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Kampf gegen Vorurteile

Japans männliche Babysitter kämpfen gegen Stigmatisierung

Wie in vielen Ländern gibt es auch in Japan Vorurteile gegenüber männlichen Babysittern. Eltern ist es oft unangenehm, wenn sich ein Mann um ihr Kind kümmert, es baden oder die Windeln wechseln muss.

Neben den Vorurteilen kommt bei einigen Menschen noch das altertümliche Denken: „Mann muss arbeiten gehen, die Frau hat den Haushalt zu machen“ hinzu und sie haben daher das Bild: „Männer können keine Kinder erziehen.“

Stigmatisierung durch Missbrauchsfälle verschärft

Was die Stigmatisierung noch verschärft, sind Berichte über Misshandlungen, auch sexuelle, wie zum Beispiel Anfang des Jahres, als über zwei Männer berichtet wurde, die sich an ihren Schützlingen vergangen haben.

Mehr zum Thema:  Immer mehr Japaner setzen wegen Betreuungsmangel auf Babysitter

Diese Fälle haben auch dazu geführt, dass sich die Menschen über die Gefahr von sogenannten „Babysitter-Apps“ bewusst wurden. Diese Apps haben die klassischen Agenturen zunehmend verdrängt, als eine Plattform, die es ermöglicht kurzfristig jemanden zu finden, der auf ein Kind aufpasst.

In Japan wird es Missbrauchstätern allerdings auch sehr leicht gemacht, es gibt keinen Abgleich mit Strafregistern. Wird jemand des Missbrauchs, egal welcher Art, überführt, kann er, nachdem er seine Strafe abgesessen hat, einfach in eine andere Präfektur ziehen und sich dort wieder als Kindererzieher bewerben.

Auch dieser Umstand führt dazu, dass männliche Erzieher mit Vorurteilen und großem Argwohn zu kämpfen haben.

Kultur des Babysittens in Japan eher unterentwickelt

Im Gegensatz zu Deutschland ist die Kultur des Babysittens in Japan unterentwickelt. Traditionell wenden sich Eltern an eine Agentur, die oft ein teures Bewerbungsverfahren haben.

Daher wurden Apps, über die man einen Erzieher finden kann, schnell sehr beliebt. Sie kosten kaum etwas und man findet sehr schnell jemanden.

Allerdings zeigen die Missbrauchsfälle auf, dass die Apps die Menschen nicht prüfen.

Schon vor dem Vorfall in Kidsline gab es seit langem Bedenken hinsichtlich der Vermittlungsapps für Babysitter, ausgelöst durch den sexuellen Missbrauch und die Ermordung eines zweijährigen Jungen in der Präfektur Saitama im Jahr 2014 durch einen 26-jährigen männlichen Babysitter, den die Eltern über eine App gefunden hatten.

Um Missbrauch zu verhindern, hat im Juni der Anbieter Kidsline alle männlichen Babysitter aus seinem Angebot verbannt.

Datenbank für Babysitter

Die Verhaftung der beiden Männer in diesem Jahr löste Forderungen nach einer landesweiten Datenbank aus, womit Apps und Agenturen die Möglichkeit bekommen, auch das Strafregister potenzieller Babysitter abzufragen. In der Datenbank werden allerdings auch die Daten von weiblichen Personen gespeichert.

Eine solche Datenbank wäre ein Schritt nach vorn in einem Land, in dem das Fehlen eines zentralisierten Systems seit Langem verhindert hat, dass Informationen über Babysitter, die eine Strafe erhalten haben, zwischen den Gemeinden ausgetauscht werden, sodass diese Personen einfach von einem Gebiet in ein anderes umziehen und weiter mit Kindern arbeiten können.

Die Frage wird sein, wer Zugang zu der Datenbank haben sollte: Das Gesundheitsministerium will, dass Kommunalbeamten zumindest Zugang gewährt wird, aber die Verfügbarkeit der Datenbank bei den Betreibern von Apps und der allgemeinen Bevölkerung, einschließlich der Eltern, wird genauestens geprüft werden, sagte ein Ministerialbeamter des Amtes für Kinder- und Familienpolitik.

Probleme für männliche Babysitter werden bleiben

Eine Option, so der Beamte, sei die Offenlegung der Datenbank auf Kokodesearch (grob übersetzt: „Suche hier“), einer Website der Regierung, an deren Betrieb das Gesundheitsministerium beteiligt ist, um Informationen über Kindertagesstätten zu verbreiten und den Eltern den Weg für eine Hintergrundüberprüfung der Babysitter zu ebnen.

Aber die Veröffentlichung der Namen von Babysittern mit einer Vorgeschichte von Strafen im Zusammenhang mit Sexualverbrechen würde zweifellos Datenschutzfragen aufwerfen und eine gründliche Beratung erfordern. Das System soll Berichten zufolge im April eingeführt werden.

Die Hindernisse sind also groß und die Babysitter, die verantwortungsvoll ihrem Job nachgehen, befürchten, dass sie auch weiterhin mit der Stigmatisierung kämpfen müssen.

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