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Apps fürs Meditieren und Partnervermittlung

Japans buddhistische Tempel halten sich mit Online-Diensten über Wasser

Die Pandemie hat dazu geführt, dass nur wenige Menschen in die buddhistischen Tempel in Japan gehen. Um den Rückgang der Gläubigen zu verlangsamen, mit dem man bereits seit einigen Jahren kämpft, wurden daher verschiedene Online-Dienste geschaffen.

Daher werden Gedenkfeiern online abgehalten, es gibt Apps, die bei der Zen-Meditation helfen und einige haben sogar Partnervermittlungsdienste ins Leben gerufen.

Buddhistische Tempel leiden unter nachlassenden Interesse an Religion

In Japan gibt es ca. 77.000 buddhistische Tempel, die seit Jahren mit einem nachlassenden Interesse an Religion, besonders bei der Jugend des Landes, zu kämpfen haben.

Die Einnahmen sinken. Nach Schätzungen von Hidenori Ukai, dem Hauptpriester des Shokakuji-Tempels in Kyoto und freiberuflichem Journalisten, dürften die Gesamteinnahmen seit 2015 um etwa 51 Prozent auf 263 Mrd. Yen im Jahr 2020 gesunken sein.

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„Der Buddhismus hat in Japan eine Geschichte, die bis ins 6. Jahrhundert zurückreicht, aber nur wenige Epochen haben solch immense Herausforderungen mit sich gebracht. Mehr als ein Drittel der Tempel könnte bis 2040 verschwinden, da die Bevölkerung altert“, so Kenji Ishii, ein Professor für Religionswissenschaften an der Kokugakuin Universität in Tokyo.

Buddhistische Häuser gibt es in Japan seit mehr als einem Jahrhundert, aber sie brauchen Geld um bestehen zu können, das wiederum von den Gläubigen kommt. Die Pandemie hat viele Mönche und Priester dazu veranlasst, über neue Wege nachzudenken, wie man die Gläubigen erreichen kann, um so das nötige Geld für den Erhalt der Anlagen zu generieren.

Apps fürs Meditieren, Online-Meditationsgruppen und Partnervermittlung

Der Ryosokuin, ein Zen-Tempel mit einer mehr als 660-jährigen Geschichte in Kyoto, ist so ein Beispiel. Angesichts des Rückgangs von Gedenkfeiern und eines Einbruchs des Tourismus hat der Vorstand ihre Online-Aktivitäten verstärkt.

Sie hat eine Meditations-App entwickeln lassen, die bereits mehr als 15.000 Mal heruntergeladen wurde und mit der sie in Zukunft Geld verdienen will. Zusätzlich hat sie eine Online-Zen-Meditationsgruppe namens UnXe geschaffen, was so viel wie „Wolkensitzen“ bedeutet.

Die Mediations-App
Die Mediations-App

Tsukiji Hongwanji, ein vier Jahrhunderte alter Tempel in der Nähe des alten Fischmarktes in Tokyo, ist ein weiterer Tempel, der versucht mit Online-Diensten die Menschen zu erreichen.

Im Mai letzten Jahres begann man mit Online-Gedenkgottesdiensten für Familien, die keine Versammlungen für die Verstorbenen wünschen. Laut Yugen Yasunaga, einem repräsentativen Direktor und Priester des Tempels, hat man etwa 70 solcher Veranstaltungen durchgeführt.

Der Tempel wagt sich auch in neue Bereiche vor wie zum Beispiel Partnervermittlung, ein Café und Yogakurse, so Yasunaga, der mehr als zwei Jahrzehnte in einer großen japanischen Bank gearbeitet hat, bevor er seine Arbeit im Tsukiji Hongwanji begann.

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