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Auch Fotos machen Probleme

Japans Geschlechter-Angabe in Bewerbungen sorgt für massive Diskriminierungen

Bei einer Bewerbung in Japan ist es meistens die Norm, neben dem Namen und anderen Daten auch sein Geschlecht anzugeben sowie ein Foto anzuheften. Das ist im internationalen Vergleich ein ziemliches veraltetes Vorgehen, das immer wieder zu Diskriminierungen führt. Nur langsam gibt es bei japanischen Unternehmen ein Umdenken und Anpassungen der Bewerbungen.

Das Angeben des Geschlechtes hat in der Vergangenheit gezeigt, dass es zu geschlechterspezifischen Diskriminierungen kommt, obwohl sie verboten sind. Gleichzeitig stellt die Angabe besonders für sexuelle Minderheiten ein großes Problem dar, was sich oft nicht überwinden lässt.

Diskriminierungen sind keine Seltenheit

Wie hinderlich diese einzige Angabe sein kann, zeigte der Fall einer Person aus Onagawa, Miyagi. Die 31 Jahre alte Hori ließ bei Bewerbungen das Geschlecht immer frei, da xier sich weder als Frau noch als Mann betrachtet. Bei Bewerbungsgesprächen gab Hori dann an, dass xier als Mann arbeiten will.

Mehr zum Thema:  Japans Ziel der Geschlechtergleichstellung wird noch Jahre dauern

Das stieß jedoch nicht immer auf Akzeptanz und einmal wurde xier mit der Begründung abgelehnt, dass xier eine Frau sei und nach keinen Frauen gesucht wird. Ein anderes Mal bewarb sich Hori als Lehrer und wurde als weiblich markiert. Als xier dann jedoch mit Krawatte zum Gespräch erschien, gab es die Absage.

In etwa zehn Bewerbungen wurde Hori aufgrund xies Geschlecht abgelehnt und mittlerweile hat xier es aufgeben den Traumberuf Vollzeitlehrer zu verfolgen, da es immer wieder Fragen zum Geschlecht gab. Horis Geschichte ist dabei kein Einzellfall und viele leiden unter dem steifen System in der japanischen Arbeitswelt.

Geschlecht sollte bei der Bewerbung keine Rolle spielen

Die Organisation Posse hat aus diesem Grund eine Internet-Petitionskampagne gestartet, um gegen die Angabe und das Foto vorzugehen. Bereits mehr als 10.000 Leute haben die Petition unterschrieben. Die Petition wurde bereits dem Ministerium für Wirtschaft, Handel und Industrie und der Japanese Standards Association, die bis Juli noch das Bewerbungsformat Kokuyo Co. empfahl, vorgelegt.

Hori hat auch die Petition unterschrieben, um gegen die Diskriminierung bei der Jobsuche vorzugehen. Hori kennt die Schwierigkeiten, die xies perfekte Jobsituation mit sich bringt. Xier betont dabei, dass das eigene Geschlecht nichts mit einem Beruf zu tun haben soll.

Manabu Sato von Posse stimmt dem zu und erklärt, dass die Streichungen Diskriminierungen bei der Jobsuche verhindern können. In den USA und anderen Ländern ist es bereits illegal Bewerber aufgrund ihrer Herkunft, Hautfarbe, Religion, ihres Geschlechts, sexueller Orientierung oder gar einer Schwangerschaft bei Bewerbungen zu benachteiligen.

Unternehmen passen sich bereits an

Der große Schreibwarenhersteller Kokuyo Co. plant zurzeit Bewerbungsformulare zu verkaufen, bei denen es kein Feld fürs Geschlecht gibt. Einige Unternehmen haben dabei tatsächlich selbst schon ihre Bewerbungsschreiben angepasst. Einige verzichten neben einem Foto sogar auf den Vornamen, damit nicht daran ein Geschlecht abzulesen ist. Toyota Motor Corp. ist eins der großen Unternehmen, das auch auf die Angabe verzichtet, jedoch weiterhin noch ein Foto will.

Es gibt aber auch Unternehmen, die sich offen gegen die Anpassungen stellen. Kirin Holdings Co. hat seit diesem Frühjahr die Angabe freiwillig gemacht, will allerdings nicht ganz darauf verzichten, da sie Chancengleichheit wahren soll. Sie wollen nämlich explizit Frauen am Arbeitsplatz fördern, was auch den Ruf in der Öffentlichkeit stärkt, weswegen sie die Angabe benötigen.

Eine gemeinsame Lösung ist wichtig

Die japanische Allianz für LGBT-Gesetzgebung begrüßt auch eine Streichung, aber auch sie haben ähnliche Bedenken. Ohne die Angabe könnte man nicht mehr genau die Balance zwischen den Geschlechtern feststellen und damit auch nicht die Geschlechtergleichberechtigung.

Aus diesem Grund wurde vorgeschlagen, dass eher nach der Geschlechtsidentität gefragt wird und nicht nach dem legalen Geschlecht, welches die Persönlichkeit der Person nicht reflektiert. Auch keine der beiden Optionen sollte möglich sein. Allgemein sollte man den Menschen zuhören, um die besten Optionen zu finden. Die Allianz selbst hat kürzlich eine Petition zur Gleichberechtigung von sexuellen Minderheiten eingereicht.

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