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HomeNachrichten aus JapanSoziales & LebenJapanischer Schrein versucht nach 75 Jahren immer noch Soldatenfotos zurückzugeben

Tausende Bilder sollen noch zurückgegeben werden

Japanischer Schrein versucht nach 75 Jahren immer noch Soldatenfotos zurückzugeben

Als während des Zweiten Weltkriegs in Japan viele junge Männer in den Krieg ziehen mussten, beteten die Familien mit Fotos dafür, dass sie gesund wieder nach Hause kommen. Ein Schrein in Yamaguchi versucht nun Jahre später, die Fotos von den Soldaten wieder den Familien zurückgegeben.

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Der Misaka Schrein in Shimonoseki, Yamaguchi gilt auch als „Schrein ausweichender Kugeln“. Während des zweiten Chinesisch-Japanischen Krieges (1937-1945) und des Pazifikkrieges (1941-1945) brachten viele Familien Bilder von Soldaten, um für deren Sicherheit zu beten.

Schrein erhielt auch Bilder aus dem Ausland

Um die 20.000 Bilder wurden bis 1945 beim Oberpriester abgeben. Nach fast 76 Jahren befinden sich davon aber immer noch 14.000 im Besitz des Schreins, der seit Kriegsende versucht, die Fotos zurückzugeben. Die Suche nach den Familien wird dabei von Jahr zu Jahr schwieriger.

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Aufgeben möchte der mittlerweile 92 Jahre alte Oberpriester Harunori Saeki noch nicht. Nur wenn alle Bilder wieder zurückgegebene wurden, endet für den Schrein und Saeki auch die Nachkriegszeit.

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Aus dem Grund werden alle Bilder sorgfältig in sieben Kisten gelagert. Um sie zuordnen zu können, befinden sich die Fotos in Umschlägen mit verweis auf den Wohnort. Die meisten stammen aus Orten in der Präfektur Yamaguchi.

Es gibt aber auch Fotos aus Hokkaido, Tokyo, Fukuoka und Kagoshima. Selbst aus der damaligen Mandschurei, Taiwan und der koreanischen Halbinsel wurden Bilder von Söhnen und Vätern zum Schrein geschickt.

Während die Mehrheit Männer in Militäruniformen zeigt, sind einige auch in Kimonos, Anzügen und sogar Schuluniformen gekleidet. Wie viele von ihnen nach dem Krieg wieder nach Hause kamen, kann niemand sagen. Bis heute gelten um die eine Million Soldaten immer noch als vermisst.

Fotos erinnern Familien an ihren Verlust

Saekis Vater Tetsuzo hatte trotzdem alle aufbewahrt. Bevor er 1958 mit 61 Jahren starb, hatte er bereits versucht einige Fotos den Familien zurückzugeben, wobei er in der eignen Nachbarschaft anfing. Nach dem Tod seines Vaters führt Saeki die Aufgabe fort, obwohl er als Grundschullehrer arbeitete.

Er notierte sich von allen Soldatenbildern die Namen und Adressen. Erst mit seiner Rente 1989 schaffte er es aber die Listen mit einem Telefonbuch abzuarbeiten. Berichte in Zeitungen und im Fernsehen halfen dabei, dass mehr Menschen sich meldeten.

Zwischen 1979 und 1999 konnten so 5.466 Fotos den Familien übergeben werden. Teilweise hörten einige Kriegsveteranen zum ersten Mal davon, was die Verwandten für die getan hatten und zeigten sich dafür sehr dankbar. In vielen Fällen hatten die Männer aber nicht überlebt und Saeki traf auf sehr viel Kummer.

Ausstellungen und Online-Archiv sollen bei der Suche helfen

Ausstellungen mit den Fotos halfen ebenfalls dabei, einigen Familien zu finden. Teilweise melden sich auch Freiwillige, die beim Suchen helfen wollten. Seit 2018 gibt es eine Webseite, auf der die restlichen Bilder sind. Darunter sind auch 2.800 Fotos, die nicht aus der Präfektur stammen und 287 Bilder, zu denen es keine Details gibt.

Dass der Schrein damals so bekannt wurde, war einen Zeitungsartikel nach dem Ausbruch des zweiten chinesisch-japanischen Krieges 1937 zu verdanken. Die Zeitung behauptete, dass alle Soldaten, die in den letzten Kriegen am Schrein beten waren, wieder gesund nach Hause gekommen sind.

Saeki ist die Suche deswegen sehr wichtig. „Jedes einzelne Foto ist wertvoll, da es von dem Wunsch durchdrungen ist, dass die Person auf ihnen gesund und munter zurückkommt“, sagte er. Er hofft, dass eines Tages die Bilder, die die Kostbarkeit des Lebens lehren, wieder alle bei ihren Familien sind.

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