.

Kritische Kommentare kommen aus den eigenen Reihen

Die Personalgewerkschaft der Kindai University veröffentlichte gemeinsam mit einer der dortigen Fakultäten am 18. April einen Tweet mit der Äußerung: „Die Fotosammlung ‚Schönes Mädchen‘ in den Broschüren der College-Leitfäden stellt die Integrität der Schule infrage.“ Der Beitrag sammelte binnen eines Monats etwa 2.100 Retweets und etwa 3.300 Likes.

Kazuhiro Fujimaki, der Generalsekretär der Personalgewerkschaft, gab zu diesem Thema noch zusätzlich einen persönlichen Kommentar ab. „Ich möchte die Broschüre nicht ganz ablehnen, aber die Verwendung von Bildern von Menschen auf der Grundlage ihres Aussehens in einem offiziellen Leitfaden einer Universität ist äußerst problematisch.“

Das PR-Büro der Kindai University reagierte und erklärte in einer offiziellen Stellungnahme, dass die Broschüre auch dazu dienen sollte, „Menschen vorzustellen, die Schüler der Oberstufe bewundern werden“.

„Jedes Jahr haben wir Gespräche mit Studienanfängern geführt, um ihre Meinung zu hören und unbeliebte Abschnitte auszuschließen.“

Die Fotosammlungen seien zudem auch deswegen fortgeführt worden, da die befragten Studierenden häufiger angegeben hätten, dass sie die Bilder als Referenzen für ihre eigene Kleidung und ihr eigenes Make-up nutzen würden.

„Kindai Lehrer- und Schülerpaare“

Noch kontroverser erscheint der Abschnitt „Kindai Lehrer- und Schülerpaare“. Eine Dozentin berichtete davon, wie sie von der Universität darum geben wurde, einen männlichen Studierenden zu empfehlen, der „wunderschön und gutaussehend“ sei. Sie selbst sah diese Bitte als äußerst kritisch an.

„Ich habe meine Schüler nie nach ihrem Aussehen bewertet und ich dachte, das ist praktisch Belästigung. Die Beschränkung der Paare auf ein Mann-Frau-Paar hat auch die Idee einer heterosexuellen Liebe als Prämisse, was problematisch ist.“

Was sagen die Studierenden?

Unter den Studierenden driften die Meinungen und Ansichten auseinander. Eine der diesbezüglich befragten Studentinnen befürwortete die Fotosammlung. „Es gibt kein Problem, wenn die betroffenen Parteien der Veröffentlichung zustimmen.“

Ein Studienanfänger kommentierte dagegen: „Es mag jetzt als Grenzfall akzeptabel sein, aber die Handlung einer Universität, Menschen aufgrund ihres Aussehens zu beurteilen, könnte in Zukunft unzulässig werden.“

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