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Wieder einmal völlig am Problem vorbei

Japans Politiker schießen sich auf junge Menschen ein

Japans Politiker werden nicht müde, Menschen aufzufordern, zu Hause zu bleiben. Allerdings schießen sie sich dabei auf junge Menschen ein.

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„Wir wollen, dass vor allem junge Leute zu Hause bleiben“, sagte Tokyos Gouverneurin Yuriko Koike kürzlich und fügte hinzu: „Wenn die jungen Leute bitte in ihren Häusern bleiben, studieren und anderen Aktivitäten in ihren Häusern nachgehen würden, würden sich die Dinge besser entwickeln.“

Junge Menschen sollen lieber fleißig lernen

Viele japanische Politiker sehen das genauso und glauben, dass junge Menschen, wenn sie nicht zu Hause sind, um fleißig zu lernen, unterwegs sind und Alkohol trinken.

Um diese Botschaft zu vermitteln, wird auch YouTube genutzt, ein verzweifelter Versuch irgendwie die jungen Menschen zu erreichen. Die Gouverneurin von Tokyo erschien kürzlich in einem Video auf den Kanal „Hajimemashite Matsuo Desu“ in animierter Form.

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Im Video forderte Koike die jungen Leute auf, während der Golden Week nicht zu Reisen und warnte vor „rojonmi“ (trinken auf der Straße).

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Die ganzen Appelle haben die Zahl der Neuinfektionen allerdings nicht verringert, denn wie mittlerweile eigentlich jeder gemerkt hat, sind junge Menschen gar nicht das Problem. Jeder, bis auf die japanischen Politiker. Tokyo Sports Web schreibt zum Beispiel: „Es sind nicht nur junge Leute. An der Shin-Okubo-Station zum Beispiel war eine Gruppe von Menschen mittleren bis höheren Alters, die auf der Straße tranken.“

Der Newspicks Autor Shota Aizawa schrieb zu diesem Thema: „Ich bin angewidert von diesen Schuldzuweisungen an junge Leute. Ich persönlich bin mehr genervt von Menschen mittleren Alters, die im Zug Alkohol trinken.“

Einen Schuldigen an falscher Stelle suchen

Auch auf Twitter liest man viele kritische Stimmen. Der Nutzer AokioTonoko schrieb dazu passend: „Die Mainstream-Medien tun nichts anderes, als das Für und Wider des Trinkens auf der Straße abzuwägen. Vor einem Jahr waren sie hinter den Pachinko-Salons und den Hostessen-/Host-Bars her. Sie suchen nur nach einem neuen Bösewicht, den sie fangen können, während sie die Tatsache vertuschen, dass das medizinische System dieses Landes einfach nicht funktioniert.“

Und nun wird es wärmer in Japan und die Bars haben zu. Daher suchen sich viele Menschen Alternativen, wie Parks, um gemütlich zu trinken. Der Kobe Shimbun berichtete dazu passend über Menschen in ihren 20er-, 30er- und 40er-Jahren, die mit Klappstühlen und Tischen in Parks auftauchen, um dort ein paar Stunden zu verbringen.

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Es scheint also wie immer in Japan zu sein, einer muss Schuld haben und die Politik sucht sich immer einen leichten Gegner, in diesem Fall junge Menschen, davor waren es Vergnügungsviertel und davor Spielsalons. Auf die Idee, dass viele, insbesondere ältere Menschen, keine Lust mehr auf die Selbsteinschränkung haben, kommt keiner oder es wird einfach ignoriert.

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